Covid-Forschung

Neue Erkenntnisse verblüffen: Corona wohl doch keine Atemwegserkrankung

Die Aufnahme von Forschern des TU Wien-Spin-off Nanographics zeigt Coronaviren. Deutlich zu erkennen ist das rosa gefärbte sogenannte Spike-Protein an der Oberfläche.
+
Die Aufnahme von Forschern des TU Wien-Spin-off Nanographics zeigt Coronaviren. Deutlich zu erkennen ist das rosa gefärbte sogenannte Spike-Protein an der Oberfläche.

Eine US-amerikanische Studie bringt neue Erkenntnisse zu der Art der Erkrankung, die eine Corona-Infektion auslöst.

Kassel/San Diego – Zu Beginn der Pandemie galt Covid-19 als eine reine Atemwegserkrankung – denn vor allem die Lunge von Corona-Patienten ist häufig stark betroffen. Doch Forscher des Salk-Instituts für Biologie in San Diego haben nun herausgefunden, dass Covid-19 in erster Linie eine Gefäßerkrankung ist. Das teilte das Institut in einer Pressemitteilung mit.

Dabei spielt das sogenannte Spike-Protein eine besondere Rolle. Dieses wurde bislang vor allem mit der Ansteckungsgefahr von Sars-CoV-2 in Verbindung gebracht. Die Spike-Proteine befinden sich in der Hülle von Coronaviren und ermöglichen den Eintritt des Virus in eine neue Zelle. Die in der Fachzeitschrift Circulation Research veröffentlichte Studie zeigt nun, dass das Spike-Protein auch bei der Erkrankung nach einer Corona-Infektion eine Rolle spielt.

Corona-Studie aus den USA: Covid-19 ist eine Gefäßerkrankung

Dass es sich bei Covid-19 um eine Gefäßerkrankung handeln könnte, vermuten Forscher bereits seit einiger Zeit. Denn Studien zeigen, dass Covid-Patienten ein deutlich erhöhtes Risiko für Gefäßerkrankungen wie Thrombosen, Lungenembolien oder schwere Durchblutungsstörungen in Beinen und Armen haben, wie die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin berichtet.

Auch das Spike-Protein hatten Forscher diesbezüglich bereits im Visier. Die neue Corona-Studie der Forscher aus den USA* zeigt jedoch erstmals, wie das Sars-Cov-2-Virus das Gefäßsystem auf zellulärer Ebene schädigt und angreift, wie fr.de berichtet. Denn wie genau das geschieht, war bisher nicht bekannt.

Corona-Forschende erzeugen Pseudovirus: Studie beweist Einfluss von Spike-Protein

Die Studie belegt nun eindeutig, dass es sich bei Covid-19 um eine Gefäßerkrankung handelt, so die Forscher. „Das könnte erklären, warum manche Menschen Schlaganfälle haben und warum manche Menschen Probleme in anderen Teilen des Körpers haben. Die Gemeinsamkeit zwischen ihnen ist, dass sie alle eine vaskuläre Grundlage haben“, so Uri Manor, einer der Autoren der Studie.

Um herauszufinden welchen Einfluss das Spike-Protein hat, erzeugten die Forscher in der Studie ein „Pseudovirus“, das von der klassischen Krone der Spike-Proteine umgeben ist, aber kein tatsächliches Virus enthält. Die Exposition gegenüber diesem Pseudovirus führte zu Schäden in der Lunge und den Arterien eines Tiermodells. Das wiederum beweist laut Angaben der Forscher, dass das Spike-Protein allein ausreicht, um die Krankheit auszulösen. Die Gewebeproben zeigten zudem Entzündungen in den Endothelzellen, die die Wände der Lungenarterien auskleiden.

Neue Studie: Coronavirus schädigt Gefäßzellen auch ohne Replikationsfähigkeit

Im Labor setzten die Forscher daraufhin gesunde Endothelzellen (die Arterien auskleiden) dem Spike-Protein aus. Sie zeigten, dass das Spike-Protein die Zellen durch Bindung von ACE2 schädigt. „Wenn man die Replikationsfähigkeiten des Virus entfernt, hat es immer noch eine große schädigende Wirkung auf die Gefäßzellen, einfach aufgrund seiner Fähigkeit, an diesen ACE2-Rezeptor den S-Protein-Rezeptor zu binden, der jetzt dank Covid bekannt ist“, erklärt Manor.

„Weitere Studien mit mutierten Spike-Proteinen werden auch neue Erkenntnisse über die Infektiosität und Schwere der mutierten SARS CoV-2-Viren liefern“, so der Forscher. Mit einem Bluttest lässt sich laut einer Studie herausfinden, wie hoch das Risiko für einen schweren Corona-Verlauf ist. (sne) *fr.de und hna.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.