Gesundheit

Corona-Forschung: Wie lange sind Geimpfte und Genesene vor Covid-19 geschützt?

Im Fall einer Corona-Infektion reicht eine Impfung nicht aus. Die Impfung schützt nicht zu 100 Prozent. Zudem lässt der Schutz mit der Zeit nach. 

Kassel - Manche Krankheiten wie Masern steht man einmal im Leben durch - und wenn man erneut mit dem Erreger in Kontakt kommt, hat man nichts mehr zu befürchten. Gegen andere Krankheiten wie Gelbfieber gilt eine einzige Impfung als ausreichend für lebenslange Immunität. Wäre der Immunschutz nach einer Infektion oder Impfung beim Coronavirus genauso stabil, wäre die Pandemie deutlich schneller in den Griff zu bekommen. Doch bei Sars-CoV-2 ist es komplexer. Auch, weil nicht alle Menschen gleich auf Infektion oder Impfung reagieren.

Trotz des Wegfalls vieler Alltagsbeschränkungen für Geimpfte und Genesene seit Sonntag (09.05.2021), sollte man nicht vergessen: Eine Impfung schützt nicht zu 100 Prozent und man weiß auch noch nicht genau, wie lange der Immun-Effekt nach der Impfung oder durchgemachten Infektion anhält. Klar ist, dass der Schutz mit der Zeit nachlässt. Bislang gibt es keine Erfahrungswerte über lange Zeiträume, dafür sind Virus und auch Impfstoffe einfach zu neu. 

Das Virus werde durch Impfungen nicht verschwinden, betonte kürzlich der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler: Sie gäben zwar eine Grundimmunität, die die Erkrankung verhindere oder die Schwere abmildere. „Aber sie verhindern nicht immer, dass eine Infektion mit dem Sars-CoV-2 geschieht.“ Auch bei Geimpften bestehe ein Restrisiko, dass sie sich infizieren und andere anstecken können.

Geimpfte und Genesene: Wie lange bleiben Antikörper gegen Sars-CoV-2 erhalten?

Was lässt sich bisher sagen? „Die besten Daten, die wir haben, kommen von ehemals Infizierten“, sagt der Immunologe Carsten Watzl. Für Studien wurden Betroffene von der ersten Phase der Pandemie an begleitet. Wissenschaftler interessieren sich etwa dafür, wie sich Antikörperspiegel entwickeln. Wie lange bleiben die Abwehrstoffe, die der Körper gegen Sars-CoV-2 gebildet hat, erhalten? Es gibt dabei nicht den einen Wert, der die Immunität anzeigt.

Ein Mann bekommt eine Schutzimpfung gegen Covid-19 - Doch wie lange bleibt der Schutz erhalten?

„Es existieren keine internationalen Schwellenwerte, die definieren, ab welchem Punkt man nicht mehr immun ist“, erläutert Watzl, der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie ist. Experten unterscheiden mehrere Arten von Antikörpern, die zumindest wichtige Hinweise zur Immunität liefern.

Zwei Beispiele: Die sogenannten IgA-Antikörper kann man sich als schnelle Eingreiftruppe vorstellen, die etwa im Nasenschleim und in der Lunge vorhanden ist und etwa eingeatmetes Virus unschädlich macht. Sogenannte IgG-Antikörper hingegen werden erst nach einer gewissen Zeit im Blut gebildet, gelten als Teil des Immun-Gedächtnisses und haben Einfluss auf die Schwere der Erkrankung. Sollte man sich erneut mit dem gleichen Erreger infizieren, sorgen sie für eine rasche Reaktion.

Schutz vor Corona: Nicht alle Infizierten bilden nach der Erkrankung Antikörper

Was den Selbstschutz anbelangt - also das Vermeiden von schwerer Krankheit und Tod - rechnen Fachleute mit verlässlicher Abwehr auch noch nach einiger Zeit. Bisherige Daten von Genesenen zeigten relativ stabile Werte der IgG-Antikörper im Blut, sagte Watzl. „Da kann man bei vielen Genesenen von einer Immunität von einem Jahr ausgehen.“

Es bilden aber nicht alle Infizierten Antikörper. Diese sind auch nicht allein entscheidend: Die körpereigene Abwehr hat auch noch einen zweiten Arm, sogenannte T-Zellen. Diese zerstören körpereigene Zellen, die vom Virus infiziert wurden.

Durch Impfungen rechnet Watzl mit einem noch besseren, möglicherweise mehrjährigen Schutzeffekt vor schweren Verläufen bis hin zum Tod. Damit würden höhere Antikörperspiegel erreicht, als bei der natürlichen Infektion. Die Hoffnung sei, dass die Antikörper von Geimpften ähnlich lange halten wie die von Genesenen.

Mit der Zeit scheinen Genese wieder mehr zur Verbreitung des Virus beizutragen. Hier sind die IgA-Antikörper auf den Schleimhäuten von Interesse: „Man sieht einfach, dieses IgA geht schneller wieder weg als das IgG“, sagte der Virologe Christian Drosten kürzlich im „Coronavirus-Update“.

Schutz vor Covid-19: Hersteller arbeiten bereits an Auffrischungsimpfstoffen

Schwindender Schleimhautschutz könnte ihm zufolge auch beim schlimmen Wiederaufflammen der Corona-Pandemie in Indien eine Rolle gespielt haben. Insbesondere nach milden Verläufen gehe dieser Schutz „nach zwei, drei Monaten“ verloren, so Drosten. Nach schweren Verläufen halte er länger, „sicherlich einige Monate“. Auch mehrere durchgemachte Infektionen verlängerten den IgA-Schutz.

Dass dieser Schutz nachlässt, ist Experten schon lange bewusst, auch bei Geimpften wird der Effekt erwartet. Um die Dauer des Schutzes, aber auch die Breite zu verbessern, arbeiten Hersteller an Auffrischungsimpfstoffen. Drosten zufolge könnten diese zum Winter hin zum Einsatz kommen.

RKI-Chef Wieler sagte am Freitag (07.05.2021), man werde anhand von Studien sehen, wann eine Auffrischung angezeigt sei. „Wir werden noch öfter impfen müssen.“ Aber Zeitabstände könne man noch nicht benennen.

Die Corona-Impfungen werden uns noch einige Zeit begleiten. Aktuellen Studien zufolge, ist schon nach sechs Monaten eine Auffrischung fällig - doch die Politik hat dafür keinen Plan. (luw/dpa)

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa

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