Herbst mit Einschränkungen

Christian Drosten mit düsterer Prognose: Kontaktbeschränkungen unvermeidbar

Die Corona-Infektionszahlen steigen weiter an. Christian Drosten hält neue Einschränkungen im Herbst für wahrscheinlich und hofft auf eine steigende Impfquote.

Kassel – Bereits seit einigen Wochen sind die Infektionszahlen bundesweit wieder angestiegen - zudem gerät die Impfkampagne aktuell ins Stocken. Die vierte Welle scheint voll im Gange zu sein. Der Virologe Christian Drosten äußerte sich mit Blick auf die kommenden Monate besorgt.

Laut Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) haben sich mittlerweile knapp 61 Prozent der Bevölkerung vollständig gegen Corona impfen lassen - 65 Prozent wurden einmal geimpft (Stand: 03.09.2021). Diese Quote reiche Drosten zufolge für eine Herdenimmunität jedoch noch lange nicht aus. „Mit dieser Impfquote können wir nicht in den Herbst gehen“, kritisierte er im Gespräch mit dem Deutschlandfunk.

„Aus der Pandemie herausimpfen“ - Drosten warnt vor zahlreichen Corona-Infektionen im Herbst

Um eine Herdenimmunität in Deutschland zu erreichen, müssten 85 Prozent der Menschen zwischen 18 und 59 Jahren vollständig geimpft sein, berichtete tagesschau.de. Außerdem müssten 90 Prozent der älteren Bevölkerung einen Impfschutz aufweisen. Nur so könne man sich Drosten zufolge „aus der Pandemie herausimpfen“.

Solche Quoten scheinen allerdings für den Herbst sehr unrealistisch, da sich immer weniger Menschen aktuell impfen lassen. Aus diesem Grund solle das RKI die Prognosen und Planungen für die nächsten Monate erneut anpassen.

Zudem bereite die Ausbreitung der Corona-Mutation Delta dem Virologen weiter Sorgen. Mittlerweile sei bekannt, dass diese leichter übertragbar ist und einen Anstieg der Hospitalisierungsquote begünstigen könne. Drosten verwies dabei auf Daten aus Großbritannien.

Wegen steigender Corona-Infektionszahlen hält der Virologe Christian Drosten neue Kontaktbeschränkungen für wahrscheinlich. (Archivbild)

Virologe Drosten rechnet mit neuen Corona-Einschränkungen - und appelliert an die Politik

Auch der nachlassende Impfschutz beschäftigte den Institutsdirektor der Berliner Charité. Inzwischen sei bekannt, dass geimpfte Personen nach vier bis sechs Monaten den Übertragungsschutz verlieren und somit wieder andere Menschen infizieren könnten. Daher sei er überzeugt, dass das Infektionsgeschehen im Herbst weiter zunehmen werde. Verschärfte Maßnahmen, wie Kontaktbeschränkungen, würden dann nicht mehr zu verhindern sein.

„Man sollte sich nicht täuschen und durch zu wenig Vorsicht in eine Situation hineinlaufen, die man sich nicht wünscht und die untragbar ist: Dass es weitere Lockdowns gibt und die Schulen wieder schließen müssen.“ Die politischen Verantwortlichen sollten sich seiner Meinung nach jetzt bereits Gedanken über die kommenden Monate zu machen.

NameChristian Heinrich Maria Drosten
BerufVirologe, Lehrstuhlinhaber und Professor an der Berliner Charité
VorherProfessor an der Universität Bonn

Corona in Deutschland: Drosten hofft auf steigende Impfquote

Das Virus werde laut ihm auch langfristig nicht verschwinden. Drosten gehe davon aus, dass es noch einige Jahre ein starkes Infektionsgeschehen unter Erwachsenen geben werde. Eine Impfung könne schwere Krankheitsverläufe sowie Langzeitfolgen verhindern.

Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, äußerte sich hingegen optimistischer. Er rechne damit, dass „im Frühjahr 2022 Schluss sein wird mit Corona“. Gegenüber der Rheinischen Post erklärte er, dass die Impfquote bis dahin nochmal deutlich ansteige und auch mehr Menschen nach einer Infektion genesen seien. Der Pfizer-Chef gehe jedoch davon aus, dass die Corona-Mutationen den wichtigen Impffortschritt vernichten könnten. Ein Forschungsteam hält indes vier Corona-Szenarien in Zukunft für wahrscheinlich. (Alina Schröder)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.