Corona-Pandemie

Astrazeneca: Impfung auch bei Frauen über 60 riskant

Der seit Wochen in der Kritik stehende Impfstoff von Astrazeneca soll laut einer neuen Studie auch für Frauen über 60 riskant sein.

Kassel – Vor wenigen Tagen wurde eine in Deutschland durchgeführte Studie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) veröffentlicht, die das Auftreten von Sinus- und Hirnvenenthrombosen im Gehirn nach der Corona-Schutzimpfung gegen Sars-CoV-2 beschreibt. Auffällig war, dass nicht nur jüngere Frauen ein höheres Risiko für zerebrale Sinus- und Hirnvenenthrombosen nach der Impfung mit dem Vakzin „ChAdOx1“ (Astrazeneca) hatten, sondern auch ältere Frauen.

Die Inzidenzrate der Hirnvenenthrombosen bei Frauen unter 60 nach dem Spritzen des Astrazeneca-Impfstoffs betrug 24,2/100.000 Personenjahre, die von Frauen über 60 nach dem Impfen des gleichen Vakzins 20,5/100.000 Personenjahre. Wenn ein Gebiet beispielsweise fünf Millionen Einwohner hat und etwa 20.000 Menschen an einer bestimmten Krankheit pro Jahr erkranken, dann liegt die Neuerkrankungsrate bei 20.000 neu Erkrankte/fünf Millionen „Personen pro Jahr“ (= Personenjahre) – oder umgerechnet: Die Inzidenz (Neuerkrankungsrate) liegt bei 400/100.000 Personenjahren.

Aufgrund mehrerer Fälle von Hirnvenen-Thrombosen bei jüngeren geimpften Personen hat die Ständige Impfkommission eine angepasste Empfehlung abgegeben, nach dem der Impfstoff von Astrazeneca in erster Linie für über 60-Jährige einzusetzen ist. Wer jünger ist, kann auf eigenen Wunsch und nach ausführlicher Aufklärung trotzdem mit Astrazeneca geimpft werden. Der Einsatz des Impfstoffs liegt jedoch im ärztlichen Ermessen.

Eine Ärztin impft eine Frau mit dem Impfstoff von Astrazeneca in einem Impfzentrum. Nun soll der Impfstoff laut einer neuen Studie auch für Frauen über 60 riskant sein.

Nach Astrazeneca-Studie: Neue Risiko-Nutzen-Bewertung durch zuständige Behörden gefordert

Prof. Christian Gerloff, Präsident der DGN, kommentiert das Studienergebnis wie folgt: „Das Sicherheitssignal, dass nicht nur jüngere, sondern auch ältere Frauen ein erhöhtes Risiko für Sinus- und Hirnvenenthrombosen nach Impfung mit dem Astrazeneca-Vakzin haben, ist neu und muss transparent kommuniziert werden.“

Die Gesellschaft stelle damit nicht die Impfung infrage, auch nicht das Astrazeneca-Vakzin, empfehle aber, dass alle Personen, vor allem Frauen, vor der Impfung über dieses Risiko aufgeklärt werden sollten. Das gelte gerade auch im Hinblick darauf, auf welche Symptome die Betroffenen im Nachgang zu achten haben. „Außerdem sollte sehr zeitnah eine neue Risiko-Nutzen-Bewertung durch die zuständigen Behörden erfolgen“, sagt Gerloff.

Menschen unter 60, die eine Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten haben, sollen für die zweite Impfung ein anderes Vakzin bekommen. Doch wie sicher ist das? (luw)

Rubriklistenbild: © Marius Becker/dpa

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