Überfunktion der Schilddrüse erhöht Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall

+
Behandelt erfolgreich Funktionsstörungen der Schilddrüse: Prof. Rudolf Hesterberg, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am RKH Kassel.

Über 800.000 Deutsche leiden unter einer Überfunktion der Schilddrüse. Oft ist die Erkrankung bereits im Blut nachweisbar, obwohl die Betroffenen noch keine Beschwerden haben. Dabei belastet eine Schilddrüsenüberfunktion ganz wesentlich das Herz.

Eine neuere Studie der Thyroid Studies Collaboration ergab, dass Patienten mit einer Schilddrüsen-Überfunktion im Vergleich zur Normalbevölkerung ein um 68 Prozent höheres Risiko für Vorhofflimmern und Herzrhythmusstörungen haben. Auch die Sterberate war in der untersuchten Gruppe um 24 Prozent erhöht.

Das Rote Kreuz Krankenhaus  (RKH) Kassel führt standardmäßig Untersuchungen zur Bestimmung der Schilddrüsenhormone im Blut durch. Ursache für eine Überfunktion ist in den meisten Fällen ein chronischer Jodmangel. Mit der Radio-Jod-Therapie  oder mit Hilfe eines chirurgischen Eingriffs können Schilddrüsenfunktionsstörungen erfolgreich behandelt und das Herzinfarktrisiko aktiv gesenkt werden.

„In den meisten Fällen lösen sogenannte „heiße Knoten“ eine Überfunktion aus“, erklärt Prof. Rudolf Hesterberg, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am RKH Kassel. „Bestimmte Bezirke des Schilddrüsengewebes entgleisen plötzlich und produzieren unkontrolliert Hormone.“ Das Herz ist ein wesentliches Zielorgan von Schilddrüsenhormonen. Eine Überfunktion kann sich bemerkbar machen durch Schmerzen in der Brust und Herzrasen.

Schilddrüsenhormone lassen das Herz schneller schlagen und können zu einer Herzrhythmusstörung führen. Auch Bluthochdruck ist eine häufige Begleiterscheinung. Steigen die Schilddrüsenhormone im Blut weiter an, verschlimmern sich in der Regel auch die Symptome wie Nervosität, Herzrasen, Schlafstörungen, Schweißausbrüche und Herzklopfen.

Behandlungsmöglichkeiten bei Schilddrüsenproblemen

Grundsätzlich können Schilddrüsenfunktionsstörungen sehr erfolgreich behandelt werden, eine Überfunktion durch „heiße Knoten“ beispielsweise mit radioaktivem Jod. „Bei dieser Therapie bekommen Patienten ein Getränk oder eine Kapsel mit einer bestimmten Menge radioaktiven Jods, das von den Gewebeteilen des Organs eingelagert wird, die die Überfunktion verursachen“, erklärt Prof. Hesterberg. „Durch die Wirkung der Strahlen werden diese Bezirke ausgeschaltet. Der Rest des Körpers bleibt von der radioaktiven Strahlung verschont.“

Eine Alternative insbesondere bei großen Knoten ist die Operation. „Ein neuartiges Verfahren, die sogenannte Mikrowellenablation, könnte eine Alternative zu den etablierten Therapien sein“, erklärt Prof. Hesterberg. Bei örtlicher Betäubung wird eine Sonde durch die Haut geleitet. Sie dient dazu, die Mikrowellen direkt auf die Schilddrüsenknoten zu lenken. Die kranken Zellen werden durch die Wellen erhitzt und das behandelte Schilddrüsengewebe vom Körper abgebaut. „Allerdings gibt es für dieses Verfahren noch keine Langzeitergebnisse“, so der Experte.

Weitere Gründe für eine Schilddrüsenoperation sind große Knoten, die auf die Luftröhre drücken oder Schluckbeschwerden verursachen. Eine Operation ist auf jeden Fall bei Verdacht auf eine bösartige Schilddrüsenerkrankung angezeigt. (nh)

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

der Inhalt dieses Artikels entstand in Zusammenarbeit mit unserem Partner. Da eine faire Betreuung der Kommentare nicht sichergestellt werden kann, ist der Text nicht kommentierbar.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.