Ärzte zwiegespalten

Kinderarzt „in Sorge“: Warnung vor Herzmuskelentzündungen nach der Corona-Impfung

Ab 12 Jahren können Kinder und Jugendliche eine Corona-Impfung bekommen. Seltene Fälle von Herzmuskelentzündungen bereiten jedoch Sorgen.

Kassel – Auch wenn die mRNA-Impfstoffe der Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna mittlerweile für Kinder und Jugendliche zugelassen sind, scheiden sich bei diesem Thema nach wie vor die Geister. Während die Gesundheitsminister der Länder beschlossen haben, allen 12- bis 15-Jährigen ein Corona-Impfangebot zu machen, empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) nach wie vor Impfungen lediglich bei höherem Risiko für schwere Verläufe, etwa bei vorerkrankten Kindern.

Dementsprechend ist die Verunsicherung groß, zumal Gesundheitsexperten wie Karl Lauterbach wiederum für eine Corona-Impfung ab 12 Jahren plädieren. In einem Interview mit zeit.de hat sich auch Kinderkardiologe Stefan Renz zu den Immunisierungen geäußert. Der Arzt ist mit seiner Einschätzung laut eigener Aussage weiterhin „ganz eng bei der Stiko“. Besonders die Gefahr einer Herzmuskelentzündung sehe er „mit Sorge“.

Corona-Impfung bei Kindern: Arzt warnt vor Herzmuskelentzündungen

Renz erklärt gegenüber zeit.de, dass es „in einem von 15.600 Fällen Entzündungen am Herzen“ gebe – vor allem bei Jungen. Dieses Risiko müsse erst noch genauer analysiert werden. Der Kinderkardiologe empfiehlt daher, sich unbedingt an die Empfehlungen der Stiko zu halten. Lediglich Kinder, die unter den angegebenen Vorerkrankungen leiden, sollten sich daher gegen Corona impfen lassen. Die Gefahr eines schweren Krankheitsverlaufs sei bei diesen Kindern wesentlich größer.

Ab 12 Jahren können sich Kinder und Jugendliche gegen Corona impfen lassen. Seltene Fälle von Herzmuskelentzündungen bereiten jedoch Sorgen.

Neben Kindern mit neurologischen Erkrankungen, Nierenschäden, Immunschwächen, Lungenerkrankungen und Trisomie 21, seien auch Kinder mit Übergewicht betroffen. Eltern würden dies nicht gerne hören, es sei jedoch wichtig, dies zu betonen.

Vor vermeintlich „leichten“ Herzmuskelentzündungen, von denen im Falle von Kindern des Öfteren berichtet wurde, warnt Renz. Es gebe keine leichte Myokarditis, die Gefahr einer Vernarbung sei bei einer entsprechenden Erkrankung immer gegeben. Eine solche Vernarbung könne später sogar zu einem plötzlichen Herztod führen. „Das Risiko finde ich einfach zu hoch“, sagt der Arzt. Auch in Hessen haben sich Ärzte gegen eine Corona-Impfung von Kindern ausgesprochen.

Empfehlung am Paul-Ehrlich-Institut: Nutzen der Corona-Impfung überwiegt Risiken

In den USA und in Israel, wo seit geraumer Zeit Kinder gegen das Coronavirus geimpft werden, ist es in seltenen Fällen nach der zweiten Impfung mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna zu Herzmuskelentzündungen gekommen. Wie das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zuletzt berichtete, sei es bis zum 30. Juni 2021 zu insgesamt 173 solcher Fälle nach einer Immunisierung mit dem Biontech-Vakzin gekommen – bei mehr als 54 Millionen Impfdosen.

Auch bei dem Präparat Spikevax von Moderna soll es zu 31 Fällen gekommen sein. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde der Corona-Impfstoff in Deutschland allerdings schon mehr als 6,4 Millionen mal verimpft. Das Institut aus Hessen verkündete daher, dass der Nutzen der Impfung weiterhin alle Risiken überwiege. In Kassel laufen die Corona-Impfungen der Kinder indes weiter an.

In einem Interview mit tagesschau.de spricht sich Robin Kobbe, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, ebenfalls für eine Impfung aus. Während kleine Kinder oft asymptomatisch seien und eventuell Schnupfen oder auch ein wenig Fieber hätten, seien die Symptome bei Jugendlichen deutlich gravierender. Es könne unter anderem zu Geschmacks- und Geruchsverlust kommen, schwere Erkrankungen seien ebenfalls möglich, wenn auch sehr selten, so der Arzt des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Feststehe, dass eine Impfung bei Kindern und Jugendlichen, genau wie bei Erwachsenen, einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung sowie Langzeitfolgen verhindern könne. (Nail Akkoyun)

Rubriklistenbild: © Mareen Fischinger/Imago

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