Pandemie

Corona-Impfung schon bald per Nasenspray? Neue Impfstoff-Generation wird erforscht

Forscherinnen und Forscher arbeiten an der Entwicklung einer neuen Corona-Impfstoff-Generation. Diese soll aber nicht injiziert, sondern inhaliert werden.
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Forscherinnen und Forscher arbeiten an der Entwicklung einer neuen Corona-Impfstoff-Generation. Diese soll aber nicht injiziert, sondern inhaliert werden. (Symbolbild)

Aktuell wird an der Entwicklung neuer Corona-Impfstoffe geforscht. Diese sollen aber ganz anders sein, als die Spritze in den Oberarm.

Kassel – Gegen das Coronavirus sind die entwickelten Impfstoffe aktuell das effektivste Mittel. Doch auch diese zeigen im Kampf gegen Corona* ihre Grenzen auf. Laut wöchentlichem Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) vom 02.09.2021 wurden in Deutschland bisher 101.877.124 Covid-19-Impfungen in verabreicht. 65 Prozent der Bevölkerung sind mindestens einmal geimpft und 61 Prozent sind vollständig geimpft (Stand: 01.09.2021).

Doch damit gehen auch immer wieder sogenannte Impfdurchbrüche einher. Das heißt: Menschen infizieren sich trotz vollständiger Impfung mit Sars-CoV-2. Seit Februar dieses Jahres wurden insgesamt 24.098 Impfdurchbrüche vom RKI gezählt.

Corona-Pandemie in Deutschland: Forschende arbeiten an Inhalations-Impfstoffen

„Das Coronavirus dringt über die Atemwege in den Körper ein und richtet bei einer Erkrankung in der Lunge den größten Schaden an“, erklärte der Immunologe Reinhold Förster von der Medizinischen Hochschule Hannover in der Welt. Deshalb bemühe sich die Forschung um Impfstoffe zum Inhalieren. Diese funktionieren ähnlich wie ein Nasenspray.

Bereits vor Monaten gab es Berichte über Forschungsarbeiten. Jetzt sollen sieben der sogenannten Inhalations-Impfstoffe an Freiwilligen getestet worden sein. Klinische Ergebnisse liegen laut aerzteblatt.de aber noch nicht vor. Allerdings zeige das in China zugelassene Vakzin Ad5-nCoV in der Phase-1-Studie eine gute Antikörperantwort. Der Impfstoff wurde an der Zhongnan-Klinik der Universität Wuhan an 130 gesunden Erwachsenen erprobt. 

Video: Ärzte rechnen ab 2022 mit Corona-Impfstoffen auch für Säuglinge

Neue Corona-Impfstoffe: Vakzine befinden sich in der Testphase

Förster zufolge sollen die neuen Vakzine viele Vorteile im Vergleich zu den bisher zugelassenen Corona-Impfungen haben. In erster Linie aber seien sie effektiver, weil die Sars-CoV-2-Viren direkt beim Eindringen in die Atemwege aufgehalten werden. Gleichzeitig soll die Immunisierung mit den neuen Präparaten mit einem geringeren Aufwand verbunden sein.

Inhalations-Impfstoffe sind allerdings noch recht neu auf dem Markt. Lediglich ein Präparat, das Kinder vor einer Grippe schützen soll, ist erhältlich. Dabei handelt es sich allerdings um einen Lebendimpfstoff, der mit den bisherigen Vektor- und mRNA-Impfstoffen wenig vergleichbar ist.

Lebendimpfstoffe enthalten geringe Mengen von vermehrungsfähigen Krankheitserregern, die jedoch so abgeschwächt wurden, dass sie die Erkrankung selbst nicht auslösen. Totimpfstoffe beinhalten nur abgetötete Krankheitserreger, die sich nicht mehr vermehren können oder auch nur Bestandteile der Erreger. 

Von den Präparaten zur Inhalation in der Testphase zählt eines zu den Lebendimpfstoffen. Der Immunologe Förster sieht hier aber wenig Chancen auf eine Zulassung. Auch Totimpfstoffe oder proteinbasierte Präparate, von denen ebenfalls einer entwickelt wurde, sieht er kritisch. Diese seien zu durchlässig und würden die Lunge nicht ausreichend schützen. Auch das österreichisch-französische Unternehmen Valneva arbeitet derzeit mit Hochdruck an einem neuen Corona-Impfstoff. Dabei handelt es sich um einen Totimpfstoff.

Impfung gegen Coronavirus: Astrazeneca-Impfstoff am besten geeignet?

Besser geeignet seien Förster zufolge die Vektor-Impfstoffe, etwa von Astrazeneca und Johnson & Johnson. Fünf der sich in der Testphase befindenden Vakzine setzen auf einen Vektor. Auch der schwedisch-britische Pharmakonzern Astrazeneca hat ein Inhalations-Präparat entwickelt.

Für die Entwicklung der Vakzine wird ein harmloses Virus verwendet, damit der Bauplan für das Coronavirus-Spike-Protein in den Körper gelangt. Dadurch soll eine Immunantwort hervorgerufen werden. Auch Förster arbeitet mit einem Virologen an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, Gerd Sutter, an einem Inhalations-Impfstoff. Dafür verwendet das Forscherteam einen Kuhpocken-Virus. Kuhpocken sind eine milde pockenartige Erkrankung, die hauptsächlich Rinder befallen. In Deutschland ist in den vergangenen Jahren allerdings keine Infektion von Rindern mehr bekannt. 

Neue Impfstoff-Generation bedarf einiges an Forschung

Bis die neue Generation der Corona-Impfstoffe zugelassen wird, bedarf es noch einiges an Forschung. Förster will in diesem Zusammenhang keine falschen Hoffnungen machen. In der Zwischenzeit bleibt es also bei der Injektion in den Oberarm, die bisher auch einen sehr guten Schutz bietet.

Auch ein Forscherteam aus Bonn arbeitet an der Entwicklung eines Corona-Medikaments – mithilfe von Alpakas. Ziel sei ein Nasen- oder Inhalationsspray. (kas) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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