Pandemie in Deutschland

Tödlicher Corona-Verlauf trotz Impfung: Studie deckt auf, wer besonders gefährdet ist

Wie häufig kommen Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus unter vollständig Geimpften vor? Eine Studie liefert Ergebnisse.

Kassel - Im Zusammenhang mit Corona zu sterben, dieses Risiko soll vor allem durch die Impfungen gemindert werden. Das Robert Koch-Institut (RKI) erklärt, mit Berufung auf die derzeitige Studienlage, dass das vollständige Impfen mit Moderna, Biontech/Pfizer oder Astrazeneca „eine hohe Wirksamkeit von etwa 90 Prozent gegen eine schwere Covid-19-Erkrankung“ erzielt.

Doch das bedeutet auch, dass die Impfstoffe nur mit einer solchen, wenn auch hohen Wahrscheinlichkeit, vor einem Tod im Zusammenhang mit dem Virus schützen. Eine neue Corona-Studie hat nun untersucht, welche Personen besonders von einem schweren Verlauf bedroht sind – trotz vollständiger Impfung.

Eine Pflegekraft steht auf einer Intensivstation in einem Zimmer und bedient eine Herz-Lungen-Maschine.

Tod nach Corona-Infektion trotz Impfung: Wie viele Personen waren betroffen?

In ihrer im medizinischen Fachmagazin The Lancet veröffentlichten Studie beschäftigten sich Forscher aus Schottland mit dem Risiko für Geimpfte in Zusammenhang mit dem Coronavirus zu versterben. Sie werteten die landesweite Datenlage zu Sterbefällen im Land aus. Als Todesfall einer geimpften Person in Zusammenhang mit Corona galt die Definition: Ein positives Testergebnis mindestens 14 Tage nach der zweiten Impfdosis und die Angabe auf dem Totenschein, dass Corona eine Rolle gespielt hat.

Insgesamt waren während der Studiendurchführung 3.273.336 Schottinnen und Schotten vollständig geimpft. 236 Todesfälle wurden verzeichnet. Von diesen wurde bei 195 Corona als eine zugrunde liegende Todesursache verzeichnet, bei 41 Personen stand eine Infektion in Zusammenhang mit dem Sterbefall. Keiner der Verstorbenen erhielt eine Impfung mit Moderna.

TodesfälleVerabreichter Impfstoff
47Biontech/Pfizer
188Astrazeneca
1Kreuzimpfung aus Astrazeneca und Biontech/Pfizer
Quelle: Grange, Buelo, Sullivan et al. 2021

Corona-Tod trotz Impfung: Bei diesen Personengruppen ist das Risiko besonders hoch

Die Forschenden stellten in ihrer Studie außerdem fest, dass nicht alle Bevölkerungsgruppen in gleichem Ausmaß betroffen waren. Als Erstes fiel den Wissenschaftlern auf, dass vor allem ältere Menschen stark überrepräsentiert waren. Die meisten Todesfälle gab es in der Gruppe der über 75-Jährigen. Doch sie stellten weitere Übereinstimmungen fest.

Männer waren wesentlich häufiger in der Gruppe der Todesfälle trotz Corona-Impfung vertreten, als Frauen. Unter den 236 Verstorbenen waren 61,8 Prozent männlich. Außerdem spielten Begleiterkrankungen eine Rolle. Bei 97 Prozent der Todesfälle stand auf dem Totenschein mindestens noch eine weitere Todesursache neben Corona. Die häufigsten waren chronische Herzkrankheiten, Nierenkrankheiten, Diabetes, obstruktive Lungenerkrankungen sowie Vorhofflimmern. Die Auswertung der Forscher zeigte, dass das Risiko, trotz Impfung im Zusammenhang mit dem Virus zu sterben dann besonders hoch ist, wenn fünf oder mehr Begleiterkrankungen vorliegen.

Todesfälle in Zusammenhang mit Coronavirus trotz vollständiger Impfung: Forscher mit Appell

Es zeigten sich klare Parallelen, denn diese Risikofaktoren decken sich zum Teil mit denen für Personen ohne oder mit nur einer Impfung. Die Forscher betonen jedoch, dass die Sterbefälle unter den vollständig geimpften Menschen in Schottland sehr niedrig sind. Gerade einmal 0,007 Prozent der Todesfälle im Land betrafen zum Zeitpunkt der Studie Geimpfte. Dennoch schließen sie: „Das Risiko in Zusammenhang mit Covid-19 zu versterben, kann auch nach einer vollständigen Impfung nicht komplett ausgeschlossen werden. Die Studienergebnisse unterstreichen, wie wichtig ein weiteres vorsichtiges Vorgehen und nicht-medizinische Interventionsmaßnahmen sind, besonders für Ältere mit Begleiterkrankungen“.(Sophia Lother)

Studien zeigen, dass ein verbreitetes Corona-Symptom oft nicht als solches erkannt wird. Dabei ist es gerade bei älteren Menschen häufig das einzige Anzeichen für eine Infektion.

Rubriklistenbild: © Fabian Strauch/dpa/Symbolbild

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