Ohrstöpsel für die Bewohner

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Haus salem, Diakonissenhaus Kassel: Heimleiterin Petra Ryll ( links) und Irene Schubert begleiten Emilie Gaus (l.) und iIsa Weißner zum Gottesdienst.

Auch in Kasssel müssen sich immer mehr alte Menschen in Heimen mit Baulärm arrangieren. Viele Alteneinrichtungen sind in die Jahre gekommen und werden saniert.

Das geschieht aus Platz- und Kostengründen meist bei laufendem Betrieb. Gesetzliche Regelungen darüber, was den alten Menschen in solchen Fällen zugemutet werden kann, gibt es nicht.

Dies bestätigt auch das Hessische Sozialministerium auf Anfrage. „In den Pflegerichtlinien gibt es keine Lärmrichtlinien“, sagt Sprecherin Giesa Krüger. Die Heimaufsicht achte aber darauf, dass mit den Bewohnern sorgsam umgegangen werde. Dazu gehöre auch der Schutz vor Lärm.

Haus Salem in Kassel ist betroffen

Großbaustelle: Auch am Seniorenheim St. Bonifatius im Wesertor wird gebaut.

In Kassel wird zurzeit das „Haus Salem“ des Kurhessischen Diakonissenhauses im Vorderen Westen saniert. Das 1975 errichtete Alten- und Pflegeheim, in dem 52 alte Menschen leben, wird seit Anfang 2010 umfassend erneuert. Im Stadtteil Wesertor baut der Caritasverband das Seniorenhaus St. Bonifatius mit über 100 Bewohnern bis 2014 um. Dass die Bewohner zum Schutz vor Lärm ausquartiert werden, ist eher die Ausnahme. Das Albert-Kolbe-Heim des Sozialwerks der Christengemeinschaft Hessen, geht diesen Weg. Die 36 Bewohner der Einrichtung an der Hansteinstraße wurden auf den Dörnberg verlegt. (els)

Ohrstöpsel für Bewohner

Katrin Wienold-Hocke, Bad Sooden-Allendorf

Mehr Einzelzimmer mit Dusche und WC, eine Wohnküche auf jeder Etage und eine Altenbegegnungsstätte: Das Haus Salem des Kurhessischen Diakonissenhauses an der Herkulesstraße wird seit Anfang 2010 für 4,2 Millionen Euro saniert. Die Bewohner sollen sich dort noch wohler fühlen. Doch der Umbau ist zum Teil mit erheblichem Lärm verbunden, was immer wieder für Unmut sorgt. Der Betreiber ist wie andere auch in der Zwickmühle. Die Alteineinrichtung muss modernisiert werden, die Bewohner können aber nicht einfach ausquartiert werden. „Es gibt natürlich einige, die leiden“, sagt Oberin Katrin Wienold-Hocke. „Wir mussten durch diese schwierige Phase durch. Das Haus musste grunderneuert werden.“ Zeiten mit erhöhter Lärmbelastung würden vorher angesagt und Ohrstöpsel an die Bewohner verteilt. Es gebe zusätzliche Angebote, man habe auch eine Mittagsruhe vereinbart. Bei der Heimaufsicht sind die Probleme bekannt. „Die Heime müssen saniert werden“, sagt Jochen Schubotz, Teamleiter beim Hessischen Amt für Versorgung und Soziales in Kassel. „Das ist dringend notwendig.“

Keine verbindliche Regeln zu Lärmschutz

Da es im Heimrecht keine verbindlichen Regeln zum Lärmschutz gebe, komme es darauf an, wie die Umbauten organisiert werden. Die meisten Heimbetreiber seien darauf angewiesen, dass der Betrieb weiterläuft. Neue Entwicklungen Auch in der Altenhilfe bleibe die Entwicklung nicht stehen, sagt Schubotz. Viele Einrichtungen seien in den 1970er-Jahren oder noch früher entstanden. Bauliche Veränderungen seien deshalb dringend nötig. „Wichtig ist, dass man die Bewohner dabei nicht allein lässt“, sagt er.

Trost und Zuwendung seien ebenso nötig wie Gruppenangebote. Zum Beispiel Ausflüge und Spaziergänge, die die Bewohner in heißen Bauphasen aus dem Haus führten. Viele Heimbetreiber arbeiteten auch darauf hin, dass während der Sanierung weniger alte Menschen in der Einrichtung lebten. Allerdings könnten sie das Personal nicht einfach entlassen. „Die Kosten bleiben.“ Meist hätten die Heime keine andere Wahl, als bei laufendem Betrieb zu bauen, sagt auch Angelika Trilling vom Altenreferat der Stadt Kassel. „Das sind Wirtschaftsbetriebe.

Die müssen sehen, wie sie überleben.“ Trilling spricht von einem Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und den Ansprüchen der Heimbewohner, deren Leben aufgewirbelt werde. „Natürlich macht ihnen das Stress“, sagt sie über Modernisierungen. „Dann gibt es das Essen nicht mehr an dem gewohnten Platz und vieles mehr.“ Es sei deshalb wichtig, die alten Menschen und deren Angehörige einzubinden. Peter Ludwig Eisenberg will sich nicht damit abfinden, dass es keine verbindlichen Regelungen zum Lärmschutz der Heimbewohner gibt.

Der Sozialgerontologe im Ruhestand sorgt sich um eine Angehörige, die von den Bauarbeiten in Haus Salem betroffen ist. Die Heimleitung habe auf die Möglichkeit der Mietminderung verwiesen, sagt er. Doch damit werde das Problem nicht gelöst: Es müsse grundsätzlich geklärt werden. Gäbe es verbindliche Vorgaben, könnte die Heimaufsicht bei Verstößen eingreifen.

(Von Ellen Schwaab)

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