Ausschlag: Häufiges Problem im Säuglingsalter

Fröhlicher Sonnenschein: Die kleine Louisa hat seit einigen Wochen Hautekzeme am Kinn und am Hals. Fotos:  privat/ nh

In den letzten Jahren habe man erkannt, dass die Neurodermitis zu den sogenannten Allergiekrankheiten zählt, erläutert der Kasseler Kinderarzt und Allergologe Dr. Peter Eberle. In vielen Fällen werde die Hautkrankeit durch Allergien (besonders gegen Nahrungsmittel, aber auch Hausstaubmilben) ausgelöst oder zumindest verstärkt.

Es sei deshalb von entscheidender Bedeutung, neben einer konsequenten Behandlung der Erkrankung Allergien auszuschießen. Dazu sollte ein Allergietest gemacht werden, rät der Mediziner. Diese Allergietestung könne, jeweils auf das Alter des Patienten angepasst, schon bei Säuglingen und Kleinkindern erfolgen.

Unsere kleine Tochter (neun Monate) hat seit einigen Wochen Hautausschläge an Kinn und Hals. Das Problem trat nach einem sehr warmen Tag auf. Die Stellen sind rau, trocken und gerötet. Nachdem andere Salben nicht gewirkt hatten, verordnete die Kinderärztin eine cortisonhaltige Salbe. Damit geht es jetzt etwas besser. Wir fürchten aber, dass die Kleine Neurodermitis entwickeln könnte, denn ihr Papa leidet darunter. Wir pflegen sie gut mit fetthaltigen Cremes. Was können wir noch tun, um auch einer Neurodermitis vorzubeugen?

Diese Fragen von Sarah R. aus Vellmar beantwortet der Kasseler Kinderarzt und Allergologe Dr. Peter Eberle.

Hautausschläge im Säuglingsalter kommen häufig vor. Oft werden sie ausgelöst durch Sonne, Schweiß, Infektionen durch Bakterien oder auch nur durch eine mechanische Reizung der Haut zum Beispiel durch Kratzen. Nicht jeder Ausschlag muss deshalb, gerade wenn er an warmen Tagen auftritt, auf die Entwicklung einer Neurodermitis (atopische Dermatitis) hinweisen, sagt der Kinderarzt.

„Wir wissen heute, dass diese Erkrankung genetisch fixiert ist und dass die Bereitschaft, daran zu erkranken, vererbt wird. Ist ein Elternteil betroffen, hat jedes Kind dieser Familie eine Erkrankungswahrscheinlichkeit von 50 Prozent. Sind beide Elternteile betroffen, erhöht sich diese Wahrscheinlichkeit auf bis zu 80 Prozent“, erläutert Eberle.

Die Versuche, einem Auftreten der Neurodermitis vorzubeugen oder dieses zumindest zu verzögern, seien jedoch eher frustrierend.

Gewisse vorbeugende Effekte lassen sich laut Eberle durch Muttermilchernährung in den ersten vier Lebensmonaten erzielen. Das Meiden von bestimmten Nahrungsmitteln in den ersten zwei Lebensjahren hätte indes keine schützende Wirkung auf die Entwicklung einer Neurodermitis gezeigt.

Eine entscheidende Bedeutung in der Behandlung von Ekzemen, auch der Neurodermitis, komme der konsequenten Hautpflege zu. „Die raue, trockene und gerötete Haut muss am besten mehrmals täglich mit einer Fettsalbe eingeschmiert werden“, rät Eberle. Besonders bewährt hätten sich Salben mit Glyzerin als Grundstoff. Cortisonhaltige Cremes und Salben sollte man möglichst nicht anwenden, in schweren Fällen seien diese als kurzzeitige Therapie aber oft nicht zu vermeiden. Seit einigen Jahren gebe es Cremes, die aus einem Schimmelpilz hergestellt werden und erfolgreich bei Neurodermitis eingesetzt werden können. Diese enthalten kein Cortison, dürften aber nur im Intervall und nicht unbegrenzt lang angewandt werden.

Konsequente Pflege

Zusammenfassend sagt Kinderarzt Eberle: „Nicht jeder Ausschlag bei Säuglingen ist gleich eine Neurodermitis. Bleiben die Ausschläge lange bestehen, und verschwinden sie nicht nach konsequenter Pflege mit Fettsalben, ist eine atopische Dermatitis wahrscheinlich. Eine allergische Ursache sollte dann ausgeschlossen werden.“

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