Amalgam im Zahn: Raus oder nicht?

Im Gespräch mit einer Patientin: Dr. Martin Bruinier erklärt, wie Amalgamfüllungen ausgetauscht werden können. Foto: Strecker

Wenn Patienten mit einer Zahnerkrankung zu ihrem Zahnarzt gehen, stehen sie oft vor der Frage, ob mit Amalgam, Kunststoff oder Keramik gearbeitet werden soll. Das ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch der Gesundheit und Umwelt.

Zahnarzt Dr. Martin Bruinier arbeitet selbst nicht mit Amalgam, wird aber oft von seinen Patienten um Rat gebeten, wenn es darum geht, ältere Amalgamfüllungen auszutauschen.

„Wenn die Amalgamfüllung in Ordnung ist und keine Sekundärkaries, keine Frakturen oder Randspalten zwischen Zahn und Füllung vorliegen, müssen die Füllungen aus medizinischer Sicht nicht ausgetauscht werden“, sagt Dr. Bruinier. Eine Ausnahme seien Patienten mit Nierenerkrankungen, da die Schwermetallionen zu einem Nierenversagen führen könnten.

Vorteile von Amalgam

  • Amalgam ist als Füllungswerkstoff sehr stabil. Kunststofffüllungen verändern sich im Lauf der Jahre durch die Reaktion mit heißen, kalten, süßen und sauren Speisen. Amalgam nicht. Bei falscher Anwendung können sich Kunststofffüllungen im Laufe der Zeit zusammenziehen und müssen erneuert werden. Wird bei größeren Defekten jedoch mit Inlays, Teilkronen oder Kronen aus Keramik gearbeitet, passiert das nicht.
  • Die Metalllegierung wird seit dem 19. Jahrhundert von Zahnärzten verwendet.
  • Amalgam ist für den Zahnarzt leicht zu verarbeiten und in den Zahn einzubringen. Wird ein gleich großer Zahndefekt mit Kunststoff oder Keramik gefüllt, sind wesentlich mehr Arbeitsschritte erforderlich, um das gleiche Ergebnis zu erzielen.

Nachteile von Amalgam

  • Wird Amalgam in einen beschädigten Zahn eingebracht, hält es sich dort durch Reibehaftung. Entstehen Risse in der Füllung, kann Karies leicht durchdringen.
  • Lacht der Patient, fallen Amalgamfüllungen auf, da das Material nicht zahnfarben ist.
  • In der Metalllegierung ist Quecksilber enthalten, das als giftig gilt. Amalgam besteht zu einem Großteil aus Quecksilber, dazu kommen Silber, Zinn und Kupfer. Kunststoff allerdings enthält Weichmacher und kann in sehr seltenen Fällen Allergien hervorrufen. Keramik ist nebenwirkungsfrei, aber auch teurer.
  • Durch eine Amalgamfüllung gelangen Metallionen in den Organismus, da diese sich durch Säuren leicht auswaschen. Patienten beklagen außerdem vereinzelt einen metallischen Geschmack im Mund.
  • Amalgam ist umweltschädlich, da das Quecksilber aufwändig entsorgt werden muss. E Das Zahnfleisch kann mit Amalgam reagieren und es kommt zu so genannten Amalgam-Tätowierungen.
  • Amalgam kann einen Batterieeffekt, also elektrische Spannung im Mund, erzeugen.

Von Judith Strecker

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