Bandscheibenvorfall: Eine OP ist nicht immer nötig

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Modell der Wirbelsäule mit Bandscheiben.

Fritzlar - Starke Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich, Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Beinen sind typische Anzeichen eines Bandscheibenvorfalls der Lendenwirbelsäule – dann ist Eile geboten, erklärt Dimitri Döhl, Facharzt für Neurochirurgie am Fritzlarer Hospital zum Heiligen Geist.

„Wenn neurologische Symptome auftreten, sollte operiert werden, je schneller, desto besser“, sagt Döhl. Denn dann bestünde die Gefahr, dass aufgrund des Drucks der Bandscheibe auf die Nervenwurzel die Nerven dauerhaft geschädigt werden und sich die neurologischen Ausfälle nicht mehr zurückbilden. Bandscheibenerkrankungen sind in der Regel Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule, deren Auftreten durch Bewegungsmangel und Vererbung begünstigt werden. Schmerzen, die ins Bein ausstrahlen, Schwächen beim Fußheben und bei Kniebeugen lassen einen Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule vermuten, erklärt der Facharzt. „Nicht jeder Bandscheibenvorfall muss operiert werden“, sagt Döhl. Je nach klinischem Bild und Ergebnissen weiterer

Diagnoseverfahren wie Kernspin und Röntgen müsse die passende Behandlung für den Patienten abgestimmt werden. Neurologische Ausfälle wie Taubheit, Lähmungen, Kribbeln und Empfindungen wie „Ameisenlaufen“ auf der Haut weisen auf Schädigung der Nerven hin. „Das neurale System funktioniert wie Telefonkabel“, erklärte der Facharzt. Jede Nervenwurzel versorgt bestimmte Muskeln und Hautgebiete. Sind von den Symptomen abgrenzbare Zonen an Armen oder Beinen betroffen, kann der Arzt die geschädigte Nervenwurzel am Wirbelspalt identifizieren und so einen möglichen Bandscheibenvorfall verorten. Die häufigsten Bandscheibenerkrankungen betreffen den unteren Rücken, auch an der Halswirbelsäule kommen sie vor, an der Brustwirbelsäule kaum. Bei der Operation eröffnet der Neurochirurg den Zwischenwirbelspalt und räumt den Teil der Bandscheibe aus, der Druck auf die dort abgehenden Nerven ausübt. Ist die ganze Bandscheibe zerstört, wird sie vollständig entfernt. „Das Ziel ist es, den Druck auf die Nervenwurzel wegzuneh

men“, sagte Döhl. Versucht werde, besonders bei jungen Leuten, die restliche Bandscheibe zu erhalten. Nach der Operation dürfen die Patienten in der ersten Zeit nicht sitzen, nur liegen und stehen ist erlaubt, um den Druck auf die Operationsstelle niedrig zu halten. Reha-Maßnahmen verfolgen das Ziel, Bewegungsabläufe zu verbessern und ein stützendes Muskelkorsett aufzubauen. Der Facharzt empfiehlt Schwimmen und Nordic Walking, auf das Fahrradfahren sollten operierte Patienten für ein halbes Jahr verzichten. Nur auf einem Ergometer ist das Radeln erlaubt. Am wichtigsten zur Vorbeugung von Bandscheibenproblemen ist ein gut ausgebildetes Muskelkorsett, das die Zwischenräume der Wirbelsäule entlastet. Sprechstunden hält der Fritzlarer Neurochirurg bis Ende des Jahres noch in Wabern in der Praxis von Orthopäde Dr. Klaus Röde, ab Januar 2013 eröffnen die Praxen im Ärztezentrum St. Wigbert in Fritzlar. Zu Döhls Schwerpunkten gehört die spinale Neurochirurgie wie Operationen von Bandscheibenvorfällen und Spinalkanalverengungen sowie Versteifungen des Kreuz-Darmbein-Gelenkes sowie Schmerztherapie.

Von Bettina Mangold

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