Pandemie

Neue Corona-Erkenntnisse: Könnte Covid-19 zu einer Kinderkrankheit werden?

Ein Forscherteam untersucht, wie sich Corona weiterentwickeln könnte. Von der Pandemie zur Endemie? Covid-19 könnte zu einer Kinderkrankheit werden. 

Kassel - Corona wird Menschen in Deutschland und auf der ganzen Welt noch lange beschäftigen. Darin sind sich viele Wissenschaftler und Forschende einig. Eine neue Studie zeigte nun eine Verlagerung der Krankheitslast: Covid-19 könnte zukünftig vor allem Kinder befallen.

Das internationale Forscherteam setzte sich aus Wissenschaftlern der University of Oslo in Norwegen und der Pennsylvania State University in den USA zusammen. Mithilfe einer Modellsimulation (genannt RAS) untersuchten sie die Entwicklungen von Sars-Cov-2 für ein Jahr, zehn Jahre und 20 Jahre. Neben Demografie und Dauer der Immunität spiele auch der Grad der sozialen Durchmischung bei der Berechnung eine Rolle.

Forscher: Corona wird zur Endemie werden - und vor allem Kinder betreffen

In der Studie zur Entwicklung der Corona-Pandemie kamen die Beteiligten zu zwei großen Erkenntnissen. Zum einen hieß es in der Studie, dass sich die derzeitige Pandemie in eine sogenannte Endemie wandeln werde. Während eine Pandemie eine zeitlich begrenzte, globale Ausbreitung einer Krankheit beschreibt, handelt es sich bei einer Endemie um eine dauerhafte Bedrohung. Die endemische Krankheit tritt regelmäßig auf, meist mit einer konstanten Zahl Infizierter.

Zum anderen kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass sich die Krankheitslast in der endemischen Phase nicht mehr auf alle Altersgruppen verteilen werde. Vielmehr seien dann vor allem diejenigen betroffen, die noch keinen Kontakt zu der Krankheit hatten: Kinder hätten demnach ein erhöhtes Risiko an Covid-19 zu erkranken. Corona würde zu einer Kinderkrankheit werden.

Eine neue Corona-Studie lenkt den Blick bei der Virus-Entwicklung auf junge Altersgruppen: Könnte Covid-19 eine Kinderkrankheit werden? (Symbolbild)

Derzeit gehen Wissenschaftler davon aus, dass Kinder eher selten schwer an der Infektionskrankheit erkranken. Über Langzeitwirkungen, wie Long-Covid, ist bei Kindern noch weniger bekannt als bei Erwachsenen. Darüber hinaus ist es möglich, sich trotz Impfung mit Sars-Cov-2 zu infizieren - es kann allerdings zu anderen Corona-Symptomen bei Geimpften und Ungeimpften kommen.

Studie: Erwachsene immun gegen Corona - Krankheitslast bei jungen Altersgruppen

Das internationale Forscherteam sprach in seinem Corona-Bericht von einer Verschiebung der Krankheitslast. Der Grund dafür? Erwachsene würden durch Impfung und bereits aufgetretene Corona-Erkrankungen immun gegen das Virus. Die Krankheitslast würde dann diejenigen treffen, die damit noch nicht in Berührung gekommen seien.

Das sei auch schon bei früheren Viruserkrankungen der Fall gewesen. So habe das Humane Coronavirus OC43 (HCoV-OC43) in der Pandemie von 1889/1990 Millionen Todesopfer gefordert. In den Jahren nach der Pandemie wurde ersichtlich, dass „ältere Menschen durch Immunität [...] geschützt“ waren. Diese hatte sie durch vorangegangene Expositionen mit einem früheren A/H1N1-verwandten Stamm erlangt. Die Sterblichkeitsrate hatte sich innerhalb weniger Jahre verringert, stellten Forscher 1918 fest.

BezeichnungCorona
Aktuelle EinordnungPandemie
VirusSars-Cov-2
InfektionskrankheitCovid-19
Besorgniserregende Virusvarianten (variants of concern, VOC) in DeutschlandAlpha, Beta, Delta, Gamma
Quelle: RKI (Stand: 16.08.2021)

Corona als Kinderkrankheit? Frühe Exposition oder Impfung könnte Sterblichkeit eindämmen

Verschiedene andere Studien gehen davon aus, dass eine frühkindliche Ansteckung mit dem Coronavirus oder eine Immunisierung durch eine Corona-Impfung bei Kindern zur Folge hätte, dass die Schwere der Krankheitsverläufe zukünftig sinken könnte. Es würde in der endemischen Phase der Krankheitsentwicklung deutlich seltener zu schweren Verläufen kommen.

Bei der Interpretation der Forschungsdaten und -ergebnisse sei die Annahme wichtig, dass Reinfektionen mit dem neuartigen Coronavirus nur leichte Krankheitsverläufe verursachen, hieß es im Studienbericht. Sei dies nicht der Fall, könne die Sterblichkeitsrate sich über die Jahre auf einem Level halten, statt zu sinken.

Eine erstmalige Infektion würde dann nicht zu einer Verhinderung oder zumindest einer Abmilderung des Krankheitsverlaufs sorgen. Das hohe Level der Sterblichkeit könne dann nur durch pharmazeutische Mittel gebrochen werden. (jey)

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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