Alzheimer ist kein Schreckgespenst

Die Ärztin und Medizinjournalistin Marianne Koch warnt vor einer Gleichsetzung von Demenz und altersbedingter Vergesslichkeit. „Es dauert im Alter einfach oft länger, im Gehirn Dinge sozusagen aus den Schubladen zu kramen“, sagt die frühere Schauspielerin.

Rund 1,2 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Demenz, zwei Drittel von ihnen haben die Alzheimer-Krankheit. „Bis heute weiß aber niemand, was Alzheimer wirklich ist, was die Krankheit auslöst“, fügt Cornelia Stolze hinzu, die das Buch „Vergiss Alzheimer“ geschrieben hat. Viele Ärzte zögen gar nicht in Erwägung, dass Verwirrtheitszustände etwa auch auf eine Schilddrüsenstörung oder Durchblutungsprobleme zurückzuführen seien.

So würden etliche Menschen zu Alzheimer-Patienten erklärt, weil sie ihr Gedächtnis verlören. Eine solche Fehldiagnose zöge Medikamente und Behandlungen nach sich, die dem Betroffenen mitunter gar nicht helfen können. Manchmal führe laut Stolze die Angst vor Alzheimer in den Tod, wie bei dem Schweizer Industriellenerben Gunter Sachs. „Dabei war er gar nicht verwirrt, sondern depressiv - wie viele alte Menschen“, sagt Stolze.

Lebensqualität ist da

Medizinjournalistin Marianne Koch betont, das Leben sei für altere Menschen auch mit Demenz lebenswert. „Das Wichtigste ist, zu wissen, dass Menschen auch mit weniger intellektuellen Fähigkeiten noch Menschen sind und eine Würde haben“, betont die 80-Jährige. Angehörige müssten sich auf einen anderen, neuen Menschen einstellen. Demenzkranke nehmen die Welt nach Kochs Worten weniger über den Verstand als über ihre Gefühle auf. „Wenn die Angehörigen die Welt mit den Augen der Betroffenen sehen, fällt es leichter, sich in sie einzufühlen.“

Auf Bedürfnisse eingehen

Koch fordert eine würdevolle Betreuung für Demenzkranke. Sie sollten individuell nach ihren noch vorhandenen Fähigkeiten versorgt werden. „Gut sind etwa Pflegeheime, in denen Menschen in einem ähnlichen Krankheitsstadium auf einer Etage zusammen leben.“ Pfleger müssten zudem speziell geschult werden, verlangt die Ärztin. (epd)

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