1. Startseite
  2. Gesundheit

Erste Lieferung des Corona-Medikaments Paxlovid steht kurz bevor: Wer bekommt es zuerst?

Erstellt:

Von: Luisa Weckesser

Kommentare

Das neue Corona-Medikament Paxlovid steht in den Startlöchern. (Symbolbild)
Das neue Corona-Medikament Paxlovid steht in den Startlöchern. (Symbolbild) © dpa

Das Corona-Medikament Paxlovid soll bald auch in Deutschland verwendet werden. Nun stellt sich die Frage: Wer erhält das Medikament zuerst?

Kassel – Bei Corona-Impfstoffen hat die deutsche Pharmaindustrie einen Coup gelandet. Der Erfolg des Mainzer Herstellers Biontech brachte der Branche internationales Renommee und milliardenschwere Geschäfte – mit der Aussicht auf erneut kräftig steigende Umsätze 2022.

Nun werden Corona-Medikamente für infizierte Patienten zur nächsten Chance. Zwar liegen im Fall der Therapeutika Konzerne aus der Schweiz, Großbritannien und den USA vorn. Doch bei Produktion und Verteilung spielen auch deutsche Standorte eine Rolle.

Der US-Konzern und Biontech-Partner Pfizer stellt sein Medikament Paxlovid gegen schwere Covid-Verläufe hauptsächlich in Freiburg her. Nach Erhalt und Genehmigung des Wirkstoffs startet der Prozess zum Mischen, Granulieren, Pressen und Beschichten der Tabletten, sagte eine Sprecherin. „Ein Team von Qualitätsexperten stellt sicher, dass die höchsten Standards eingehalten werden.“ Zudem werde in Freiburg, wo 1700 Menschen für Pfizer arbeiten, mit der Verpackung begonnen.

Erste Lieferung des Corona-Medikament Paxlovid: Regierung hat eine Million Packungen bestellt

Der Pharmariese geht davon aus, in diesem Jahr weltweit mindestens 120 Millionen Einheiten fertigzustellen – davon rund 30 Millionen in der ersten Jahreshälfte. „Wir sind dabei, zusätzliche Kapazitäten zu schaffen und die Produktion weiter hochzufahren“, kündigte Pfizer an.

Die Bundesregierung hat bereits eine Million Packungen von Paxlovid bestellt. Diese sollen im Zeitraum von Januar bis Dezember 2022 geliefert werden. Mit ersten Lieferungen rechnet Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) noch im Januar. Das Mittel eigne sich insbesondere für die Behandlung ungeimpfter Risikopatienten, heißt es. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat schon eine Notfallzulassung für das Medikament ausgesprochen, in der EU läuft die Prüfung noch.

Nach knapp zwei Monaten im Amt wird allerdings auch Kritik an Karl Lauterbach laut.

Doch wer bekommt das Corona-Medikament nun als Erstes? Aktuell infizieren sich pro Woche rund 22.000 über 65-Jährige, die bereits wegen ihres Alters als Risikopatienten gelten. Sie alle kämen für die Tabletten infrage. Hinzukommen die Neuinfizierten, denen das Virus wegen ihrer Vorerkrankungen besonders gefährlich werden kann.

Erste Lieferung des Corona-Medikament Paxlovid steht kurz bevor: Wer bekommt es zuerst?

Rund jeder zweite Risikopatient hat das Rentenalter noch nicht erreicht. Allerdings bedeutet das auch, dass die Medikamente schnell knapp werden könnten, da nicht die volle Bestellung des Medikaments auf einmal eintrifft, sondern über mehrere Monate bis Dezember verteilt.

Behandelnde Ärzte werden also früher oder später vor die Entscheidung gestellt, welchem ihrer Patienten sie nun helfen sollen – und wem sie diese Therapie verweigern müssen. „Im Grunde genommen muss man das als eine Art Triagesituation bezeichnen“, sagte Dominik Groß, Leiter des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin an der Uni Aachen, gegenüber welt.de.

Nach welchen Kriterien die Mediziner diese schwere Auswahl treffen sollen, ist ebenfalls ungeklärt. Ähnlich wie bislang bei der Verteilung der knappen Intensivbetten vorgegangen wird, könnten Mediziner danach gehen, wie gefährdet die infizierte Person ist.

Paxlovid: Neues Corona-Medikament teurer und in der Anwendung komplizierter

Das würde bedeuten, dass Ärzte unter ihren ohnehin bereits besonders gefährdeten Patienten noch einmal diejenigen herausfiltern müssen, die am meisten zu befürchten haben. Und es würde gleichzeitig bedeuten, dass Ungeimpfte die größeren Chancen haben, zu den Auserwählten für das Medikament zu zählen. 

Medikamente gelten als Säule der Corona-Bekämpfung. Sie sind aber im Vergleich zu Impfungen teurer und in der Anwendung oft komplizierter. „Der große Gamechanger sind sicherlich die Impfstoffe, nicht die Therapeutika“, so der Münchner Infektiologe Christoph Spinner gegenüber welt.de. Therapeutika seien jedoch eine wichtige Ergänzung für „Menschen, die beispielsweise wegen einer chronischen Erkrankung nicht geimpft werden und damit keinen vergleichbaren Immunschutz aufbauen können“. (Luisa Weckesser mit dpa)

Auch interessant

Kommentare