Astrazeneca/Johnson & Johnson

Sicherheit der Corona-Impfstoffe verbessern: Wissenschaftler finden Ursache für Thrombosen

Nach Corona-Impfungen mit Astrazeneca und Johnson & Johnson kam es vereinzelt zu Thrombosen. Forscher aus Hessen haben das Rätsel nun offenbar gelöst. 

Kassel – Seltene Fälle von Hirnvenenthrombosen nach einer Corona-Impfung haben dem Image von Astrazeneca und Johnson & Johnson immens geschadet. Dieses Risiko und die negativen Schlagzeilen der Vektorimpfstoffe haben bei vielen Menschen Unsicherheit ausgelöst. Forscher aus Frankfurt am Main haben jetzt offenbar das Rätsel um die Blutgerinnsel gelöst.

Besonders gefährdet für die gefährlichen Thrombosen seien laut aktuellem Stand Menschen, die einen charakteristischen Mangel an Blutplättchen aufweisen, das bestätigt das Paul-Ehrlich-Institut (PEI). In Deutschland sind bisher laut aktuellen Daten des Paul-Ehrlich-Instituts 94 Fälle nach einer Corona-Impfung mit dem Wirkstoff von Astrazeneca bekannt, 17 Betroffene sind verstorben (Stand: 25.05.2021). Nach Impfungen mit Johnson & Johnson wurden bislang bundesweit keine Fälle gemeldet. Das Vakzin wird hierzulande allerdings nur selten eingesetzt. Beide Impfstoffe werden von der Ständigen Impfkommission (Stiko) aktuell nur noch für Menschen ab 60 Jahren empfohlen.

Impfstoff von Astrazeneca: Forscher entdecken Ursache für Thrombosen nach Corona-Impfung

Ein Forschungsteam der Goethe-Universität aus Frankfurt am Main um Molekularbiologe Rolf Marschalek hat sich mit der Ursache der seltenen Hirnvenenthrombosen auseinandergesetzt und glaubt nun, diese gefunden zu haben. Bei der Analyse des Corona-Impfstoffs „Vaxzevria“ von Astrazeneca* sei ihnen der Fund gelungen, berichtet fnp.de. Laut den Forschern liegt das Problem bei dem Transport des Vektors zu den Zellen. Der Vektor ist ein harmloses Virus, das mit der Impfung zu den Zellen in den menschlichen Körper hineingeschleust wird. Das darin enthaltene Erbgut des sogenannten Spike-Proteins soll den Bauplan des Coronavirus schließlich erkennen. Somit kann dieses in Zukunft vom menschlichen Immunsystem mit eigenen Abwehrmechanismen bekämpft werden.

Name des ImpfstoffsVaxzevria
HerstellerAstrazeneca, Universität Oxford
ArtVektorimpfstoff

Corona-Impfstoff von Astrazeneca: Mutationen im Zellkern können Blutgerinnsel auslösen

Astrazeneca und Johnson & Johnson nutzen verschiedene sogenannte Adenoviren als Vektor. Diese dringen in den Zellkern ein, wo sie anschließend ihr Erbgut vervielfältigen. Wie die Forscher mitteilen, würden die Proteine allerdings nicht in die Zellflüssigkeit gelangen. „Genau hier liegt das Problem: Das Stück virale DNA ist nicht dafür optimiert, im Kern transkribiert zu werden“, schreiben die Experten.

Ihrer Annahme zufolge würden sich beim Trennen von aneinandergereihten Protein-Bauteilen im Zellkern Mutationen bilden. Diese werden schließlich aus der Zelle geschleust und können so in die Blutbahnen gelangen, wo sie gefährliche Blutgerinnsel hervorrufen können. Außerdem könnten diese Mutanten unter anderem starke Entzündungsreaktionen an den Innenwänden von Blutgefäßen auslösen, erklärt das Team.

Der Corona-VektorImpfstoff von Astrazeneca kann seltene Fälle von Hirnvenenthrombosen verursachen. Ein Forschungsteam aus Frankfurt am Main will nun die Ursache dafür gefunden haben.

Corona-Forschung: Erkenntnis der Forscher kann Sicherheit der Astrazeneca-Impfung verbessern

Die forschende Gruppe ist davon überzeugt, dass sich anhand dieser Erkenntnis die Sicherheit des Impfstoffes verbessern ließe und Nebenwirkungen demnächst ausgeschlossen werden können. „Mit den Daten, die wir in unseren Händen haben, können wir Unternehmen sagen, wie sie diese Sequenzen mutieren können, indem sie das Spike-Protein so codieren, dass unbeabsichtigte Spleißreaktionen vermieden werden“, sagte Marschalek der Financial Times.

Mit der Entstehung der Thrombosen nach einer Corona-Impfung mit einem Vektorimpfstoff hatte sich auch eine Forschungsgruppe um den Greifswalder Transfusionsmediziner Andreas Greinacher bereits beschäftigt. Diese berichtet über einige Mechanismen, die einen Blutplättchenmangel auslösen.

Demnach aktiviere die Impfung Antikörper im Blut, die sich gegen eine körpereigene Struktur auf den Blutplättchen richten. Das sorge dafür, dass diese verklumpen und somit Gerinnsel entstehen. Eine 65-jährige Frau hatte nach einer Corona-Impfung mit dem Astrazeneca-Vakzin ein Hirnvenenthrombose erlitten und im Anschluss von ihrer Erkrankung erzählt. (Alina Schröder) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sven Simon/imago

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