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Burn-on statt Burnout: Was es damit auf sich hat – und welche Symptome Warnzeichen sind

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Von: Sophia Lother

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Zukunftsängste wegen Klimawandel
Burn-on geht häufig mit Depressions-Symptomen einher. (Symbolbild) © Fabian Sommer/dpa

In Deutschland nehmen Depressionen zu. Auch Fälle von Burn-on werden immer häufiger. Ein Experte verrät, was es damit auf sich hat.

Kassel - Burn-on, das Phänomen ist nicht mehr ganz neu – trotzdem ist es vielen noch absolut kein Begriff. Betroffene, die Symptome haben, leugnen diese sogar aktiv, sind nicht der Meinung krank zu sein, weiß Bert te Wildt, einer der Begründer des Burn-on-Syndroms. Er hat mit BuzzFeed News DE von Ippen.Media über Anzeichen für ein Burn-on gesprochen und erklärt, was die Generation Z richtig macht – und wo es für junge Leute dennoch gefährlich werden kann.

Der Begriff Burnout ist inzwischen allgemein bekannt. Fachleute sehen gerade bei der Gen Z eine Gefahr, an dem Burnout-Syndrom zu erkranken. In Studien ist das Krankheitsbild bereits aus vielen Blickwinkeln beleuchtet worden. Dagegen steckt die Forschung zu Burn-on noch in den Kinderschuhen. Am einfachsten lässt sich das neu definierte Syndrom im Vergleich zu seinem Vorgänger, dem Burnout beschreiben.

Burn-on-Syndrom: Was dahinter steckt und welche Symptome Warnzeichen sind

„Ein großer Unterschied ist, dass die Patient:innenen in einem Burn-out ihre Verzweiflung und Depressivität meist selbst auch wahrnehmen. Die Burn-on Patient:innen sitzen vor uns und sagen: ‚Mir gehts gut, ich hab ein tolles Leben, ich liebe meinen Job, ich bin einfach nur erschöpft‘. Wenn man aber genau nachfragt, wie es ihnen geht, dann zeigt sich häufig, dass Depressions-Symptome vorliegen, aber diese sind gut versteckt“, erklärt te Wildt, Chefarzt der psychosomatischen Klinik im Kloster Dießen am Ammersee.

Mit ihrem Buch „Burn On: Immer kurz vorm Burn Out“ wollen er und Timo Schiele zeigen, dass es eine Erschöpfungsdepression auch in einer versteckten, chronischen Form gibt. Doch welche Symptome sind Warnzeichen? Laut te Wildt und seinem Kollegen Schiele gibt es drei Hauptebenen, auf denen die Symptome auftreten. Auf der Verhaltensebene zeigt sich ein hoher Aktionismus bei der Arbeit, wobei es bei alltäglichen Aufgaben zunehmend zu einer Handlungslähmung kommt. Auf der emotionalen Ebene fallen Betroffene durch angestrengten Positivismus auf, doch im Inneren herrscht Freudlosigkeit. Perfektionismus, während die Selbstzweifel im Inneren überwiegen, sind Anzeichen auf der kognitiven Ebene. Die Erschöpfung, die Betroffene wahrnehmen, kann sich laut te Wildt durch folgende Symptome zeigen:

Burn-on-Symdrom: Was sind die Ursachen?

Nach der Beobachtung des Experten nehmen Depressionen aktuell zu und auch stressbezogene Störungen beobachten er und seine Kolleg:innen häufiger. Druck, Druck und noch mehr Druck, der Arbeitsalltag vieler Menschen funktioniert schlicht nicht anders. „Besonders gefährdet sind Menschen in Berufen, die Beziehungsarbeit leisten, wo der moralische Anspruch hoch ist, also helfende, pflegende und pädagogische Berufe. Außerdem sind auch eher Selbstständige und Manager:innen betroffen. Oft trifft es Menschen, bei denen die Arbeit per se schnell entgrenzt, wo keine Stechuhr existiert“, erklärt der Chefarzt.

Zwar hat er es vermehrt mit Menschen im mittleren Alter zu tun, aber auch bei den jüngeren Generationen, wie der Gen Z, sieht er Gefahren. Zum einen gebe es in ihr bereits eine starke Gegenbewegung zum arbeitszentrierten Neoliberalismus, was erst einmal positiv sei. Diese Achtsamkeitsbewegung beispielsweise bringt jedoch auch problematische Effekte:

„Angesichts der Tatsache, dass die Gefahr eines Burnouts inzwischen bekannt ist, versuchen viele dagegen an zu arbeiten. Mit kleinen Maßnahmen wird immer wieder versucht, der Erschöpfungsdepression zu entgehen. Aber gerade dadurch haben sich chronische Erschöpfungsdepressionen oftmals erst entwickelt.“ Denn gerade mit solchen Vermeidungsstrategien, wird vielleicht das Burnout vermieden, aber nicht das Burn-on, was zu einem schwierigen Kreislauf führen kann. Doch was kann dagegen unternommen werden?

Habe ich Burn-on? Wie erkenne ich, ob ich betroffen oder gefährdet bin?

Chefarzt te Wildt rät, sich im ersten Schritt selbst zu befragen, wenn man befürchtet, von Burn-on betroffen zu sein. Auch im Gespräch mit Freund:innen oder der Familie kann man sich unter anderem Fragen stellen wie:

Burn-on: Was können Betroffene tun – und wie vermeidet man das Syndrom?

Der Experte rät Betroffenen dazu, sich therapeutische und medizinische Hilfe zu suchen. Präventiv könne man sich im Alltag Luft für Dinge und Hobbys schaffen, die einmal keine Funktion haben, die eben nicht das übergeordnete Ziel haben, dass man danach wieder fit für die Arbeit ist.

„Es geht um lustvolle Entspannung, bei der man von Dingen geleitet ist, die man wirklich mag, die einem Freude bereiten und einen entspannen, indem man etwas tut. Zeit für derartige ‚Reservate‘ sollte man sich täglich gönnen“, betont te Wildt. Zusammen mit Kolleg:innen möchte der Chefarzt nun eine erste Studie durchführen, um dem Phänomen Burn-on noch tiefer auf den Grund zu gehen.

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