Lernen, sich selbst zu lieben

Ayurvedische Philosophie: „Leben in die eigenen Hände nehmen“

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Hat sich ihr „eigenes kleines Bullerbü“ erschaffen: Massagetherapeutin Beate Addy lebt und arbeitet im Elfenhain – dem Zentrum für Wahres und Schönes. Hier bietet sie ayurvedische Massagen und Bäder an.

Unser Körper verrät uns alles über uns. Er speichert alle Gefühle: Wut, Scham, Trauer, Sorgen, aber auch Freude und das manchmal vergessene Gefühl der Liebe zu sich selbst.

Ayurveda kann helfen, dieses Gefühl wieder mehr wahrnehmen zu können. Die Hektik des Alltags lässt uns wenig Zeit auf unseren Körper zu hören. Nicht selten hasten wir durch unser Leben, wie das weiße Kaninchen aus Alice im Wunderland – immer in Sorge, nicht genügend Zeit zu haben, zu spät zu kommen, unfertig zu sein. Krankheiten und Unausgeglichenheit können die Folge sein. 

Auch der Kasseler Massagetherapeutin Beate Addy ging es einst so – bis sie zum Ayurveda und somit zu ihrer Berufung fand. 

Frau Addy, woraus genau besteht Ayurveda?

Der Ayurveda beinhaltet vier Pfade. Dazu gehören Yoga, Ernährung, Massage und Meditation. Die alle zusammen ergeben die Lehre vom langen Leben. Beim Yoga lernt man Übungen, um den Körper zu stärken, durch die Ernährung stärken wir den Körper von innen, die Meditation und die Massagen helfen bei Entspannungen und Aufarbeitungen. 

Warum sollten wir uns alle etwas mehr mit Ayurveda befassen?

Ich glaube, es ist total wichtig, bewusst zu sein. Sich dessen bewusst sein, dass wir in diesem Leben nur einen Körper haben. Dieser Körper darf gepflegt, geliebt und fürsorglich behandelt werden. Das hat er verdient. 

Was bedeutet Selbstfürsorge für Sie? 

Dazu stelle ich Ihnen erst einmal eine Gegenfrage: Warum soll Ihr Körper stets alles geben, wenn Sie ihn abstoßen? Oder ihn wie eine Maschine behandeln? Wenn Sie morgens in den Spiegel blicken und unzufrieden sind – dann kommt dieses Gefühl auch bei Ihren Zellen an. Aber wir machen uns keine Gedanken darüber, was wir da eigentlich für ein Wunderwerk am Start haben. Das ganze System funktioniert. Jede Bewegung sitzt. Wir hören aber erst hin, wenn dem nicht mehr so ist. Wenn es Störungen gibt. Wenn eine Funktion ausfällt. Ayurveda kann helfen dieses Wunderwerk zu unterstützen. Zu pflegen. 

Wie genau? 

Durch Eigenliebe. Indem man sich etwas Gutes tut, eine Auszeit nimmt und Achtsamkeit und Ruhe zulässt. Ayurveda kann helfen, Blockaden zu lösen. Wenn die Gedanken nicht zur Ruhe kommen, hilft beispielsweise eine Kopfmassage. Denn Gedanken erzeugen Emotionen. Und Emotionen machen etwas mit dem Körper – sie erzeugen eine Empfindung. Erst kommt also der Gedanke, dann die Emotion, dann das Körperempfinden. Den Ursprung der Verspannung, der Schmerzen oder des Burn-Outs gemeinsam zu ergründen und daran arbeiten zu können – das macht die Massage so spannend.

Die Padabhyanga: Die ayurvedische Fußmassage hilft bei Kopfschmerzen, Erschöpfung und Schlafproblemen.

Also unterscheiden sich Ihre Massagen stets? 

Für mich ist die Massage wie ein Tanz: Der, der liegt, führt. Und es ist wichtig, die gezielten Bedürfnisse zu erkennen und zu erfüllen. Mein Wunsch ist es, den Menschen durch Berührung ein wohliges Gefühl zu schenken. Dass sie ihren Körper wieder liebevoll wahrnehmen und sich darin wieder geborgen und sicher fühlen können. 

Wie schaffen Sie es, selbst zur Ruhe zu finden? Ist es nicht körperlich anstrengend, den ganzen Tag zu massieren? 

Ich empfinde es nicht als Anstrengung. Alles, was ich mache, sind meditative Dinge. Also, ob ich massiere, im Garten Beete anlege oder Honig von meinen Bienen zubereite – ich erschaffe mir mein eigenes kleines Bullerbü und befasse mich mit den Dingen, die mir guttun. Jede Massage ist daher auch eine Meditation für mich. 

Was können Sie Ayurveda-Einsteigern bei den ersten Schritten raten? 

Alles zulassen. Es gibt viele Wege. Wichtig ist, einfach mal wieder bei sich anzukommen und auf seinen Körper zu hören. Natürlich dauert es länger, wenn du versuchst, eine bestimmte Yogaübung zu erlernen – das bedarf Training – aber dann wirst du es schaffen. Den Weg des Ayurveda aber kannst du ganz schnell nutzen. Du kannst dich fragen: Bin ich Schöpfer oder Opfer? Und dann die bewusste Entscheidung treffen ‘Ja’ zu sich zu sagen, das Leben in die eigenen Hände zu nehmen und wieder zu sich selbst zu finden. Um sich zu erden, hilft es schon, sich mal wieder die Schuhe auszuziehen und barfuß über Wiesen oder durch unseren wunderschönen Kasseler Bergpark zu spazieren.

Hintergrund: Ayurveda-Typen und Ernährung 

Ayurveda ist eines der ältesten Gesundheitssysteme und entwickelte sich vor etwa 5000 Jahren aus der traditionell indischen Medizin. Wörtlich aus dem Sanskrit übersetzt bedeutet Ayurveda „Die Wissenschaft des Lebens“. Dabei werden neben dem medizinischen Aspekt alle Bereiche des Lebens mit einbezogen: spirituell, philosophisch und sozial. Im Ayurveda wird eine Bandbreite an Empfehlungen geboten und der Mensch entscheidet, was zu ihm passt. Jeder Mensch kann in eine der drei Ayurveda-Typen (Vata, Pitta und Kapha) eingeteilt werden und sich damit entsprechend seiner Bedürfnisse ernähren. Durch einen Konstitutionstest (Dosha-Test) kann man seinen Ayurveda-Typen bestimmen. 

Kontakt: Beate Addy, Elfenhain – Zentrum für Wahres und Schönes, Konrad-Adenauer-Straße 143, 34132 Kassel, Mail: beate-addy@gmx.de, Homepage: www.ayurveda-kassel.com, Telefon: 0157 / 85 58 77 70

 

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