Gesundheit

Corona: Wie sinnvoll ist die Impfungen bei Kindern?

In den USA wurden bereits tausende Kinder mit dem Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer geimpft. In Deutschland steht die Zulassung bevor. Doch wie sinnvoll ist das?

Kassel – Die Debatte um Corona-Impfungen für Kinder steht aktuell im Fokus. In den USA hat die Food and Drug Administration (FDA) den Impfstoff von Biontech/Pfizer mit einer Notfallgenehmigung auch für junge Menschen zugelassen. Bereits rund 600.000 Kinder im Alter zwischen 12 und 15 Jahren wurden nach der Freigabe innerhalb von weniger als einer Woche gegen Covid-19 geimpft. Das berichtet der Auslandsrundfunk der Deutschen Welle. Auch in Kanada wird seit dem Anfang Mai Kindern ab einem Alter von 12 Jahren das Vakzin injiziert. Die Hersteller Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson testen ihre Corona-Präparate aktuell in dieser Alterspanne. Die Ergebnisse stehen noch aus.

In der EU ist mit einer Zulassung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) Ende Mai zu rechnen. Das prognostiziert zumindest EMA-Chefin Emer Cooke. In einer Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Ende Mai sollen weitere Details anlässlich der Impfungen für Heranwachsende besprochen werden, heißt es. Gesundheitsminister Jens Spahn äußerte sich diesbezüglich zuversichtlich: Bis zum Ende der Sommerferien könne man den 12- bis 18-Jährigen ein Impfangebot machen, so Spahn.

Corona: Kinder- und Jugendärzte sprechen sich für Impfung aus

Währenddessen diskutieren Experten und Eltern, wie sinnvoll die Vergabe von Corona-Impfstoffen für Kinder und Jugendliche überhaupt ist. Es reiche nicht aus Kinder zu schützen, indem sich ein Großteil der Erwachsenen impfen lässt und so die angestrebte Herdenimmunität erreicht wird, heißt es. Dafür sei der Anteil der Heranwachsenden weltweit zu hoch. Auch wenn Kinder seltener schwerwiegender an Covid-19 erkranken, sind solche Verläufe dennoch nicht ausgeschlossen. Das berichtet die Deutsche Welle.

Experten und Eltern fragen sich immer wieder, wie sinnvoll Corona-Impfungen für Kinder sind. Studien zufolge habe der Impfstoff von Biontech eine Wirksamkeit von 100 Prozent.

Lothar Wieler, Chef des Robert Koch-Instituts, geht davon aus, dass zur Bewältigung der Corona-Pandemie über 80 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft oder genesen sein müssten. Dahingehend spricht sich der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) für eine Impfung von 12- bis 16-Jährigen aus: Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass es eine EU-weite Zulassung des Biontech-Impfstoffs für Kinder gibt und die Ständige Impfkommission (STIKO) die Empfehlung befürwortet.

Corona: Biontech-Impfstoff wirkt bei Kinder zu 100 Prozent

Eine klinische Studie zum Biontech-Impfstoff mit 2260 Teilnehmern im Alter zwischen 12 und 15 Jahren hatte eine Wirksamkeit von 100 Prozent gezeigt. 1131 von ihnen erhielten den Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer, 1129 bekamen Placebo-Präparate mit Kochsalzlösung. Die Impfungen seien gut vertragen worden und die Nebenwirkungen würden jenen in der Altersgruppe von 16 bis 25 Jahren entsprechen, heißt es in der Studie. Wie die FDA berichtete, seien bei den Teilnehmern der Studie allerdings Nebenwirkungen wie Schmerzen an der Injektionsstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Fieber und Gelenkschmerzen aufgetreten.

Dabei ist die Dosis des Corona-Impfstoffs von Biontech identisch mit der Dosierung für Erwachsene. Kinder und Jugendliche, die bereits in der Vergangenheit schwere allergische Reaktionen auf einen im Impfstoff enthaltenen Bestandteil gezeigt haben, sollten nach Informationen der New York Times die Impfung nicht bekommen.

Biontech
Gründung2008
SitzMainz
Umsatz (2020)482 Millionen Euro

Die Studienlage ist derzeit noch sehr dünn. „Ein Nullrisiko“ gebe es auch bei Impfungen für Kinder nicht, erklärte BVKJ-Präsident Thomas Fischbach kürzlich: „Letztlich ist es immer eine Nutzen-Risiko-Abwägung, die zusammen mit den Sorgeberechtigten getroffen werden muss.“ Der BVKJ-Landesverband Saarland und das Pädiatrisch-Infektiologische Netzwerk Saar (PaedineSaar) kritisierten die kleine Probandenzahl in den Studien. Demnach könne die Sicherheit des Impfstoffs für Kinder nicht abschließend beurteilt werden, hieß es.

Corona-Impfung für Kinder: Vergabe in Schulen oder Impfzentren

Sollte der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer auch in Deutschland für junge Menschen zugelassen werden, könnte die Verabreichung in Form von Reihenimpfungen in Schulen oder Impfzentren erfolgen, so Gesundheitsminister Jens Spahn. Dahingehend forderte Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbands der Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst (BVÖGD), die Impfzentren nicht vorzeitig zu schließen. Gegenüber der Rheinische Post erklärte sie, dass man sich nicht allein auf die Kinderärzte verlassen könne. Denn: „Die müssen sich ja noch um die Regelversorgung kümmern.“

Thomas Fischbach hingegen präferiert die Vergabe des Impfstoffs durch Kinderärzte. „Es sollte vorher eine gute Beratung über den hausärztlichen Kinderarzt erfolgen“, äußerte er sich gegenüber der Ärztezeitung. „Massenimpfungen in Impfzentren oder Schulen halte ich eher für kontraproduktiv. Es braucht eine vertrauensvolle Beratung.“ (kas)

Rubriklistenbild: © Paul Hennessy/imago

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.