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Bakterielle Infektion ist zweithäufigste Todesursache - Antibiotikaresistenzen großes Problem

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Von: Martina Lippl

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Gefährliche Bakterien: Klebsiella pneumoniae – hier in einer Petrischale – können Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln.
Gefährliche Bakterien: Klebsiella pneumoniae – hier in einer Petrischale – können Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln. © imago

Weltweit gehören Bakterien zu den häufigsten Todesursachen. Bakterielle Infektionen können tödlich enden. Fünf Erreger sind besonders gefährlich, wie eine internationale Untersuchung zeigt.

Washington – Viele Bakterien sind wichtig für unsere Gesundheit. Doch es gibt Bakterien, die uns krank machen. Salmonellen können auf Lebensmitteln schwere Durchfallerkrankungen verursachen. Staphylokokken können Abszesse oder eine Blutvergiftung (Sepsis) auslösen. Für Krankheiten wie Tuberkulose, Scharlach und Keuchhusten sind Bakterien verantwortlich.

Bakterielle Infektionen sind 2019 weltweit die zweithäufigste Todesursache gewesen, wie merkur.de berichtet. Das hat eine internationale Analyse ergeben, die im Fachmagazin The Lancet erschienen ist. Für jeden achten Todesfall waren demnach Bakterien verantwortlich. Der Analyse zufolge waren 33 Erreger für 7,7 Millionen Todesfälle im Jahr 2019 verantwortlich. Wobei fünf Bakterien für mehr als die Hälfte der Todesfälle verantwortlich gewesen waren:

Bakterielle Infektion: Tödlichster Erreger ist Staphylococcus aureus

Besonders auffällig: Nur ein Organismus – Staphylococcus aureus – wird den Forschern zufolge mit mehr als einer Million Todesfälle in Verbindung gebracht.

Todesursache waren überwiegend Bakterien-Infektionen der unteren Atemwege – Lunge, Bronchien und Luftröhre, Infektionen der Blutbahn (englisch: blood stream infection) sowie Infektionen des Bauchfells und des Bauchraums.

Gefährliche Bakterien: Krankheitserreger unterscheiden sich laut Forschern nach Alter und Region

Die tödlichsten bakteriellen Krankheitserreger und Infektionsarten variieren je nach Ort und Alter, stellten die Wissenschaftler zudem fest: So war Staphylococcus aureus bei Menschen über 15 Jahren mit den meisten Todesfällen verbunden und Salmonella enterica serovar Typhi bei Kindern zwischen 5 und 14 Jahren. Bei Kindern bis 5 Jahren war S. pneumoniae der tödlichste Erreger und bei Neugeborenen Klebsiella pneumoniae.

Gefährliche Bakterien: Klebsiella pneumoniae – hier in einer Petrischale – können Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln.
Gefährliche Bakterien: Klebsiella pneumoniae – hier in einer Petrischale – können Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln. © imago

Tödliche bakterielle Infektion: Sterblichkeitsrate in einer Region besonders hoch

Afrika südlich der Sahara verzeichnete die Forscher mit 230 Todesfällen pro 100.000 Einwohner die höchste Sterblichkeitsrate. Die niedrigste Sterblichkeitsrate mit 52 Todesfällen pro 100.000 Einwohnern liege in den „einkommensstarke Superregion“ – zu denen Länder in Westeuropa, Nordamerika und Australasien gehörten. Wobei die Studien-Autoren auf Schwächen ihrer Analyse hinweisen. Gerade in ärmeren Ländern der Welt seien nur begrenzt Daten verfügbar.

Doch die Studie liefert nach Ansicht der Forscher erstmals eine globale Schätzung der Sterblichkeit mit 33 häufigsten bakteriellen Krankheitserregern. „Diese neuen Daten zeigen zum ersten Mal das volle Ausmaß der globalen Herausforderung für die öffentliche Gesundheit durch bakterielle Infektionen“, sagte Dr. Christopher Murray, Co-Autor der Studie und Direktor des Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) an der Universität der Washington School of Medicine laut einer Pressemitteilung. „Es ist von größter Bedeutung, diese Ergebnisse auf das Radar globaler Gesundheitsinitiativen zu setzen, damit diese tödlichen Krankheitserreger genauer untersucht und angemessene Investitionen getätigt werden können, um die Zahl der Todesfälle und Infektionen zu senken.“

Forscher fordern Strategie im Kampf gegen Bakterien

Bisher fehlten Schätzungen, in welchen Teilen der Welt Menschen am stärksten von bakteriellen Infektionen betroffen sind, schreiben die Forscher. Sie sehen die Studie als Leitfaden, um bakterielle Infektionen und damit auch Todesfälle zu reduzieren. Gesundheitssysteme müssten gestärkt und Labore vergrößert werden. Der Einsatz von Antibiotika müsse zudem optimiert und kontrolliert werden, um Resistenzen zu vermeiden.

Antibiotikaresistenzen – Experten warnen vor resistenten Keimen

Es gibt krankmachende Bakterien, gegen die kein Antibiotikum mehr wirkt. Jedes Jahr erkranken nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) etwa 50.000 Menschen in Deutschland an antibiotikaresistenten Erregern. „Davon sind circa zwei Drittel im Krankenhaus erworbene Erkrankungen“, sagte Tim Eckmanns, Leiter der Surveillance von Antibiotikaresistenz beim RKI vergangene Woche. Etwa 2.500 vom RKI erfasste Todesfälle gebe es jedes Jahr durch multiresistente Erreger.

In Europa sterben jedes Jahr mehr als 35.000 Menschen an Infektionen mit resistenten Bakterien. Darauf weist die EU-Gesundheitsbehörde ECDC in einem aktuellen Report hin. „Wir sehen besorgniserregende Anstiege bei der Zahl der Todesfälle, die auf Infektionen mit antibiotikaresistenten Bakterien zurückzuführen sind“, erklärte ECDC-Direktorin Andrea Ammon im Vorfeld des European Antibiotic Awareness Day am Freitag. Es müsse mehr dafür getan werden, dass Antibiotika nicht unnötig zum Einsatz kommen.

Antibiotika helfen nur gegen Bakterien – Umfrage deckt gravierende Wissenslücke auf

Bei Thema Antibiotika gibt es viel Unwissen. Nur die Hälfte der Europäer weiß einer Umfrage zufolge, dass Antibiotika keine Viren töten, sondern nur gegen bakterielle Infektionen wirken. Laut einer Eurobarometer-Befragung glauben 39 Prozent der Europäer, dass Antibiotika gegen Viren helfen und 11 Prozent der Bürgerinnen und Bürger gaben an, keine Antwort auf diese Frage zu kennen. Antibiotika helfen jedoch nur bei einer bakteriellen Infektion. (ml)

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