Hochansteckende Sars-CoV-2-Varianten

Wirkt Corona-Impfung gegen britische Virus-Mutation? Studie stimmt optimistisch – auch in puncto Afrika-Virus

Christian Maass, Physiotherapeut, wird von Marina Kremer, Betriebsärztin, im Rahmen der Mitarbeiter-Impfung im Krankenhaus Bethel Berlin gegen das Corona-Virus geimpft.
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In Deutschland wird seit Ende Dezember 2020 mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff gegen Covid-19 immunisiert. Neue Virus-Mutanten lassen die Frage aufkommen: Wirkt der Impfstoff auch bei neuen Virus-Varianten? Biontech bezieht Stellung.

B.1.1.7 auch in Deutschland: Die ansteckendere Virus-Variante beunruhigt Mediziner weltweit. Was Virus-Mutationen für den Impfschutz bedeuten, lesen Sie hier.

  • Am 24. Dezember 2020 wurde die Virus-Variante B.1.1.7 (auch VOC 202012/01 oder N501Y-V1 genannt) erstmals bei einer Frau in Deutschland nachgewiesen*. Bereits im November 2020 war die Virus-Mutation im Südosten Großbritanniens aufgetreten.
  • Wie das Ärzteblatt berichtete, haben seit Dezember 2020 mehrere Reise-Rückkehrer die Virusmutante B.1.1.7 nach Deutschland eingeschleppt. Neben dem ersten Fall in Baden-Württemberg meldeten Behörden auch Fälle in Sachsen, Berlin und Bayern.
  • Die neue Virus-Variante soll rund 70 Prozent ansteckender sein als alle anderen bekannten Sars-CoV-2-Ausprägungen. Vor diesem Hintergrund wird die Frage laut: Wie wirksam schützen die aktuell verfügbaren Corona-Impfstoffe gegen diese und andere neue Virus-Varianten?

In Deutschland sind zwei Impfstoffe zugelassen: Ein Präparat des Mainzer Unternehmens Biontech mit Pfizer und ein Vakzin des US-Biotechnologieunternehmens Moderna. In den Starlöchern steht auch der Astrazeneca-Impstoff: Der britisch-schwedische Pharmakonzern Astrazeneca und die Universität Oxford hatten eine Zulassung ihres Präparats bei der Europäischen Union beantragt. Am 29. Januar will die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) entscheiden, ob der Impfstoff in der EU zugelassen wird.

Die Immunisierung durch Impfungen gilt als wichtigster Schritt, um die Corona-Pandemie einzudämmen. Doch der Hoffnungsträger „Impfung“ birgt auch Diskussionspotential. Viele Bürger haben Angst vor möglichen Nebenwirkungen. Und auch Coronavirus-Mutationen geben Anlass zur Sorge, ob die Impfung gegen Sars-CoV-2 tatsächlich den gewünschten Effekt hat und gegen Covid-19 schützen kann. Deshalb prüfen Impfstoff-Hersteller aktuell, ob ihre Produkte auch gegen Virus-Mutanten wie dem „britischen“ VOC-202012/01 oder der Variante 501.V2 (zum ersten Mal in Südafrika gemeldet) Wirkung zeigen.

Biontech-Impfstoff wirkt gegen britische und südafrikanische Virus-Mutation

Dem Ärzteblatt zufolge hatten sich Experten optimistisch geäußert: Da die mRNA-Impfstoffe BNT162b2 von Biontech/Pfizer und mRNA-1273 von Moderna das gesamte Spike-Gen enthal­ten würden, wäre die Gefahr einer ausbleibenden Wirkung bei einer Infektion mit einem Virus-Mutanten sehr gering. Ob der Biontech/Pfizer-Impfstoff tatsächlich Wirkung gegen neue Virus-Varianten zeigt, haben das US-Pharmaunternehmen Pfizer und die Universität Texas in einer Studie analysiert. Das Ergebnis: Die auf den Biontech-Covid-19-Impfstoff produzierten Antikörper neutralisierten auch SARS-CoV-2-Varianten mit der Schlüsselmutation N501Y im Spike-Protein (Welche Rolle das Spike-Protein bei den Corona-Impfungen spielt, erfahren Sie im letzten Absatz „Impfung gegen Corona: So funktionieren mRNA-Impfstoffe“). N501Y wurde bei beiden Virus-Mutationen (aus Großbritannien und Südafrika) nachgewiesen. Die Untersuchung mit Antikörpern im Blut von 20 geimpften Personen hatte weiter gezeigt, dass der Impfstoff auch bei Virus-Mutationen eine Wirksamkeit von bis zu 95 Prozent zeigte. Die Veröffentlichung muss allerdings noch fachlich geprüft werden. „Die Seren von 20 Teilnehmern der bereits veröffentlichten Phase-3-Studie neutralisierten das Virus mit der Mutation im gleichen Ausmaß wie das Virus ohne die Mutation“, erklären Biontech/Pfizer, wie die Deutsche Apotheker Zeitung (DAZ) informiert. Sollte das Virus sich so verändern, dass eine Anpassung des Impfstoffs notwendig wird, glauben die Unternehmen der DAZ zufolge, dass die Flexibilität der firmeneigenen mRNA-Technologieplattform von Biontech eine Anpassung ermöglicht.

Lesen Sie auch: Corona-Mutant aus Südafrika seit 12. Januar auch in Deutschland: Heftigere Krankheitsverläufe möglich?

Den Grund für die Wirksamkeit der Corona-Impfung auch bei Virus-Mutationen sehen Experten in der Bandbreite der Antikörper, die nach der Impfung vom Körper produziert werden. So erklärt Virologe Christian Drosten im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“, dass der Körper nach einer Corona-Impfung viele verschiedene Antikörper gegen Coronaviren produziert. Es handelt sich um polyklonale Antikörper, die an einer Vielzahl von Bindestellen am Coronavirus-spezifischen Spike-Protein angreifen können, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) informiert. Deshalb dürften Drosten zufolge einzelne Veränderungen an diesem Protein erst einmal wenig Auswirkungen haben. Adam Lauring, Experte für die Evolution von RNA-Viren an der US-amerikanischen Universität Michigan, räumt in seinem Podcast zudem ein, dass sich das Spike-Protein nicht drastisch verändern kann: „Es hat nicht unbegrenzt viele Möglichkeiten, durch Veränderungen den Antikörpern zu entkommen, weil es ja immer noch seine Aufgabe erfüllen muss.“

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Impfung gegen Corona: So funktionieren mRNA-Impfstoffe

SARS-CoV-2 nutzt ein sogenanntes Spike-Protein, um an die Zellen anzudocken und so in die Körperzellen einzudringen. Das Protein bindet an einen Rezeptor namens ACE2 auf der Oberfläche menschlicher Zellen, was zur Folge hat, dass das Virus mit der Zellmembran verschmelzen und sein Erbgut ins Zellinnere entlassen kann. Antikörper können das Virus anhand des Spike-Proteins erkennen, daran binden und es so als Ziel für Immunzellen markieren, wie das Helmholtz-Institut informiert. Hier kommt die Corona-Impfung ins Spiel. Wie die Pharmazeutische Zeitung berichtet, wird bei mRNA-Corona-Impfungen nicht klassisch das Antigen (also der Erreger oder Teile von ihm) verimpft, auf dass das Immunsystem reagieren soll, sondern die Bauanleitung für das Spike-Protein. Infolge produziert der Körper diese Proteine, was zur Folge hat, dass das Immunsystem aktiviert wird und Antikörper gegen das Protein bildet. Diese Antikörper können bei einer späteren Corona-Infektion eine schnelle Immunantwort auslösen, indem sie das Spike-Protein auf der Virus-Oberfläche als „feindlich“ markieren. (jg) *Merkur.de gehört zum deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Mehr Quellen: https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2034577?query=featured_home

Weiterlesen: Moderna-Impfung jetzt auch in Deutschland – doch Biontech-Impfstoff soll weniger Nebenwirkungen entfalten.

Der lebensrettende Pieks: Diese Risikogruppen sollten sich gegen Grippe impfen lassen

Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin gibt Empfehlungen ab, welche Menschen sich impfen lassen sollten. Gehören Sie auch zur Risikogruppe? (Stand: Juli 2013) © dpa
Das Immunsystem älterer Menschen reagiert zwar weniger stark auf die Impfung, dennoch empfehlen die Experten das Serum. Im Falle einer Erkrankung fallen die Symptome schwächer aus. Da für Menschen über 60 Jahre ein erhöhtes Risiko für schwere oder gar tödliche Komplikationen besteht, ist die Impfung dringend angebracht. © dpa
Wie bei älteren Menschen besteht auch bei Schwangeren ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe. Daher raten die Gesundheitsexperten auch werdenden Müttern ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel zur Impfung. Schwangere, die bereits an einer Grunderkrankung leiden, können sich nach Absprache mit dem Arzt auch schon früher pieksen lassen. © dpa
Erwachsene und Kinder, die an einer chronischen Erkrankung wie beispielsweise Asthma leiden, gehören ebenfalls zu den Risikogruppen. © fkn, Mundipharma
Auch Menschen mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Bluthochdruck wird die Grippe-Impfung nahe gelegt. © dpa
Kinder dürfen frühestens ab einem Alter von sechs Monaten gegen die Grippe geimpft werden. © dpa
Wer an chronischen Stoffwechsel-Erkrankungen wie Zucker (Diabetes Mellitus), an chronischen Nierenerkrankungen, Blutarmut (Anämie), an angeborenen oder erworbenen Immunstörungen wie Abwehrschwäche nach Organtransplantationen, bei Chemotherapien oder HIV-Infektionen leidet, sollte sich die Grippe-Impfung nicht entgehen lassen. © dpa
Ebenso Menschen mit chronisch neurologischen Krankheiten wie beispielsweise Multipler Sklerose gehören zu den Risikogruppen. © dpa
Mitarbeiter in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Arztpraxen oder Angestellte in Einrichtungen mit erhöhtem Publikumsverkehr laufen Gefahr, durch ihre Arbeit sich selbst oder andere anzustecken - die Grippe-Impfung ist daher eigentlich Pflicht. © dpa
Die Bewohner von Pflege- und Altenheimen sind ebenfalls besonders gefährdet. © dpa
Urlauber ab 60 Jahren oder chronisch Kranke, die verreisen wollen, sollten sich spätestens zwei Wochen vor der Abreise pieksen lassen. © dpa
Menschen, die häufig mit Geflügel, auch mit Wildvögeln in Berührung kommen, zählen auch als Risikogruppe. © dpa
NICHT impfen lassen dürfen sich Menschen, die allergisch reagieren auf Hühnereiweiß. Der Impfstoff wird in Hühnereiern gezüchtet. Wer aktuell unter Fieber leidet, sollte mit der Imfpung warten, bis die Erkrankung abgeklungen ist.
Die meisten Krankenkassen in Deutschland übernehmen freiwillig die Kosten für die saisonale Grippeimpfung. Über-60-Jährige und chronisch Kranke müssen in der Regel nichts bezahlen. © dpa

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