Risiko eindämmen

Corona und Influenza im Winter 2020/21: Wie sinnvoll ist eine Grippeschutzimpfung für alle?

Frau lässt sich gegen Grippe impfen
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Eine Grippeimpfung soll vor einem schweren Influenza-Verlauf schützen.

Um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern, werden Forderungen für kostenlose Grippeschutzimpfungen laut – auch für Nicht-Risikogruppen.

  • Im Herbst beginnt die Grippesaison. Wenn die Temperaturen fallen, stecken sich wieder mehr Menschen mit Influenzaviren an.
  • Die Krankheitsfälle variieren von Jahr zu Jahr stark: Während der Grippewelle 2019/2020 (Ende Oktober 2019 bis Anfang April 2020) wurden über 181.900 labordiagnostisch bestätigte Influenza-Erkrankungen gemeldet, 377 Menschen starben an der Virusgrippe. Die Influenzasaison 2017/2018 dagegen fiel weit verheerender aus: Rund 25.100 Menschen verstarben infolge der Infektion*
  • Viele Grippefälle in 2020/21 und eine steigende Zahl an Covid-19-Patienten könnten fatale Folgen haben, geben Mediziner zu bedenken. Diskutiert wird der Nutzen einer Grippeschutzimpfung für alle Bürger.

Angesichts steigender Corona-Infektionen sind Ärzte und Experten in Sorge, wie sich die Lage im Herbst und Winter entwickeln könnte – vor allem wenn eine heftige Grippewelle die Situation noch verschärfen sollte. Deshalb fordern Politiker aktuell kostenlose Grippeschutzimpfungen für alle Krankenversicherten, nicht nur für Risikogruppen. Einige gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten bereits schon heute – etwa die KKH Kaufmännische Krankenkasse, wie aus einer Pressemittelung der gesetzlichen Kasse hervorgeht: „Für uns ist das selbstverständlich. Die KKH zahlt jedem Versicherten die Impfung in der hausärztlichen Praxis, wenn dies gewünscht wird“, erklärt Sven Seißelberg, Apotheker bei der KKH Kaufmännische Krankenkasse. „Ob sich Versicherte impfen lassen möchten, ist eine ganz persönliche Entscheidung. Jeder sollte für sich und für seine Familienmitglieder abwägen, welches Influenza-Infektionsrisiko besteht und ob eine Schutzimpfung sinnvoll ist. Im Zweifelsfall hilft ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt, der individuell beraten kann.“

Grippeschutzimpfung: Infektionsgefahr persönlich abwägen

Das Corona-Virus und die Grippe könnten in zweierlei Hinsicht in den nächsten Monaten eine gefährliche Kombination sein: Zum einen ist nicht geklärt, wie sich eine zweifache Infektion auf den menschlichen Körper auswirkt und zum anderen könnte bei steigenden Fallzahlen von Corona- und Grippeinfizierten die befürchtete Überlastung des Gesundheitssystems eintreten. Insbesondere Risikopatienten sollten sich deshalb für eine Grippeschutzimpfung entscheiden. Dazu zählen nach Einschätzung der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts vor allem ältere Menschen ab 60 Jahren, Schwangere, chronisch Kranke, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen. „Auch für Personen mit erhöhter Gefährdung aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit wie medizinisches Personal oder Arbeitnehmer mit viel Publikumsverkehr ist eine Grippeschutzimpfung in diesem Herbst ratsam. Dies gilt auch für die Menschen, die engen Kontakt zu Personen aus diesen Risikogruppen haben“, erklärt Sven Seißelberg.

Da sich die Virenstämme stetig verändern, wird jedes Frühjahr ein neuer Impfstoff entwickelt. Eine jährliche Auffrischung der Impfung ist deshalb notwendig, um ausreichend geschützt zu sein. Jetzt zum Herbstanfang ist der beste Zeitpunkt, um eine Grippeschutzimpfung durchzuführen. „In der Regel wird der Piks gegen die Influenza-Viren gut vertragen. In manchen Fällen treten im Nachgang leichte Erkältungssymptome auf“, erklärt Seißelberg der KKH zufolge. Die durch Influenza-Viren hervorgerufene Grippe unterscheidet sich von einem harmlosen Husten oder Schnupfen. Symptome sind zum Beispiel plötzlich einsetzendes Fieber mit über 38,5 Grad Celsius, Kopf- und Gliederschmerzen, trockener Husten und eine andauernde körperliche Schwäche. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Weiterlesen: „Russische Grippe“ in den 70ern: Diese Ähnlichkeit gibt es zur Coronavirus-Pandemie.

Der lebensrettende Pieks: Diese Risikogruppen sollten sich gegen Grippe impfen lassen

Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin gibt Empfehlungen ab, welche Menschen sich impfen lassen sollten. Gehören Sie auch zur Risikogruppe? (Stand: Juli 2013) © dpa
Das Immunsystem älterer Menschen reagiert zwar weniger stark auf die Impfung, dennoch empfehlen die Experten das Serum. Im Falle einer Erkrankung fallen die Symptome schwächer aus. Da für Menschen über 60 Jahre ein erhöhtes Risiko für schwere oder gar tödliche Komplikationen besteht, ist die Impfung dringend angebracht. © dpa
Wie bei älteren Menschen besteht auch bei Schwangeren ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe. Daher raten die Gesundheitsexperten auch werdenden Müttern ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel zur Impfung. Schwangere, die bereits an einer Grunderkrankung leiden, können sich nach Absprache mit dem Arzt auch schon früher pieksen lassen. © dpa
Erwachsene und Kinder, die an einer chronischen Erkrankung wie beispielsweise Asthma leiden, gehören ebenfalls zu den Risikogruppen. © fkn, Mundipharma
Auch Menschen mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Bluthochdruck wird die Grippe-Impfung nahe gelegt. © dpa
Kinder dürfen frühestens ab einem Alter von sechs Monaten gegen die Grippe geimpft werden. © dpa
Wer an chronischen Stoffwechsel-Erkrankungen wie Zucker (Diabetes Mellitus), an chronischen Nierenerkrankungen, Blutarmut (Anämie), an angeborenen oder erworbenen Immunstörungen wie Abwehrschwäche nach Organtransplantationen, bei Chemotherapien oder HIV-Infektionen leidet, sollte sich die Grippe-Impfung nicht entgehen lassen. © dpa
Ebenso Menschen mit chronisch neurologischen Krankheiten wie beispielsweise Multipler Sklerose gehören zu den Risikogruppen. © dpa
Mitarbeiter in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Arztpraxen oder Angestellte in Einrichtungen mit erhöhtem Publikumsverkehr laufen Gefahr, durch ihre Arbeit sich selbst oder andere anzustecken - die Grippe-Impfung ist daher eigentlich Pflicht. © dpa
Die Bewohner von Pflege- und Altenheimen sind ebenfalls besonders gefährdet. © dpa
Urlauber ab 60 Jahren oder chronisch Kranke, die verreisen wollen, sollten sich spätestens zwei Wochen vor der Abreise pieksen lassen. © dpa
Menschen, die häufig mit Geflügel, auch mit Wildvögeln in Berührung kommen, zählen auch als Risikogruppe. © dpa
NICHT impfen lassen dürfen sich Menschen, die allergisch reagieren auf Hühnereiweiß. Der Impfstoff wird in Hühnereiern gezüchtet. Wer aktuell unter Fieber leidet, sollte mit der Imfpung warten, bis die Erkrankung abgeklungen ist.
Die meisten Krankenkassen in Deutschland übernehmen freiwillig die Kosten für die saisonale Grippeimpfung. Über-60-Jährige und chronisch Kranke müssen in der Regel nichts bezahlen. © dpa

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