Bewegung ist wichtig - Bandscheibenvorfälle können oft konservativ ohne Operation behandelt werden

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Bandscheiben sind knorpelige Bestandteile, die die einzelnen Rückenwirbel wie ein Puffer miteinander verbinden. Beim Bandscheibenvorfall treten Teile der Bandscheibe in den Bereich, in dem das Rückenmark liegt, vor. Laut Wikipedia ist die Ursache oft eine Überlastung bei Vorschädigung der Bandscheiben.

Er kann aber auch ohne äußeren Anlass auftreten. Symptome des Bandscheibenvorfalls sind starke, häufig in die Extremitäten ausstrahlende Schmerzen, oftmals mit einem Taubheitsgefühl im Versorgungsgebiet der eingeklemmten Nervenwurzel. Es treten auch Lähmungserscheinungen auf. Eine Behandlung ist meistens konservativ möglich, schwere Vorfälle müssen operativ behandelt werden. In manchen Fällen, vor allem bei jüngeren Menschen, ist der Einsatz einer Bandscheibenprothese erfolgreich.

Routinemäßig wurde in Deutschland als erstes vor zehn Jahren in der Orthopädischen Klinik in Hessisch Lichtenau eine Bandscheibenprothese eingesetzt. Seitdem hat sich laut Wirbelsäulenchirurg Dr. Rafael D. Sambale viel getan, sind etliche neue künstliche Bandscheibenmodelle auf den Markt gekommen. „Wir verwenden aber nach wie vor den gleichen Typ wie vor zehn Jahren“, so Dr. Sambale. Der habe sich bestens bewährt. Der Patient, der 2001 als erster diese Prothesen implantiert bekam, ist laut Dr. Sambale nach wie vor beschwerdefrei.

Über Rückenschmerzen und deren Therapie informierte Dr. Sambale in der HNA-Telefonsprechstunde.

Ich wurde vor längerem an der Halswirbelsäule operiert. Mittlerweile habe ich einen weiteren Vorfall unterhalb der Stelle. Wenn ich nach unten schaue, wird mir schwindelig und ich habe einen brennenden Schmerz im Nacken. Muss man wieder operieren?

Sambale: Nein, wenn Sie nur einen reinen Nackenschmerz verspüren, ohne dass der in die Arme ausstrahlt, liegt vermutlich keine Kompression (Druck) der Nervenwurzel vor. Dann sollte man konservativ mit Medikamenten und Physiotherapie, bei der die Nackenmuskulatur trainiert wird, therapieren. Eventuell können auch unter CT Kontrolle die Wirbelgelenke gespritzt werden.

Ich bin vor 15 Jahren an der Halswirbelsäule operiert worden und hatte lange keine Probleme. Jetzt tut mir aber wieder Alles im Rücken weh, der Schmerz zieht bis in die Beine. Man hat mir gesagt, an der Halswirbelsäule dürfe auf keinen Fall ein zweites Mal operiert werden. Stimmt das?

Sambale: Nein, an der Halswirbelsäule kann man auch ein zweites oder drittes Mal operieren. Bei Ihnen sollte zunächst eine Kernspintomografie gemacht werden, um nachzuprüfen, ob irgendwo eine Verengung im Wirbelkanal besteht. Da Sie über Schmerzen bis in die Beine klagen, kann es sehr gut sein, dass das Rückenmark betroffen ist.

Ich habe eine degenerative Veränderung der Wirbelsäule mit Bandscheibenvorwölbungen im Lendenwirbelbereich. Ich habe Schmerzen im Gesäß und von der Hüfte bis in die Kniekehle. Mein Orthopäde sagt, ich hätte ein Piriformis Syndrom. Kann das nicht auch von der Wirbelsäule kommen?

Sambale: Das Piriformis Syndrom geht von der Muskulatur im Bereich des Hüftgelenkes aus. Es kann tatsächlich einen ähnlichen Schmerz wie den eines Bandscheibenvorfalls in der Lendenwirbelsäule auslösen. Der Gesäßschmerz spricht eher für eine Wurzelirritation im Bereich des fünften Lendenwirbels. Man sollte bei Ihnen noch einmal gezielt nachprüfen, ob der Nerv betroffen ist. Wenn das der Fall ist, kann man ihn zunächst spritzen und- wenn das nicht hilft - über eine Operation nachdenken, der dem Nerv wieder Platz verschafft.

Ich bin im vergangenen Jahr an einem Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich operiert worden. Dieses Jahr hatte ich eine weitere Operation, um den Spinalkanal zu erweitern. Seitdem habe ich Taubheitsgefühle und Kribbeln in den Beinen. Eine Kernspintomografie hat ergeben, dass ich über dem ehemaligen Vorfall zwei weitere Bandscheibenvorfälle habe. Muss das wieder operiert werden? Kann eventuell eine Prothese dort eingesetzt werden?

Sambale: Leider ist das Risiko ziemlich hoch, dass jemand, der bereits einen symptomatischen Vorfall hatte, in angrenzenden Abschnitten weitere Vorfälle bekommt. Gegen den Schmerz sollten Sie unbedingt regelmäßig Medikamente nehmen, damit der nicht chronisch wird. Die Taubheitsgefühle sind immer schwer zu behandeln. Sie sollten sich nach 12, spätestens 24 Monaten zurückgebildet haben. Eine Operation würde daran nichts ändern. Deswegen sollten Sie zunächst konservativ behandelt werden. Eine Bandscheibenprothese eignet sich für Sie nicht, da die Ergebnisse bei bereits operierten Personen meist nicht gut sind.

Ich bin 82 Jahre alt und habe eine schmerzhafte Spinalkanalverengung. Dagegen habe ich Infiltrationsspritzen bekommen, die gut geholfen haben. Wie kann ich deren Wirkung dauerhaft aufrechterhalten?

Sambale: Das Medikament in den Spritzen ist ein Langzeitcortison, das acht bis zehn Wochen lang wirkt. Erst wenn diese Zeit verstrichen ist, weiß man, ob die Wirkung nachhaltig ist. Sie sollten sich in dieser Zeit normal verhalten und viel bewegen. Etwas Spezifisches können Sie nicht tun.

Von Susanne Seidenfaden

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