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Umstrittene Covid-Studie: Sars-CoV-2 stammt „zu 99,9 Prozent aus dem Labor“

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Von: Karolin Schäfer

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Drei Forschende gehen davon aus, dass die Corona-Pandemie ihren Ursprung in einem Labor hat. Die Hypothese ist umstritten. (Symbolbild)
Drei Forschende gehen davon aus, dass die Corona-Pandemie ihren Ursprung in einem Labor hat. Die Hypothese ist umstritten. (Symbolbild) © imago

Forschende spekulieren, dass das Corona-Virus aus einem Labor stammen könnte. Aus der Fachwelt hagelt es stattdessen Kritik.

Würzburg – Seit mehr als zwei Jahren begleitet die Corona-Pandemie den Alltag vieler Menschen – und das weltweit. Trotz zahlreicher Studien ist der Ursprung der Pandemie noch nicht eindeutig geklärt.

Eine Vielzahl von Wissenschaftler:innen geht davon aus, dass das Virus natürlichen Ursprungs ist. Sars-CoV-2 könnte also direkt von Tieren auf den Menschen übertragen worden sein. Auch Virologe Christian Drosten geht davon aus, dass sich das Virus auf natürlichem Wege verbreitete. Andere wiederum spekulieren, dass das Virus in einem Labor freigesetzt worden sei. Nun wollen Forschende, auch aus Deutschland, offenbar das Rätsel um den Virusursprung gelöst haben.

Corona-Studie: Ursprung der Pandemie geklärt? Virus offenbar gezielt verändert

Valentin Bruttel vom Universitätsklinikum Würzburg (UKW), Alex Washburne von der wissenschaftlichen Einrichtung Selva Analytics in den USA sowie Antonius VanDongen von der Duke University in North Carolina veröffentlichten in einer Vorab-Studie eine Hypothese ihrer Untersuchung.

Den Forschenden zufolge soll das Corona-Virus tatsächlich aus dem Labor stammen. Sars-CoV-2 soll demnach gezielt genetisch verändert worden sein. Das Virus sei mit „hoher Wahrscheinlichkeit als infektiöser Klon“ in einem Labor entstanden, heißt es in dem Forschungsbericht. Unabhängig, wissenschaftlich begutachtet wurde die Untersuchung der drei Autoren allerdings noch nicht.

Corona-Studie: „Virus zu 99,9 Prozent eine künstliche Kopie“

In ihrer Studie haben die Forschenden nach eigenen Angaben eine Art „Fingerabdruck“ entdeckt, der auf eine genetische Manipulation hindeute. Dieser sei untypisch für Corona-Viren natürlichen Ursprungs. „In Kombination mit anderen molekularen Hinweisen zeigen unsere Ergebnisse, dass dieses Virus zu 99,9 Prozent eine künstliche, wahrscheinlich manipulierte Kopie eines natürlichen Virus ist“, erklärte Valentin Bruttel gegenüber ntv.de.

Dafür sei wahrscheinlich eine Methode verwendet worden, die vereinzelt auch zur Herstellung synthetischer Viren eingesetzt wird. Dabei würden einzelne DNA-Bausteine des Virus zusammengesetzt werden, schrieben die Forschenden. Dadurch blieben sogenannte Restriktionsstellen sichtbar. Diese ließen sich in einem regelmäßigen Muster ablesen. „In natürlichen Viren sind die Erkennungsstellen komplett zufällig verteilt“, sagte Bruttel. Beim Corona-Virus sei dagegen ein regelmäßiges Muster entdeckt worden, „in nahe verwandten Viren nicht.“

Deshalb deuten „unsere Ergebnisse stark auf einen synthetischen Ursprung von SARS-CoV2 hin“, hieß es in der Vorab-Studie. Es sei „extrem unwahrscheinlich, dass ein solches Muster (...) hier rein zufällig auftaucht“, sagte Bruttel gegenüber ntv.de.

Forschende kritisieren Corona-Studie

Ob die Corona-Pandemie nun tatsächlich ihren Ursprung in einem Labor hatte, steht allerdings nicht fest. Die Meinungen darüber sind gespalten. Immunologe Kristian Andersen kritisierte die Untersuchung von Bruttel und seinen Kollegen scharf. Die Vorab-Studie sei „so stark fehlerhaft“, dass diese „nicht einmal im molekularbiologischen Kindergarten bestehen würde“, schrieb Andersen auf Twitter.

Corona-Studie in der Kritik: „Nur eine Hypothese“

„Im Preprint wird eben nur eine Hypothese, die aber nur mit einer Reihe von nicht-bewiesenen Zusatzannahmen funktioniert, untersucht und mit der Abschätzung, wie unwahrscheinlich dies auf natürlichem Wege sei, die Laborentstehung als wahrscheinliche Alternative gestützt“, schrieb ein Biologe, der sich bei Twitter „Bissiges Mäuschen“ nennt, in einem Statement. Das sei seiner Ansicht nach „der größte Fehler, insbesondere da es inzwischen sehr viel Literatur darüber gibt, wie SARS-COV-2 natürlich entstanden sein könnte.“

Auch der deutsche Virologe und Leiter des Instituts für Virologie an der Universität Gießen, Friedemann Weber, zweifelt die Aussagekraft der Untersuchung an. Es sei möglich, Viren genetisch zu manipulieren, ohne entsprechende Spuren zu hinterlassen, schrieb er in einem Twitter-Thread. (kas)

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