Wird sie nie Sex oder Kinder haben?

Bewegend: Diese Frau hat keine Vagina - und kämpft für eine OP

Es klingt unfassbar: Die 22-jährige Kaylee Moats besitzt keine Vagina. Sie leidet unter einer seltenen Krankheit, die ihr (Liebes-)Leben schwer macht.

Auf den ersten Blick scheint die 22-jährige Kaylee Moats aus Arizona wie eine ganz normale junge Frau: Sie ist hübsch, hat einen Freund und strahlt auf Fotos stets über beide Ohren.

22-jährige Kaylee Moats leidet unter ihrer seltenen Krankheit

Doch hinter der Fassade bröckelt es - vor vier Jahren machte die US-Amerikanerin eine grausame Entdeckung, die ihr ganzes Leben verändern sollte: Sie hat keine Vagina.

Damals erfuhr sie von einem Gynäkologen, dass sie am seltenen Küster-Hauser-Syndrom leide. Sie ging zu ihm, weil sie bemerkte, dass sie trotz ihrer 18 Jahre noch immer keine Periode hatte – im Gegensatz zu ihrer 12-jährigen Schwester.

Beim Ultraschall kam dann heraus: Kaylee besitzt von Geburt an weder Uterus, noch Gebärmutterhals oder Vaginalöffnung. Deshalb erklärte ihr der Gynäkologe, dass sie niemals in der Lage sein werde, Kinder zu kriegen.

Frau ohne Vagina: Was ist das Küster-Hauser-Syndrom?

Das Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom (MRKHS), kurz Küster-Hauser-Syndrom ist eine angeborene Fehlbildung des weiblichen Genitals. Den Betroffenen fehlt Uterus sowie Vagina. Die Folge ist oftmals die Sterilität der Frauen. Studien zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit, daran zu erkranken, bei etwa 1:5.000. Der Grund könnte ein chromosomaler Defekt sein, der zu einer Hemmungsfehlbildung mit einem Ausbleiben der Kanalisierung des Genitalstrangs während der Embryonalentwicklung führt.

Für Kaylees Familie war die Diagnose nur schwer zu ertragen. Ihre Eltern fühlten sich angesichts des Schicksals ihrer Tochter hilf- und machtlos. Schließlich kann Kaylee nicht nur keine Kinder kriegen, sondern auch keinen Vaginal-Sex haben. Deshalb hofft die 22-Jährige auf eine Operation.

Letzte Hoffnung OP? Kaylees Familie sammelt Geld

Das Pikante daran: Die Krankenkasse will diese aber nicht bezahlen. Ihre Begründung: Die Operation sei rein kosmetischer Natur – und nicht medizinisch notwendig. "Es wird als kosmetische Operation angesehen oder als Geschlechtsumwandlung, was es nicht ist. Es tut weh. Der Fakt, dass die OP 15.000 Dollar (etwa 12.777 Euro, Anm. d. Red.) kostet – direkt nach dem College mit einer Menge Studienschulden - macht es mir und meiner Familie sehr schwer", so Kaylee.

Doch die Familie will die Hoffnung nicht aufgeben – und so sammelt Kaylees Schwester Amanda mit einer Crowdfunding-Kampagne Geld für die OP.

Kaylees Freund steht fest zu ihr

Dennoch ist die Studentin mit ihrem Freund Robert glücklich – obwohl sie keinen Sex mit ihm haben kann. Und er akzeptiert und liebt sie, so wie sie ist: "Als sie es mir erzählte, hatte ich mich schon in sie verliebt. Es bringt mich nicht dazu, sie weniger zu lieben und ich werde jeden Schritt des Weges für sie da sein. Es hat meine Gefühle nicht verändert", erklärt Robert.

Great birthday weekend with my favorite person

Ein Beitrag geteilt von Kaylee Moats (@kaymoatsie) am

"Zu wissen, dass er mich als die akzeptiert, die ich bin und mich als Person und Frau deshalb nicht weniger schätzt, gibt mir das Gefühl geliebt zu werden", zeigt sich Kaylee sichtlich gerührt von Roberts Liebeserklärung.

Sehen Sie hier das ganze berührende Video:

Lesen Sie hier auch über das schwere Schicksal einer Frau, die nach dem Orgasmus im Rollstuhl landete.

Auch emotional: Diese Frau dachte nach der Geburt, dass ihre Vagina "gebrochen" sei.

jp

Die seltensten Krankheiten der Welt

Seltene Krankheiten werden von Ärzten oft erst zu spät erkannt. Die meisten Patienten haben eine regelrechte Odyssee hinter sich, bis irgendwann ein Arzt die Krankheit diagnostiziert. Als selten gilt eine Krankheit, die bei weniger als 5 von 10 000 Menschen auftritt. Über die Schwierigkeiten bei deren Diagnose haben sich am Freitag in Hannover mehr als 100 Ärzte, Selbsthilfegruppen, Forscher und Patienten ausgetauscht. Am 28. Februar ist der Europäische Tag der seltenen Krankheiten. Er wird von der der europäischen Organisation für seltene Krankheiten (EURORDIS) organisiert. © dpa
Syringomyelie: Ein schöner Rücken kann entzücken, ein Rücken mit einem Hohlraum in der Wirbelsäule aber ist eine seltene Krankheit - die Syringomyelie. Manchmal ist eine Entwicklungsstörung die Ursache, manchmal auch ein Tumor, eine Verletzung oder eine Entzündung. Der Holraum füllt sich mit Flüssigkeit, die nach und nach das Rückenmark verdrängt. © dpa
Dancing Eyes Syndrom: Die sehr seltene Krankheit wird meist bei Kindern zwischen 1 bis 3 Jahren diagnostiziert. Ihre Augen zucken hin und her, aber auch Arme und Beine bewegen sich ruckartig. Und über Wochen und Monate sind die Kinder oft sehr leicht irritierbar. Wenn die Kinder älter werden, werden die Symptome weniger. Es ist nicht genau klar, wie es dazu kommt. Einige Mediziner nehmen an, dass der Körper Tumorzellen bekämpfen will. Doch er greift gleichzeitig auch gesunde Gehirnzellen an - daher die Zuckungen. © dpa
Progeria adultorum: Der lateinische Begriff besagt, dass ein Mensch viel zu früh und viel zu schnell altert. Die Patienten sind oft erst dreißig, doch plötzlich ergrauen die Haare, die Haut wird faltig. Auch im Geiste werden sie schnell älter. Viele Erkrankte sterben, wenn sie kaum 50 Jahre alt sind. © dpa
Das Kabuki-Syndrom: Die Dame auf unserem Bild ist nur wie eine japanische Kabuki-Schauspielerin geschminkt. Kinder, die unter dem Kabuki-Syndrom leiden, haben aber sehr ähnliche Gesichtszüge. Dazu gehören zum Beispiel große Augen, lange und dicke Wimpern und die Augenbrauen sind sehr bogig. Die Nasenspitze ist bei ihnen zudem oft eingedrückt und die Ohren stehen hervor. Auch die Motorik der Kinder ist eingeschränkt. Geistig sind die Kinder oft mild bis mäßig behindert. © dpa
Das Kleeblattschädel-Syndrom ist eine sehr seltene Fehlbildung des Kopfes. Der Schädel hat, von vorne betrachtet, die Form eines Dreiblättrigen Kleeblatts. Nur 120 Fälle wurden bis 2005 beschrieben. Die meisten Patienten leben nicht lange. Die Fehlbildungen lassen sich jedoch chirurgisch beheben. © dpa
Myiasis: Manche Fliegen, wie die Tumbu- oder Dasselfliege legen ihre Eier gerne in offene Wunden. Deswegen heißt die Myiasis auch Fliegenmaden-Krankheit. Sie tritt vor allem in tropischen oder subtropischen Gegenden auf. Die Larven verteilen sich dann unter der Haut und wandern durch den Körper. Die wichtigste Vorbeugung: Hygiene und wunden gut abdecken. © dpa
Sklerodermie: Bei dieser "entzündlichen rheumatischen Erkrankung" erhärtet sich das Kollagen, ein wichtiger Bestandteil des Bindegewebes. In manchen Fällen nur in der Haut, in manchen Fällen dringt die Sklerodermie aber auch ins Gefäßsystem und die inneren Organe vor. Die Folge können gravierende Funktionsstörungen sein. Das Gesicht wird starr, und die Haut bekommt ein sehr ledriges Aussehen. Auf unserem Foto hat sich eine junge Frau aus Bayern, die an Sklerodermie leidet, ihr Gesicht von Kosmetik-Spezialisten zumindest äußerlich in den Zustand vor der Krankheit zurückversetzen lassen. © dpa
Das Mittelmeerfleckfieber wird durch die braune Hundezecke übetragen, die auch in der Schweiz vorkommt. Nach etwa einer Woche Inkubationszeit bricht das Fieber aus. An der Stelle des Bisses bildet sich in etwa zwei Dritteln der Fälle ein schwarz-rotes Geschwür, die Patienten bekommen Fieber, leiden unter Kopf- und Gliederschmerzen und teilweise auch unter Übelkeit und Erbrechen. Ein rötlicher Ausschlag kann sich bis auf das Gesicht, die Hände und die Füße ausbreiten. Wird der Patient nicht behandelt, zieht sich das Fieber meist innerhalb von zwei Wochen wieder zurück. © dpa
Alien Hand Syndrom: Per Definition ist dies keine seltene Krankheit, auch wenn sie bisher nur sehr selten von Ärzten beschrieben wurde. Einfach erklärt bedeutet diese Krankheit, dass die eine Hand nicht weiß, was die andere tut. Sie tritt zum Beispiel nach Schlaganfällen auf, aber die genauen Ursachen sind nicht bekannt. Eine Hand hat keinen Kontakt mehr zur anderen - und zur entsprechenden Hirnhälfte. Die Patienten denken, die fremde Hand ist nicht ihre eigene. Sie entwickelt ein Eigenleben und kann im schlimmsten Fall sogar versuchen, den Patienten zu erwürgen. Und beidhändig Klavierspielen wird mit dieser Krankheit fast unmöglich. © dpa
Nicht ganz selten, aber übel: Der Candirú-Fisch lebt in tropischen Flüssen wie dem Amazonas oder dem Orinoco - und schimmt auch gerne mal in schwimmende Menschen hinein. Das fast durchsichtige Tierchen passt durch den Harnleiter, aber auch durch den Anus und sucht sich den Weg in die Blase. Dort beißt es sich fest, und vor allem die kleinen Wiederhaken am Kopf sorgen für Schmerzen. Er verursacht Blutungen und kann nur durch eine Operation wieder herausbefördert werden. © dpa
Café-au-Lait-Flecken: Teils über den ganzen Körper sind hell- bis dunkelbraune Flecken verteilt. Von einer wirklichen Krankheit sprechen Mediziner nicht, da die Hautveränderung gutartig ist. © dpa

Rubriklistenbild: © Instagram/kaymoatsie

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