Vektorimpfstoff als Auslöser von Thrombosen?

Komplikation nach Impfung mit Vektorimpfstoffen: Arzt vermutet Bestandteil der Impfung als Ursache

Ein junger Mann lässt sich in einem deutschen Supermarkt den Impfstoff von Astrazeneca spritzen. Eine Ärztin verimpfte am 5. Mai 2021 mit ihrem Team ohne Voranmeldung rund 250 Dosen Astrazeneca, für die sie in ihrer Sprechstunde wegen des Misstrauens gegen den Wirkstoff keine Abnehmer fand.  Thrombosen, die nach der Impfung aufgetreten sind, verunsicherten viele Bürger.
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Ein junger Mann lässt sich in einem deutschen Supermarkt den Impfstoff von Astrazeneca spritzen. Eine Ärztin verimpfte am 5. Mai 2021 mit ihrem Team ohne Voranmeldung rund 250 Dosen Astrazeneca, für die sie in ihrer Sprechstunde wegen des Misstrauens gegen den Wirkstoff keine Abnehmer fand. Thrombosen, die nach der Impfung aufgetreten sind, verunsicherten viele Bürger.

Im Vergleich zu mRNA-Impfungen kam es bei den Vakzinen von Astrazeneca und Johnson & Johnson häufiger zu Thrombosen. Ist die Vektor-Technologie verantwortlich?

Meist kommt es nach einer Corona-Impfung nur zu harmlosen Beschwerden – die sogar ein gutes Zeichen sind. Denn reagiert der Körper mit leichten Krankheitssymptomen, belegt das, dass das Immunsystem Antikörper gegen die Krankheit produziert. Doch in sehr seltenen Fällen sind auch schwerwiegende Komplikationen möglich. Etwa, wenn ein Geimpfter allergisch gegen einen Bestandteil der Impfung reagiert. Auch Fälle von Thrombosen nach einer Corona-Impfung wurden gemeldet – vor allem nach Impfungen mit sogenannten Vektorimpfstoffen. Bei dieser Technologie wird ein für den Menschen harmloses Virus als Transportmittel in die Zellen eingesetzt (Transportvirus oder Vektor genannt), um das Immunsystem anzuregen, Antikörper gegen das Coronavirus zu bilden. Dazu wird die DNA der Sars-CoV-2-spezifiischen Spike-Proteine in die DNA des Transportvirus eingesetzt. Zu Vektorimpfstoffen zählen die Produkte von Astrazeneca und Johnson & Johnson.

Mehr über die Wirkweise von mRNA- und Vektorimpfstoffen erfahren Sie hier.

So sind dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) als Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel bis zum 15. April 59 Fälle von Sinus- und Hirnvenenthrom­bosen nach der ersten Impfung mit dem Vektorimpfstoff von Astrazeneca gemeldet worden, wie das Ärzteblatt informiert. Dies hatte einen kurzen Impfstopp in Deutschland zur Folge. Aktuell wird wieder mit dem Astrazeneca-Präparat geimpft, da die Vorteile der Impfung die Risiken überwiegen, so die Einordnung verantwortlicher Behörden wie des Bundesgesundheitsministeriums. Ein ähnliches Bild zeichnete sich bei der Impfung mit dem Johnson & Johnson-Produkt in den USA ab. Auch dieses wurde zwischenzeitlich nicht mehr verimpft, nachdem sechs Fälle von Hirnvenenthrombosen nach der Impfung bekannt wurden.

Mehr über die Wirkweise und Nebenwirkungen der Johnson & Johnson-Impfung.

Medizinisches Personal impft am 8. Mai 2021 Menschen bei einer Sonder-Impf-Aktion in der Ditib-Zentralmoschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld. Bei den überschüssigen Dosen handelt es sich um die Impfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson – beides Vektorimpfstoffe.

Warum kommt es sehr selten zu Thrombosen nach Impfung mit Vektorimpfstoff? „Es könnte der Vektor sein“

Diese Vorfälle lassen die Frage aufkommen, ob Vektorimpfstoffe ein höheres Thrombose-Risiko bergen als mRNA-Impfungen wie die von den Herstellern Biontech und Moderna. Immunologe Andreas Greinacher von der Universität Greifswald und sein Team versuchten diese Frage zu beantworten. In einer vorveröffentlichten Studie kamen sie zu dem Ergebnis, dass eine Autoimmunreaktion auf den sogenannten Plättchenfaktor-4 die Ursache für die Thrombosen sein könnte. Dabei handelt es sich um ein Oberflächenprotein, das an der Immunreaktion beteiligt ist. Das Protein ist in der Lage, Immunzellen mit bestimmten Rezeptoren um sich zu scharen und so eine lokale Immunantwort zu verstärken, wie die Deutsche Welle als Auslandsrundfunk der Bundesrepublik Deutschland informiert. Bekannt sei das Phänomen unter Medizinern als „Heparin-Induzierte Thrombozytopenie“ (HIT) – eine Autoimmunreaktion auf die Gabe des Gerinnungshemmers Heparin, bei der die Anzahl der Blutplättchen zurückgeht.

Doch im Fall der Corona-Vektorimpfungen reagiert der Plättchenfaktor-4 nicht auf Heparin, sondern auf etwas anderes, wird der Berliner Mediziner Klamroth von der Deutschen Welle zitiert: „Es könnte der Vektor sein. Es könnte etwas vom Spike-Protein sein. Es könnte etwas im Rahmen der allgemeinen Immunreaktion sein, was sich mit dem Plättchenfaktor-4 verbinden muss“, spekuliert Klamroth. Weitere Untersuchungen sind nötig, um die tatsächliche Ursache zu finden. (jg)

Mehr Quellen: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/123186/

Weiterlesen: Wie sicher ist der Moderna-Impfstoff? Neuer Sicherheitsbericht meldet 107 schwerwiegende Nebenwirkungen.

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

Eine mit Coronaviren befallene Zelle
Ende 2019 wurde zum ersten Mal über das Coronavirus Sars-CoV-2 berichtet. Zuerst nur in China diagnostiziert, breitete sich die durch Coronaviren ausgelöste Krankheit Covid-19 weltweit aus. Die Pandemie hat im Jahr 2020 weltweit etwa 1.900.000 Todesopfer gefordert. Auf der Darstellung oben ist eine menschliche Zelle (grün) zu sehen, die mit Coronaviren (gelb) infiziert ist.  © Niaid/dpa
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat. © dpa/dpaweb-mm
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Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff.
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff. © dpa
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Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene. © dpa/dpaweb
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Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
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Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
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Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
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Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. © dpa
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Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

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