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Manche Personen bilden keine Antikörper – Hoffnung auf neuen Corona-Impfstoff

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Von: Tanja Koch

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Bisher sorgten Coronavirus-Impfstoffe dafür, dass der Körper Antikörper durch B-Zellen bildet. Medikamente gegen bestimmte Vorerkrankungen zerstören B-Zellen jedoch.
Bisher sorgten Coronavirus-Impfstoffe dafür, dass der Körper Antikörper durch B-Zellen bildet. Medikamente gegen bestimmte Vorerkrankungen zerstören B-Zellen jedoch. © Sebastian Willnow/dpa

Menschen mit speziellen Vorerkrankungen bilden nach Impfungen gegen das Coronavirus oft nicht genügend Antikörper. Ein neues Mittel soll sie besser schützen.

New Orleans – Insbesondere Krebspatienten und Menschen mit angeborenem Immundefekt sollen von einem neuartigen Impfstoff gegen das Coronavirus profitieren. Das von Tübinger Forschern entwickelte Präparat CoVac-1 zeigte in einer kleinen klinischen Studie bei 93 Prozent der geimpften Probanden die gewünschte Wirkung: eine Aktivierung der T-Zell-Immunantwort. Das berichteten die Wissenschaftler auf der Jahrestagung der US-amerikanischen Krebsforschungsgesellschaft (AACR, American Association for Cancer Research) in New Orleans. Inwiefern die 14 Patienten der Studie mit der Corona-Impfung tatsächlich vor einer Infektion mit dem Coronavirus oder schweren Covid-19-Symptomen geschützt sind, wurde nicht untersucht.

Die gegenwärtigen Corona-Impfstoffe lösen im Körper vor allem eine sogenannte humorale Immunantwort aus, also die Bildung von Antikörpern durch die B-Zellen. Viele Chemotherapien und einige Immuntherapien zerstören allerdings die B-Zellen, sodass bei diesen Patienten die Impfstoffe keine gute Wirkung zeigen. Auch bei Menschen mit bestimmten angeborenen Immundefekten ist die Bildung von Antikörpern gestört. CoVac-1 soll deshalb vor allem eine zelluläre Immunität aufbauen, die von T-Zellen ausgelöst wird.

Corona-Bekämpfung mithilfe der T-Zellen bei Patienten mit Leukämie oder Lymphdrüsenkrebs

„Die T-Zell-vermittelte Immunität ist für die Entwicklung einer schützenden antiviralen Reaktion unverzichtbar, und frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass T-Zellen Covid-19 auch in Abwesenheit neutralisierender Antikörper bekämpfen können“, erläutert Claudia Tandler von der Universität Tübingen anlässlich der Vorstellung der Ergebnisse.

Diese beziehen sich auf Impfungen von 14 Patienten mit einem B-Zell-Defekt, darunter 12 Patienten mit Leukämie oder Lymphdrüsenkrebs. Etwa zwei Drittel der Patienten waren bereits mit einem zugelassenen Corona-Impfstoff geimpft worden, allerdings hatte ihr Immunsystem keine ausreichende Antikörper-Antwort aufgebaut. 28 Tage nach der CoVac-1-Impfung registrierten die Forscher bei 13 Patienten eine robuste T-Zell-Antwort. Derzeit werde eine klinische Studie mit mehr Patienten vorbereitet. Bislang waren mRNA-Impfstoffe für Krebspatienten empfohlen worden.

Neuartiger Coronavirus-Impfstoff kombiniert mehrere Virus-Eiweiße für breite Immunantwort

Das Präparat der Tübinger Forscher ist ein sogenannter Peptid-basierter Impfstoff. Dieser enthält sechs verschiedene Proteinbestandteile (Peptide) von Sars-CoV-2 als Antigene, gegen die das Immunsystem nach der Impfung eine T-Zell-Antwort aufbaut. Darunter ist das Spike-Protein, gegen das auch die bisher verfügbaren Impfstoffe gerichtet sind. Die Kombination von mehreren Virus-Eiweißen in einem Impfstoff soll eine möglichst breite T-Zell-Immunantwort auslösen, sodass die Schutzwirkung auch bei Mutationen des Virus erhalten bleibt. Herkömmliche Corona-Impfstoffe müssen jedoch angepasst werden, wie etwa der Biontech-Impfstoff im Hinblick auf die Omikron-Variante.

„Soweit wir wissen, ist CoVac-1 zurzeit der einzige Peptid-basierte Impfstoffkandidat, der speziell für Menschen mit Immunschwäche entwickelt und evaluiert wird“, sagt Juliane Walz vom Universitätsklinikum Tübingen, Leiterin der Impfstoff-Entwicklung. Aktuell sei die Hoffnung, die Hochrisiko-Patienten mit dem neuen Präparat vor einem schweren Covid-19-Verlauf schützen zu können. (dpa/tk)

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