Unheilbare Gehirnerkrankung

Alzheimer: Wenn das Gedächtnis langsam erlischt

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Der Münchner Arzt Dr. Alois Alzheimer hat den schleichenden Sterbeprozess im Gehirn entdeckt. Bei Alzheimer bilden sich Eiweißablagerungen im Gehirn. Diese sogenannten Amyloid-Plaques wirken wie ein Gift und lassen umliegende Nervenzellen sterben.

Wo ist jetzt nochmal der Hausschlüssel? Es kann doch nicht sein, dass man das wieder vergessen hat! Sind das etwa schon Anzeichen für Alzheimer?

Wo ist jetzt nochmal der Hausschlüssel? Es kann doch nicht sein, dass man das wieder vergessen hat! Sind das etwa schon Anzeichen für Alzheimer? Das fragen sich viele ältere Menschen, wenn sie von ihrem Gedächtnis im Stich gelassen werden. Doch keine Panik: Dass die Gehirnleistung im Alter nachlässt, ist normal – und mal was zu vergessen, bedeutet noch nicht, dass man an Alzheimer erkrankt ist.

Fakt ist aber auch: Der Großteil der etwa 1,5 Millionen Demenzkranken in Deutschland leidet tatsächlich an Alzheimer – nämlich rund zwei Drittel, das schätzt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft. Wer Angst hat, selbst betroffen zu sein, spricht am besten mit seinem Hausarzt darüber oder wendet sich an eine Gedächtnisambulanz, die es bereits in vielen Kliniken gibt (Adressen: www.deutsche-alzheimer.de).

Denn selbst für Experten ist es oft schwierig, die richtige Diagnose zu stellen: Ein einfacher Bluttest oder Bilder des Gehirns, aufgenommen mit einem Tomografen, reichen dafür nicht aus. Vielmehr braucht es eine Kombination aus körperlichen Untersuchungen, Gedächtnistests und Gesprächen mit dem Patienten und seinen Angehörigen.

Es gibt allerdings durchaus Anzeichen, bei denen man sofort hellhörig werden sollte (siehe Grafik): So ist es zwar nicht ungewöhnlich, wenn einem der Name eines flüchtigen Bekannten entfallen ist, das passiert jedem mal – anders liegt der Fall jedoch, wenn es um eine Person geht, die man ständig sieht oder die einem sehr nahe steht. Auch wenn man beim Erzählen häufiger nach dem richtigen Wort sucht, kann das ein Alarmzeichen sein.

Allgemein ist bei Alzheimerkranken zunächst vor allem das Kurzzeitgedächtnis betroffen: Was gestern war, ist oft ausgelöscht. Dafür können sich Patienten immer noch an Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend erinnern – sogar in fortgeschritteneren Stadien. Manche meinen dann gar, sie lebten jetzt wieder in dieser Zeit.

Die Ursache für Alzheimer ist immer noch unklar

Die Ursache der Alzheimerschen Erkrankung ist immer noch unklar. Was man jedoch weiß: Im Gehirn der Patienten bilden sich Ablagerungen bestimmter Eiweiße zwischen den Nervenzellen, die sogenannten Amyloid-Plaques. Eine weitere Gruppe von Eiweißen, die Tau-Proteine, „verknäueln“ sich in den Nervenzellen. Letztlich führt beides dazu, dass die Zellen absterben. Bei Alzheimer-Patienten sind davon vor allem Hirnregionen betroffen, die für Gedächtnis und Lernen entscheidend sind.

Vorbeugen lässt sich diesem vorzeitigen Abbau des Gehirns nur bedingt. Fakt ist aber: Auf den wichtigsten Risikofaktor hat niemand Einfluss, nämlich das Alter. Denn nur sehr selten wird die Diagnose Alzheimer bei unter 65-Jährigen gestellt.

Ist Kopfball ein Risiko für Alzheimer

Eine Erbkrankheit ist Alzheimer auch nicht: Sind Eltern oder Großeltern betroffen, heißt das nicht automatisch, dass das eigene Risiko zu erkranken erhöht ist. Aber: Es steigt bei Menschen, die zum Beispiel bei einem Unfall ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten haben. Auch leichtere, jedoch häufige Schläge auf den Kopf, wie sie etwa Boxer erleiden, erhöhen das Risiko. In einer kleinen Studie haben Forscher zudem die Wirkung von Kopfbällen bei Freizeitkickern untersucht. Das Ergebnis: Sie entdeckten häufiger kleine Schäden an Nervenzellen bei Spielern, die besonders häufig Kopfbälle gemacht hatten. Ob das auch Einfluss auf das Alzheimer-Risiko hat, bleibt allerdings offen.

Nach vielen Jahrzehnten Forschung ist Alzheimer immer noch nicht heilbar. Und: Die Möglichkeiten der Therapie sind bislang sehr begrenzt. Zwar testet man in Studien, ob sich die genannten Eiweiß-Ablagerungen im Gehirn durch eine Art Impfung auflösen lassen, doch dieser Ansatz ist noch im Versuchsstadium. Bei Erkrankten lassen sich heute allenfalls die Symptome lindern: Medikamente, sogenannte Antidementiva, können das Gedächtnis noch eine Zeit lang stabilisieren. Auf Dauer ausbremsen lässt sich Alzheimer allerdings bislang nicht.

Alzheimer - die Krankheit des Vergessens  

Alzheimer
Alzheimer ist längst zu einer Volkskrankheit geworden. In Deutschland leben rund 1,2 Millionen Betroffene und jedes Jahr kommen 200.000 Neuerkrankungen dazu. © AFI Alzheime r Forschung Initiative e.V.
Alzheimer
Die Alzheimer-Krankheit ist mit etwa zwei Drittel aller Fälle die häufigste Form der Demenz (lat. „ohne Geist“). © AFI Alzheimer Forschung Initiative e.V.
Alzheimer
Insgesamt sind über 50 Demenzformen bekannt, darunter auch die vaskuläre Demenz, die zum Beispiel nach einer Hirnblutung oder einem Hirninfarkt auftreten kann. © Alzheimer Forschung Initiative e.V.
Alzheimer
Auch über 100 Jahre nachdem der bayrische Neurologe Alois Alzheimer die Krankheit erstmals beschrieben hat, ist Alzheimer nicht heilbar. Im Gehirn von Alzheimer-Patienten zeigen sich zwei deutliche, krankheitsbedingte Kennzeichen. Dabei handelt es sich um unterschiedliche Eiweißansammlungen, sogenannte amyloide Plaques und Fibrillen. © Alzheimer Forschung Initiative e.V.
Alzheimer
Der Querschnitt zeigt ein gesundes Gehirn. Im Verlauf der Alzheimer-Erkrankung nimmt jedoch das Hirngewebe ab. Das Absterben von Nervenzellen hat Verhaltensänderungen wie Vergesslichkeit, Orientierungsschwierigkeiten und eingschränktes Urteilsvermögen zur Folge. © Alzheimer Forschung Initiative e.V.
Alzheimer
Beginnende Alzheimer-Krankheit: Im frühen Stadium der Alzheimer-Erkrankung baut das Kurzzeitgedächtnis ab, wenn die Zellen im Hippocampus, der Teil des limbischen Systems ist, degenerieren. Die Fähigkeit, tägliche Routinearbeiten zu erledigen, nimmt ab. © Alzheimer Forschung Initiative e.V.
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Fortgeschrittene Alzheimer-Krankheit: Wenn die Alzheimer-Krankheit sich über die Hirnrinde verteilt (die Außenhülle des Gehirns), schwindet das Urteilsvermögen, es kann zu emotionalen Ausbrüchen kommen und die Sprache ist beeinträchtigt. © Alzheimer Forschung Initiative e.V.
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Eines der Hauptmerkmale der Alzheimer‐Krankheit ist die Anhäufung amyloider Plaques (grün) zwischen den Neuronen im Gehirn. © Alzheimer Forschung Initiative e.V.
Alzheimer
Bislang gibt es kein Medikament Alzheimer zu heilen. Aber die Krankheit kann verlangsamt werden. Deswegen fordern Forscher eine frühzeitige Diagnose. Die Grafik zeigt eine Darstellung von gesunden Neuronen. © AFI

Die Entstehung der Krankheit Alzheimer ist sehr komplex. Was dabei im Gehirn passiert zeigt der Animationsfilm "Alzheimer: Eine dreidimensionale Entdeckungsreise" auf Youtube.com.

Andrea Eppner

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