Sind Hormone Schuld?

Corona-Studie: Weshalb das Risiko für Männer erhöht sein könnte

Besonders Männer haben häufig mit schweren Corona-Krankheitsverläufen zu kämpfen. Forschende einer aktuellen Studie vermuten die Ursache im Hormonspiegel.
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Besonders Männer haben häufig mit schweren Corona-Krankheitsverläufen zu kämpfen. Forschende einer aktuellen Studie vermuten die Ursache im Hormonspiegel.

Männer sind häufiger von schweren Corona-Verläufen betroffen als Frauen. US-Forscher haben nun neue Hinweise gefunden, woran das liegen könnte.

Kassel - Seit Beginn der Corona-Pandemie konnten Forschende beobachten, dass im Schnitt mehr Männer an schweren Krankheitsverläufen leiden als Frauen. Zudem falle das Sterberisiko bei ihnen höher aus. Wissenschaftlerinnern und Wissenschaftler aus den USA haben nun Hinweise auf die mögliche Ursache gefunden.

Demnach könnten hormonelle Unterschiede eine große Rolle spielen, berichtet t-online.de. Medizinerinnen und Mediziner spekulierten bereits, dass ein hoher Spiegel des Geschlechtshormons Testosteron die Schwere einer Corona-Erkrankung begünstigen könnte. Dieses Hormon wird in männlichen Körpern viel mehr produziert als in weiblichen. Eine weitere Studie hat sich mit einem erhöhten Corona-Infektionsrisiko durch Vitamin D-Mangel beschäftigt.

Neue Corona-Studie: Ist Testosteron schuld an einem schweren Covid-Verlauf bei Männern?

In einer aktuellen Studie der Washington University School of Medicine wurde der mögliche Zusammenhang mit dem erhöhten Testosteronspiegel nun genauer untersucht. Das Forscherteam analysierte dazu die Blutwerte auf drei verschiedene Hormone von 90 Männern und 62 Frauen, die aufgrund einer Corona-Erkrankung im Frühjahr 2020 ins Krankenhaus mussten. Das Ergebnis zeigt allerdings genau das Gegenteil als Ursache für einen schwereren Covid-Krankheitsverlauf: zu niedrigere Testosteronwerte im Blut.

Die Männer, die bereits bei der Klinikaufnahme einen sehr niedrigen Testosteronspiegel von circa 53 Nanogramm pro Deziliter aufwiesen, erlitten laut den Forschenden schwere Verläufe. Sie hätten zudem intensivmedizinisch behandelt oder sogar beatmet werden müssen. Die Gruppe der am schwersten erkrankten männlichen Probanden habe lediglich einen durchschnittlichen Spiegel von 19 Nanogramm pro Deziliter aufgewiesen. Zum Vergleich: Als normaler Wert gelten 250 Nanogramm Testosteron pro Deziliter.

Name des HormonsTestosteron
Artmännliches Geschlechtshormon
Normalwert250 Nanogramm pro Deziliter

Erhöhtes Corona-Sterberisiko bei Männern: Forscher untersuchen hormonellen Zusammenhang

Je niedriger der Wert des männlichen Sexualhormons war, desto schwerer sei der Patient an Corona erkrankt und desto höher sei das Sterberisiko gewesen. Bei den untersuchten Frauen habe jedoch keins der untersuchten drei Hormontypen den Krankheitsverlauf beeinflusst. Ob die niedrigen Testosteronspiegel aber tatsächlich die Ursache oder nur ein Symptom einer Corona-Erkrankung darstellen, sei bis auf Weiteres unklar.

Die Werte hätten womöglich auch erst durch eine Infektion sinken können. Aus diesem Grund wollen Forscherinnen und Forscher zunächst den genauen Zusammenhang zwischen dem Geschlechtshormon und Covid-19 untersuchen. Außerdem sollen weitere Studien feststellen, ob von Corona genesene Männer von einer Testosterontherapie profitieren könnten. (Alina Schröder)

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