Bewegung hilft bei Bluthochdruck

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Wichtige Kontrollen: Hypertonie-Patienten sollten ihren Blutdruck regelmäßig messen und darüber Buch führen.

Mein Mann (45) hat neulich in der Apotheke seinen Blutdruck messen lassen. Das Ergebnis: 175/90. Jetzt mache ich mir ein wenig Sorgen. Soll ich ihn mit noch mehr Nachdruck zum Arzt schicken? Die Frage von Michaela K. aus Wolfhagen schildert ein häufiges Problem.

In Deutschland haben schätzungsweise 35 Millionen Menschen einen zu hohen Blutdruck. Deshalb gehen wir mithilfe des Allgemeinmediziners Dr. Dirk Wetzel aus Zierenberg ausführlicher auf dieses Thema ein.

Wann liegt ein erhöhter Blutdruck vor?

Wenn der Blutdruck bei mehrmaliger Messung bei 140 / 90 mmHg oder darüber liegt. Von mittelgradig erhöhtem Blutdruck spricht man, wenn der obere Wert über 160 liegt und der untere Wert bei oder über 100. Schwerer Hochdruck mit kritischen Werten liegt etwa ab 180 / 110 vor.

Merkt man es, wenn man einen hohen Blutdruck hat?

Das hängt davon ab, wie hoch der Blutdruck ist, denn das Gehirn könne den Blutdruck bis zu einem gewissen Maße noch regulieren, erläutert der Mediziner. Deshalb merken die meisten Betroffenen nichts. Schätzungen zufolge wissen 50 Prozent der Erkrankten gar nicht, dass sie unter Bluthochdruck leiden. Bei höheren Werten können zum Beispiel Schwindel und Kopfschmerzen auftreten. Meist wird die Diagnose aber zufällig zum Beispiel im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung - oder wie in diesem Fall nach einer Messung in der Apotheke - gestellt.

Was würde einen Patienten erwarten, bei dem ein zu hoher Blutdruck festgestellt wird?

Bluthochdruck ist ja nur ein wichtiger Risikofaktor von mehreren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Ganz wichtig ist es daher, das individuelle Risiko des Patienten für Herz-Kreislauf-Erkrankungen abzuschätzen. Man würde den Patienten gründlich untersuchen und auch seine Lebensumstände sowie die familiäre Vorgeschichte anschauen. Blut- und Urinuntersuchungen, eine Langzeit-Blutdruckmessung sowie ein EKG gehören zu den ersten Untersuchungen. Mithilfe eines von der Universität Marburg speziell für die Hausarztpraxis entwickelten computergestützten Risikokalkulators lässt sich das individuelle Zehn-Jahres-Risiko eines Patienten ermitteln.

Was sind denn die Ursachen für Bluthochdruck?

Das Risiko für eine Hypertonie steigt mit zunehmendem Alter, unter anderem deshalb, weil die Gefäße ihre Elastizität verlieren. Ab 60 Jahren hat jeder Zweite einen zu hohen Blutdruck. Bei Menschen im hohen Alter sind es sogar 80 bis 90 Prozent. Auch Schilddrüsenerkrankungen, Übergewicht, nächtliche Atemstillstände (Schlafapnoe), anhaltender Stress, ein erhöhter Kochsalz- und Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und hormonelle Veränderungen zählen zu den Risikofaktoren. Die häufigste Ursache für einen sekundären Bluthochdruck sind Nierenerkrankungen, erläutert Wetzel.

Also kann man in vielen Fällen durch eine Änderung der Lebensgewohnheiten den Blutdruck wieder senken?

Dirk Wetzel: „Wenn ungünstige Verhaltensweisen die vermutliche Ursachen sind, unbedingt ja!“ Bewegung und Sport sind hierbei oft die wirkungsvollste Medizin. Das heißt mindestens 30 Minuten am Tag Bewegung im Ausdauerbereich (der Puls sollte dabei ein bisschen hochgehen). „Das wirkt auch stressvorbeugend.“ Man sollte Bewegung möglichst oft in den Alltag einbauen und zum Beispiel jede Gelegenheit nutzen, zu Fuß zu laufen. „Verhaltensänderungen sind aber eine Herausforderung für den Patienten und den Arzt“, weiß der Allgemeinmediziner. „Das Ruder rumzureißen, ist oft schwer. Mir ist es daher lieber, die Patienten bewegen sich überhaupt, als zu hohe Ansprüche zu stellen.“

Was kann man noch tun, um Bluthochdruck positiv zu beeinflussen beziehungsweise zu verhindern?

Bei regelmäßig erhöhtem Blutdruck sollte man möglichst wenig Kochsalz verzehren, indem man zum Beispiel auf Nachsalzen verzichtet. Empfehlenswert ist eine herzgesunde Kost mit viel frischen Zutaten wie Gemüse, Obst und Fisch. Fleisch sowie fett- und salzreiche Wurst sollten nur selten gegessen werden.

Auch sollte man Übergewicht vermeiden beziehungsweise abbauen, Alkohol nur in Maßen trinken, nicht rauchen und bei einer Stressbelastung auf Entspannung achten.

Und wenn trotz allen Bemühens sich der Blutdruck nicht senken lässt?

In vielen Fällen ist eine Doppelstrategie notwendig: ein gesunder Lebensstil und bewährte Medikamente. Diese kann man mitunter später doch noch reduzieren oder sogar ganz weglassen, wenn die Änderung des Lebensstils nachhaltige Früchte zeigt.

So misst man richtig

Bluthochdruckpatienten sollten ihren Blutdruck regelmäßig selbst messen und über die Ergebnisse Buch führen. Im Alter ab 40 Jahren sollte jeder mindestens einmal jährlich den Blutdruck messen, wenn die Erkrankung in der Familie aufgetreten ist, schon früher. Ab 50 Jahren wird eine halbjährliche Messung empfohlen.

• Dazu sollte man drei bis fünf Minuten zunächst ruhig sitzen und

• vor der Messung keinen Alkohol oder Kaffee getrunken haben.

• Messen sollte man vor der Einnahme von Medikamenten (morgens und eventuell auch abends)

• zweimal in Folge mit einer Pause von einer Minute. Gültig ist der zweite Wert.

Mehr Informationen zum Thema Bluthochdruck gibt es bei der Deutschen Herzstiftung im Internet unter www.herzstiftung.de

Von Martina Heise-Thonicke

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