Impfturbo

Zweite Impfdosis unnötig? Analyse mit Corona-Genesenen zeigt erstaunliches Ergebnis

Eine Frau zieht eine Spritze aus einem Fläschchen des Astrazeneca-Impfstoffes.
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Aktuell geht die Impfkampagne in Deutschland nur schleppend voran.

Die meisten Impfstoffe benötigen zwei Impfdosen, um ihr volle Wirksamkeit zu entfalten. Bei Personen mit überstandener Corona-Infektion könnte das womöglich unnötig sein.

Von den bisher in der EU zugelassenen Impfstoffen genügt nur beim Vakzin von Johnson&Johnson eine einfache Impfdosis, um eine gute Immunantwort gegen das Spike-Protein des Coronavirus hervorzurufen. Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca benötigen hingegen eine Zweit-Impfung als Boost, bevor der vollständige Impfschutz erreicht wird. Eine Analyse mit 51 Probanden sollte deshalb herausfinden, ob Menschen mit einer überstandenen Infektion auch ohne die Boost-Impfung auskommen.

Angesichts der sich verbreitenden Coronavirus-Varianten ist es erstrebenswert, schnell die Herdenimmunität zu erreichen. Darum haben Forscher nun untersucht, ob eine zweite Impfdosis tatsächlich immer nötig ist – in diesem Fall blieben nämlich mehr Dosen für die Erstimpfung anderer Menschen übrig.

Corona-Impfung: Ist eine zweite Impfdosis bei Menschen mit überstandener Sars-CoV-2-Infektion nötig?

Bisherige Untersuchungen haben gezeigt, dass der Titer – die Konzentration der Immunantwort – mit neutralisierenden Effekten gegen das Coronavirus korreliert und mit einer zweiten Dosis erhöht wird. Was allerdings noch nicht untersucht wurde, ist, ob eine bereits überstandene Corona-Infektion Auswirkungen auf die spätere Impfwirkung hat, da die „Erstimpfung“ im Prinzip schon stattgefunden hat.

Um dies zu überprüfen, haben Forscher eine Fall-Kontroll-Analyse an 51 Probanden durchgeführt, die an einer laufenden Beobachtungsstudie mit Mitarbeitern des Gesundheitswesens in London teilnahmen. Die Probanden wurden über 16 Wochen hinweg wöchentlichen PCR- und quantitativen Serologietests unterzogen. 24 von ihnen haben zuvor eine milde oder asymptomatische Infektion mit Sars-CoV-2 überstanden, wie mithilfe eines positiven Nachweises über Antikörper bestätigt wurde. Bei den übrigen Teilnehmern wurde keine vorherige Infektion festgestellt. Alle Probanden wurden einmal mit dem Biontech-Vakzin geimpft und innerhalb von 19 bis 29 Tagen erneut getestet.

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Impfung nach vorheriger Corona-Infektion: Analyse mit überraschendem Ergebnis

Dabei hat sich gezeigt: Die Konzentration der Immunantwort auf das Spike-Protein des Coronavirus war bei Personen ohne vorherige Infektion vergleichbar mit den Spitzen-Werten von Personen mit vorheriger Infektion, als diese noch nicht geimpft waren. Die Impfung derjenigen Probanden, die bereits nachweislich infiziert waren, sorgte jedoch für einen Anstieg des Anti-Spike-Titer um das 140-fache gegenüber den Spitzen-Werten vor der Impfung. Dieser Anstieg scheint sogar um einiges größer zu sein, als die Immunantwort auf die zweite Impfdosis bei den Probanden ohne verherige Infektion mit Sars-CoV-2.

Eine serologische Testung von Menschen, die mit dem Biontech-Vakzin geimpft werden sollen, könnte laut den Forschern dabei helfen, die Prioritäten bei den Zweitimpfungen besser festzulegen. Allerdings muss noch untersucht werden, ob die Antikörperreaktion bei Impflingen mit vorheriger Corona-Infektion ebenso lange anhält wie bei Menschen, die zwei Impfdosen erhalten haben. (fk)

Zur Studie

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Der lebensrettende Pieks: Diese Risikogruppen sollten sich gegen Grippe impfen lassen

Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin gibt Empfehlungen ab, welche Menschen sich impfen lassen sollten. Gehören Sie auch zur Risikogruppe? (Stand: Juli 2013) © dpa
Das Immunsystem älterer Menschen reagiert zwar weniger stark auf die Impfung, dennoch empfehlen die Experten das Serum. Im Falle einer Erkrankung fallen die Symptome schwächer aus. Da für Menschen über 60 Jahre ein erhöhtes Risiko für schwere oder gar tödliche Komplikationen besteht, ist die Impfung dringend angebracht. © dpa
Wie bei älteren Menschen besteht auch bei Schwangeren ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe. Daher raten die Gesundheitsexperten auch werdenden Müttern ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel zur Impfung. Schwangere, die bereits an einer Grunderkrankung leiden, können sich nach Absprache mit dem Arzt auch schon früher pieksen lassen. © dpa
Erwachsene und Kinder, die an einer chronischen Erkrankung wie beispielsweise Asthma leiden, gehören ebenfalls zu den Risikogruppen. © fkn, Mundipharma
Auch Menschen mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Bluthochdruck wird die Grippe-Impfung nahe gelegt. © dpa
Kinder dürfen frühestens ab einem Alter von sechs Monaten gegen die Grippe geimpft werden. © dpa
Wer an chronischen Stoffwechsel-Erkrankungen wie Zucker (Diabetes Mellitus), an chronischen Nierenerkrankungen, Blutarmut (Anämie), an angeborenen oder erworbenen Immunstörungen wie Abwehrschwäche nach Organtransplantationen, bei Chemotherapien oder HIV-Infektionen leidet, sollte sich die Grippe-Impfung nicht entgehen lassen. © dpa
Ebenso Menschen mit chronisch neurologischen Krankheiten wie beispielsweise Multipler Sklerose gehören zu den Risikogruppen. © dpa
Mitarbeiter in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Arztpraxen oder Angestellte in Einrichtungen mit erhöhtem Publikumsverkehr laufen Gefahr, durch ihre Arbeit sich selbst oder andere anzustecken - die Grippe-Impfung ist daher eigentlich Pflicht. © dpa
Die Bewohner von Pflege- und Altenheimen sind ebenfalls besonders gefährdet. © dpa
Urlauber ab 60 Jahren oder chronisch Kranke, die verreisen wollen, sollten sich spätestens zwei Wochen vor der Abreise pieksen lassen. © dpa
Menschen, die häufig mit Geflügel, auch mit Wildvögeln in Berührung kommen, zählen auch als Risikogruppe. © dpa
NICHT impfen lassen dürfen sich Menschen, die allergisch reagieren auf Hühnereiweiß. Der Impfstoff wird in Hühnereiern gezüchtet. Wer aktuell unter Fieber leidet, sollte mit der Imfpung warten, bis die Erkrankung abgeklungen ist.
Die meisten Krankenkassen in Deutschland übernehmen freiwillig die Kosten für die saisonale Grippeimpfung. Über-60-Jährige und chronisch Kranke müssen in der Regel nichts bezahlen. © dpa

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