Bürokratieabbau in der Pflege

Niedersachsen sorgt durch eine Reduktion der Pflegedokumentation als eines der ersten Bundesländer für konkrete Entlastungen, von denen Pflegebedürftige, Pflegekräfte und Einrichtungen unmittelbar profitieren.

Das Projektteam des Pflegebeauftragten der Bundesregierung schult ab Mitte März die ersten Multiplikatoren des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa), die im Anschluss den Umgang mit dem gestrafften Dokumentationssystem an die privaten Einrichtungen im gesamten Bundesland weitervermitteln werden.

„Pflegekräfte wollen sich mit Menschen beschäftigen und nicht mit Akten. Das neue System bietet ihnen die Chance, die Dokumentation auf das Notwendige zu beschränken, statt wie bisher Dinge aufzuschreiben, die, verursacht von der Angst, ein Prüfer könnte irgendwann doch danach fragen, einen enormen bürokratischen Aufwand angenommen haben“, erläutert die stellvertretende bpa-Landesvorsitzende Ricarda Hasch.

Vereinfachte Dokumentation

Pflegeheime und ambulante Dienste haben in den nächsten Monaten die Chance, die vereinfachte Dokumentation einzuführen, die von einer vom Bundesgesundheitsministerium eingesetzten Expertengruppe entwickelt wurde und alle fachlichen und rechtlichen Anforderungen mit deutlich weniger Aufwand erfüllt. Das bedeutet für die Pflegenden mehr Zeit für die Betreuung von pflegebedürftigen Menschen in der Häuslichkeit oder im Heim.

Auch die Landesregierung und die Opposition unterstützen die Entbürokratisierung in der Pflege. „Die Umsetzung des schlanken Systems läuft unter der Federführung der Trägerverbände. Die Wohlfahrtsverbände und der bpa haben die Koordination für alle Bundesländer übernommen. Weniger wird nach der Umsetzung mehr sein: Es wird mehr Zeit für die Betroffenen zur Verfügung stehen, und die Pflegenden werden mehr Freude an ihrer Arbeit haben, weil endlich wieder die Pflege und nicht die Dokumentation im Mittelpunkt steht“, so Hasch

Motivation und Wertschätzung

„Die Mitarbeiter wissen, dass das, was sie dokumentieren, wichtig ist und auch im Alltag benutzt wird“, berichtet auch Jan Grote, der mit dem ambulanten Dienst des Pflegezentrums Grote in Hannover an der bundesweiten Testphase im Herbst teilgenommen hat. Das motiviere die Pflegefachkräfte und drücke auch eine Wertschätzung für deren Kompetenz aus. „Früher brauchten wir eine dreiseitige Pflegeplanung, um einen Patienten einmal in der Woche zu duschen. Inzwischen erfassen wir mit pflegerischer Expertise die Bedarfe und Risiken der Patienten und können diese Informationssammlung im Alltag auch wirklich einsetzen.“

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa) bildet mit mehr als 8500 aktiven Mitgliedseinrichtungen, davon fast 1100 in Niedersachsen, die größte Interessenvertretung privater Anbieter sozialer Dienstleistungen in Deutschland. Einrichtungen der ambulanten und (teil-)stationären Pflege, der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendhilfe in privater Trägerschaft sind im bpa organisiert. Die Mitglieder des bpa tragen die Verantwortung für rund 260 000 Arbeitsplätze und circa 20 000 Ausbildungsplätze (www.youngpropflege.de). Das investierte Kapital liegt bei etwa 20,6 Milliarden Euro. (ots)

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