Alte Menschen sind besonders gefährdet

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Prof. Dr. Christianl Löser, Ernährungsexperte und Chearzt der Medizinischen Klinik am Rot-Kreuz-Krankenhaus Kassel.

Angehörige sollten auf Hinweise auf Untergewicht und Mangelernährung achten und rechtzeitig gegensteuern. Die aktuelle Diskussion um die Qualität von Klinikessen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es hier meist nur um ein paar Tage im Leben eines Menschen geht.

Denn in hessischen Krankenhäusern beispielsweise bleiben Patienten im Schnitt nur 7,9 Tage. Mangelernährung entsteht aber gerade bei älteren Menschen im Alltag. Nach Schätzung des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen leiden in Deutschland 1,6 Millionen der über 60-Jährigen unter chronischer Mangelernährung. Davon leben 1,3 Millionen zu Hause und 330 000 in Altenpflegeheimen. Die Folge von Untergewicht, geringer Flüssigkeitszufuhr und Mangelernährung: Man wird anfälliger für Krankheiten, Infektionen und andere Komplikationen, die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit sowie die Lebensqualität nehmen ab. Der Mensch wird gebrechlich und ist häufig auf Betreuung angewiesen.

Prof. Dr. Christian Löser, Ernährungsexperte und Chefarzt der Medizinischen Klinik am Rot-Kreuz-Krankenhaus Kassel, rät deshalb Angehörigen, regelmäßig nach Art, Menge und nach Problemen der Nahrungsaufnahme zu fragen. Ein Blick in den Kühlschrank spricht hier oft schon Bände. Wenn die Kleidung zu weit wird oder der Gürtel enger geschnallt werden muss, ist dies ein deutlicher Hinweis dafür, dass ein alter Mensch Gewicht verliert. Senioren sollten sich auch selbst alle ein bis zwei Monate wiegen, um ihr Gewicht zu kontrollieren, rät Löser. Als Faustregel gelte: Das Gewicht sollte im höheren Alter nicht unterhalb des für eine Person sonst üblichen Gewichts liegen.

Rechtzeitig gegensteuern

Wenn Anzeichen für eine mangelhafte Ernährung zu erkennen sind, sollten Angehörige den Hausarzt hinzuziehen, empfiehlt der Ernährungsmediziner. Wichtig sei es, rechtzeitig gegenzusteuern, dann könne man Unterernährung auch gut behandeln. Im Alltag kann es bereits helfen, Senioren beim Einkauf zu unterstützen oder zum Beispiel für mittags einen Essens-Bringdienst zu organisieren. Denn viele allein unabhängig lebende Senioren schaffen es nicht mehr gut, regelmäßig einzukaufen oder sich selbst Essen zuzubereiten. Häufige Zahn- und Gebissprobleme bei älteren Menschen könne man eventuell beheben. Auch eine individuelle Ernährungsberatung für Senioren und Angehörige oder die Gabe von Trink- und Zusatznahrung, die meist von den Krankenkassen bezahlt wird, könne eine Lösung sein. (hei)

Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.dsl-mangelernaehrung.de bei der Deutschen Seniorenliga.

Christian Löser

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