Corona-Pandemie

Aggressive Impf-Drängler werden zum Problem: Strafen gefordert

In den Impfzentren und bei den Hausärzten entsteht massiver Druck durch Impfwillige. Von psychischen und physischen Drohgebärden ist die Rede. (Symbolbild)
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In den Impfzentren und bei den Hausärzten entsteht massiver Druck durch Impfwillige. Von psychischen und physischen Drohgebärden ist die Rede. (Symbolbild)

Der Druck der Impfwilligen steigt weiter an. Zunehmende Versuche, sich eine vorzeitige Corona-Impfung zu erschleichen, werden publik.

Kassel - Angesichts zunehmender Versuche von Impfwilligen, sich ungerechtfertigt und teils mit falschen Angaben eine vorzeitige Impfung zu verschaffen, wird der Ruf nach Strafen laut. „Zwar werden Tausende erwischt, aber es fehlt an Sanktionen“, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Deutschen Presse-Agentur. „Sich bei der Corona-Impfung vorzudrängen, ist weiterhin keine Ordnungswidrigkeit.“

Viele Impfzentren klagen nach einem Medienbericht über Aggressivität von Impfwilligen und zunehmende Versuche, sich eine vorzeitige Impfung zu erschleichen. Das ARD-Politikmagazin „Report Mainz“ berichtete von mehreren tausend Fällen.

Allein das Hamburger Impfzentrum meldete demnach zuletzt 2000 Vordrängler in einer Woche. Um vorzeitig an einen Impftermin zu kommen, würden etwa falsche Alters- oder Berufsangaben gemacht, berichtete „Report“. In München würden bis zu 350 Vordrängler in der Woche erwischt, in Saarbrücken bis zu 140. Die Redaktion hatte bei den Impfzentren der Landeshauptstädte nachgefragt, allerdings erfassen nicht alle die Zahlen zu Impfvordränglern.

Vordrängeln bei der Corona-Schutzimpfung: „Die Stimmung wird aggressiver“

Der Sprecher der Hamburger Sozialbehörde, Martin Helfrich, sagte dem ARD-Magazin: „Die Stimmung wird aggressiver. Den Menschen ist teilweise sehr klar, dass sie nicht berechtigt sind und trotzdem versuchen sie, sich impfen zu lassen.“

„Report“-Recherchen zeigen demnach, dass die Impfbetrüger sich oft als höher priorisierte Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen oder Schwangeren ausgeben. Denn eine pflegebedürftige Person etwa kann zwei Kontaktpersonen benennen, die vorrangig geimpft werden. In einem der Redaktion bekannten Fall schafften es aber statt zwei acht junge und gesunde Leute, sich als Kontaktpersonen impfen zu lassen. 

Die FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenberg-Dugnus bezeichnete das vorzeitige Erschleichen von Impfungen als „zutiefst unanständig“. „Die Ungeduld der Menschen ist zwar verständlich, entschuldigt aber nicht die Anwendung von Tricks“, erklärte sie. Der Ruf nach einer stärkeren Sanktionierung von Impf-Vordränglern sei nachvollziehbar. 

Druck der Corona-Impfwilligen steigt: Psychische und physische Drohgebärden bei Hausärzten und in Impfzentren

Die Gesundheitsministerkonferenz hob am Montag die Impfpriorisierung beim Präparat des Konzerns von Johnson & Johnson auf - ähnlich wie zuvor bereits bei dem des Herstellers Astrazeneca. Beide Impfstoffe können in sehr seltenen Fällen schwere Nebenwirkungen haben.

Deshalb ist vor einer Entscheidung für eines der beiden Vakzine bei Menschen bis 60 Jahren ärztliche Aufklärung und eine individuelle Risikoanalyse vorgeschrieben. Regelhaft eingesetzt werden sollen beide Impfstoffe erst bei Personen ab 60. Allerdings wird der Großteil von Johnson & Johnson in Deutschland voraussichtlich erst dann geliefert werden, wenn die Älteren ganz überwiegend schon geimpft sind: laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zehn Millionen Dosen bis Ende Juli. Anders als beim Wirkstoff von Astrazeneca - und auch den unbeschränkt eingesetzten Präparaten von Biontech/Pfizer und Moderna - reicht bei Johnson & Johnson bereits eine Impfung.

Brysch sagte mit Blick auf den Druck vieler Impfwilliger: „Jetzt werden Vakzine freigegeben. Damit entsteht in den Impfzentren und bei den Hausärzten massiver Druck. Am Patientenschutztelefon erfahren wir von psychischen und physischen Drohgebärden.“ Wie etwa kürzlich im Raum Hann.Münden, wo einem Arzt mit den Worten: „Wenn Sie mich nicht impfen...“ gedroht wurde.

Die Corona-Impfungen werden uns noch einige Zeit begleiten. Aktuellen Studien zufolge, ist schon nach sechs Monaten eine Auffrischung fällig - allerdings hat die Politik dafür keinen Plan. (luw/dpa)

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