Medizinethikerin stellt Forderung

Corona-Impfung: Sollte eine Triage nur Ungeimpfte treffen?

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Corona: Die Intensivstationen werden immer voller. Welche Rolle sollte die Impfung im Fall einer Triage spielen? (Symbolbild)

Die Debatte um die Corona-Impfung spaltet derzeit die Gesellschaft. Doch sollte der Impfstatus im Falle einer Triage ausschlaggebend sein?

Kassel – Während die Corona-Fallzahlen weiter steigen, werden auf den Intensivstationen in Deutschland langsam die Betten knapp. Derzeit befindet sich Hessen im Bereich der ersten Warnstufe, was die Belegung von Intensivbetten mit Covid-19-Patienten angeht.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Auslastung auf den Intensivstationen äußerte sich auch die Medizinethikerin Prof. Dr. Annette Dufner. Gegenüber der „Rheinischen Post“ wirft sie die Frage auf, ob bei einer Triage nach Impf-Status unterschieden werden sollte. Auch eine Corona-Impfpflicht wird derzeit in der Gesellschaft breit diskutiert.

Corona-Patienten auf Intensivstationen: Sollte eine Impfung bei einer Triage entscheidend sein?

Über die Kriterien bei einer sogenannten Triage wurde während der Corona-Pandemie bereits mehrfach debattiert. Wenn die Kapazitäten einer Intensiv-Station ausgereizt sind, kann es zu einer solchen Triage kommen. Dort wird dann eine Auswahl an Patientinnen und Patienten getroffen, welche weiter behandelt werden.

Unter dem Strich glaube ich, dass sich die Beachtung des Impfstatus in einer überfüllten Intensivstation durchaus argumentieren ließe.

Prof. Dr. Annette Dufner

Ob der Impf-Status der Betroffenen hier auch ein Entscheidungskriterium sein könnte, hängt in erster Linie von zwei Faktoren ab, so die Philosophie-Professorin gegenüber Tagesspiegel.de. Zum einen müsse geklärt werden, wie weit das Solidaritätsprinzip eigentlich gefasst ist. Zum anderen spielt die Motivation hinter dem „Nicht-Impfen“ eine Rolle, so Dufner.

Corona und die Ethik: Verschiedene Positionen zu Impfung und Triage

Die Professorin aus Bonn setzt zur Verdeutlichung Verweigerer einer Corona-Impfung in einen direkten Vergleich zu Alkoholikern. Denn auch alkoholkranke Menschen würden eine Transplantationsleber bekommen, so Dufner. Ausschlaggebend hierfür ist die Bewertung des Suchtcharakters der Erkrankung. Die „Angst vor Impfschäden“ könnte ähnlich eingeordnet werden. Das zu entscheiden fällt aus Sicht der Bonner Professorin allerdings in die Zuständigkeit der Politik: „Ultimativ sollten derartige Entscheidungen auf politischem Weg gefällt werden.“

Im Bereich der Medizinethik gibt es auch konträre Positionen zu der von Annette Dufner. In Bochum vertritt der Medizinethiker Jochen Vollmann die Einschätzung, dass eine Corona-Impfung „kein Entscheidungskriterium bei der Zuteilung begrenzter Ressourcen im Gesundheitswesen“ sein dürfe. Nach der Einschätzung von Vollmann solle alleine entscheidend sein, bei welchem Patienten eine Behandlung auf der Intensivstation mehr Erfolgsaussichten bietet, wie Welt.de berichtet. (Lucas Maier)

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