Kasseler Arzt qualifiziert Inder

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Hilfe zur Selbsthilfe: Der Kasseler Chirurg Dr. Lutz Gruhl (links) kann Operationen im indischen Kodaikanal künftig den Ärzten vor Ort überlassen.

Die Hoffnungen der Bewohner der indischen Bergregion Kodaikanal ruhen jetzt auf ihrem neuen heimischen Ärzteteam. Drei Chirurgen und zwei Pflegekräfte können künftig plastische Operationen vornehmen. Möglich gemacht hat das Dr. Lutz Gruhl, plastischer Chirurg aus Kassel. Seit Jahren setzt er sich für die Qualifizierung seiner Kollegen in Indien ein.

„Unser Ziel war dabei immer die Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt der 63-Jährige. Die indischen Kollegen seien deshalb von Anfang an eingebunden worden. „Sie haben viel und schnell gelernt, waren mit großem Engagement dabei“, berichtet der Kasseler Mediziner. „Jetzt können sie eigenverantwortlich arbeiten und bilden das erste eigene OP-Team“, freut sich Gruhl über den Erfolg.

Seit 2003 war er neunmal in Kodaikanal, hat dort mit Kollegen aus ganz Deutschland fast 1000 Operationen vorgenommen: Schwer vernarbte Brandverletzungen, schlimme Missbildungen und entstellende Gesichtstumore haben die Ärzte aus dem Ausland operiert – und dabei den indischen Kollegen gezeigt, wie solche Eingriffe gemacht werden. „Die Menschen in dieser abgelegen Gegend sind medizinisch völlig unterversorgt, brauchen dringend Hilfe“, sagt Gruhl, der zuletzt im Frühjahr in Kodaikanal war. Er arbeitet für den Verein Interplast Germany, dessen Ärzte kostenlos plastische Operationen in Entwicklungsländern machen. Auf 80 Millionen Deutsche kommen 1200 plastische Chirurgen, für die indische Bevölkerung mit 1,3 Milliarden Menschen stehen weniger als 2000 zur Verfügung. Und diese sind meist schlechter ausgebildet.

Bald 25 Jahre engagiert sich Gruhl in der Entwicklungshilfe, operiert im Urlaub. Als er sich dazu mit 27 Jahren entschloss, war sein Motto „Macht euch entbehrlich“, erzählt er. Das hat er in Kodaikanal jetzt geschafft. www.interplast-germany.de

Von Sabine Oschmann

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