Corona-Pandemie

Omikron: Neue Erkenntnisse – Warum die Erkrankung milder verläuft

Eine Micro-Fotografie des Coronavirus - Virus SARS-CoV-2.
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Wissenschaftler veröffentlichen erste Studien zum vergleichsweise milden Krankheitsverlauf mit der Variante Omikron.

Die Omikron-Variante des Coronavirus verursacht nach ersten Erkenntnissen einen milderen Krankheitsverlauf – die steigenden Zahlen sind dennoch Grund zur Vorsicht.

Frankfurt – Weltweit steigen die Corona-Fallzahlen. Verantwortlich dafür ist vor allem die Omikron-Variante des Virus. Wissenschaftliche Studien veröffentlichen nun neue Erkenntnisse dazu, weshalb Omikron einerseits einen milderen Krankheitsverlauf verursacht, sich aber andererseits schneller ausbreitet als die bisherigen Varianten.

Behörden rund um den Globus melden einen rasanten Anstieg der Corona-Fallzahlen. In Israel hat sich der Wert der Sieben-Tage-Inzidenz seit Anfang Dezember verachtfacht. Premierminister Naftali Bennet rechnet mit einem weiteren Anstieg in den kommenden Tagen und bald bis zu 50.000 Neuinfektionen täglich. „Die Welle ist angekommen und nichts kann das noch verhindern“, sagte Bennett im israelischen Fernsehen.

In den USA breitet sich die Omikron-Variante des Coronavirus ebenfalls sehr schnell aus. Die Gesundheitsbehörden vermeldeten am Silvestermorgen einen Wert von 440.000 Neuinfektionen. Anthony Fauci sprach von einem „fast vertikalen Anstieg“ der Corona-Fallzahlen. Zuvor, am Mittwoch (29.12.2021), wurden sogar 490.000 Neuinfektionen vermeldet. Und in Großbritannien passiert, was in Deutschland verhindert werden soll: Wegen eklatanter Personalausfälle haben zahlreiche Kliniken im Kontext von Omikron-Infektionen den Katastrophenfall ausgerufen. Das berichtet die BBC.

Corona: Omikron verbreitet sich rasant – warum es trotzdem milder verläuft

Gleichzeitig ist von einem milderen Krankheitsverlauf durch Omikron die Rede. Wissenschaftliche Studien liefern nun erstmals Erkenntnisse dazu, wie es dazu kommt: Ein Forscherteam der Universität Hong Kong fand heraus, dass Omikron sich in den Atemwegen des Menschen 70 mal schneller repliziert als die Delta-Variante. 

Es gelangt daher sehr viel schneller als Delta oder die ursprüngliche Corona-Variante in Luftröhre und Bronchien. Im Lungengewebe selbst allerdings replizierte es sich dann langsamer – und zwar mehr als zehnmal langsamer als die erste Variante des Corona-Virus, so die Ergebnisse der Studie. Dieser Effekt könnte der Grund für die weniger schweren Krankheitsverläufe mit Omikron sein.

Corona-Pandemie: Omikron-Variante trotzdem eine Gefahr

Der Hauptautor der Studie, Dr. Michael Chan, mahnt allerdings zur Vorsicht: „Es ist wichtig zu beachten, dass die Schwere der Erkrankung beim Menschen nicht nur von der Replizierungsrate des Virus abhängt, sondern auch von der Immunreaktion des Infizierten.“ Viele Krankenhauseinweisungen fänden nicht allein durch die Erkrankung an sich statt, sondern auch durch die unberechenbare Art und Weise, mit der der Körper auf eine Infektion reagiert. 

Chan wies außerdem darauf hin, dass ein so hochinfektiöses Virus wie Omikron allein durch die schiere Menge an Erkrankungen zu mehr Todesfällen und schweren Krankheitsverläufen führen könne, selbst wenn die Lungenschäden weniger schwer ausfallen. Das berichtet das Nachrichtenportal Aljazeera.

Corona: Omikron Variante – Warum die Lunge weniger Schaden nimmt

Ein weiteres Forscherteam, dass die Virusvariante Omikron in Glasgow untersucht, hat möglicherweise den Grund dafür herausgefunden, weshalb das Lungengewebe weniger Schaden nimmt, als die oberen Atemwege: Ein essentielles Protein mit dem Namen TMPRSS2, das in Lungenzellen vorkommt, hatte vorigen Varianten den Eintritt in die Lungenzellen selbst ermöglicht. Dieses Protein scheine sich an Omikron weniger stark binden zu können, sodass die Variante weniger leicht in die Zellen eindringen könne.

Um in die Zellen von Nase, Rachen und oberen Atemwegen zu gelangen, nutze das Virus eine ganz andere Strategie. Das erkläre, weshalb die Viruslast in diesen Bereichen im Vergleich zur Lunge so hoch sei und könne wiederum ein Grund dafür sein, weshalb Omikron sich so rasant verbreitet – das Virus wird von dort aus leichter durch Husten, Niesen oder Atem ausgestoßen, so die Autoren dieser Corona-Studie.

Omikron: Corona-Pandemie weiterhin globale Bedrohung

Die vermeintlich geringere Gefahr, die durch einen milderen Krankheitsverlauf von Omikron ausgeht, wird demnach durch die erhöhte Infektiosität und die schnelle Verbreitung in gewisser Weise aufgehoben. In Großbritannien sind die verheerenden Effekte der erhöhten Infektiosität bereits deutlich spürbar. 

Auch sei zu bedenken, dass Labordaten sich nicht immer vollständig auf das reale Leben übertragen ließen und die Gefahren des Long-Covid-Syndroms durch Omikron noch unbekannt seien, so Dr. Amir Khan in einem Beitrag bei Aljazeera. „Als Arzt befürchte ich, dass ein milderer Verlauf den Menschen ein falsches Gefühl von Sicherheit vermittelt, sie vielleicht seltender Masken tragen, keine soziale Distanz halten oder noch schlimmer, sich nicht impfen lassen. […] Omikron bleibt eine ernste globale Bedrohung“, so Khan. (na)

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