Kommt sie zu spät?

Coronavirus: Erster Impfstoff-Test startet in den USA – Seuchenexperte äußert brisante Prognose

+
Könnte es schon bald eine Impfung gegen das Coronavirus geben?

Eine ursächliche Therapie gegen das Coronavirus gibt es noch nicht, aktuell können nur die Symptome gelindert werden. Doch die Pharmaindustrie entwickelt bereits Impfstoffe.

  • Bislang können nur die Symptome einer Coronavirus-Infektion* gelindert werden.
  • Mediziner suchen nach spezifischen Therapien gegen das Virus - und forschen an Impfstoffen.
  • In der Regel dauert die Entwicklung neuer Impfstoffe bis zu zehn Jahre oder länger.  

Update vom 19.03.2020; 10.00 Uhr: In den USA startete Mitte März 2020 der erste klinische Test des möglichen Coronavirus-Impfstoffs "mRNA-1273". 45 gesunde Freiwillige bekommen innerhalb der kommenden Wochen jeweils zwei Dosen von bis zu einem halben Milligramm des Wirkstoffs injiziert. Die erste Phase des klinischen Tests läuft aktuell in einem Forschungsinstitut in der nordwestlichen Metropole Seattle, wie der Spiegel berichtete. Der Impfstoff wurde gemeinsam mit der privaten Biotechnologiefirma Moderna entwickelt. Die Forscher gehen davon aus, dass der gesamte Prozess der Impfstoff-Entwicklung mindestens ein Jahr dauern wird.

Update vom 19.03.2020: Unzählige Pharmakonzerne, Forschungseinrichtungen und Universitäten weltweit setzen aktuell alle Ressourcen ein, um schnellstmöglich einen Impfstoff gegen die neuartige Lungenkrankheit Covid-19 zu entwickeln. Eine Infektion mit Coronaviren, auch Sars-CoV-2 genannt, kann - je nach Gesundheitszustand des Patienten - symptomlos bis lebensbedrohlich verlaufen*.

Auch deutsche Firmen forschen an wirksamen Impfstoffen, etwa das Tübinger Unternehmen CureVac. Gemeinsam mit dem Paul-Ehrlich-Institut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel konnte CureVac bereits Fortschritte vermelden. "Wir sind sehr zuversichtlich, innerhalb weniger Monate einen wirksamen Impfstoffkandidaten entwickeln zu können", zitiert die Tagesschau den ehemaligen CureVac-Vorstandsvorsitzenden Daniel Menichella. Die Firma hoffe, bereits bis Juli einen experimentellen Impfstoff entwickelt zu haben, der dann mit Genehmigung der Aufsichtsbehörden für Erprobungen mit Menschen zugelassen wird.

Diese Meldung rief jetzt auch Donald Trump auf den Plan. Der Präsident der Vereinigten Staaten versuche der Tagesschau zufolge deutsche Forscher nach Amerika zu holen, damit diese dort Medikamente entwickeln, die ausschließlich für US-amerikanische Corona-Patienten Verwendung finden sollen. CureVac strebe nach eigenen Aussagen allerdings keinen Deal mit den USA an.

Mehr zum Thema: Bedrohlicher Unterschied: Covid-19 und Grippe im Vergleich.

Noch keine Medikamente gegen Covid-19

Artikel vom 12.03.2020: Die Ausbreitung des Coronavirus sorgt weltweit für beunruhigte Bürger. Bisher wurden 245.484 Infektionen gemeldet (Stand 20.03.2020), die meisten Betroffenen leben in der zentralchinesischen Provinz Hubei. Deren Hauptstadt Wuhan gilt als Zentrum der Pandemie. Auf einem Tiermarkt sollen sich dort die ersten Menschen mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt haben. 

Beklagt werden aktuell 10.031 Todesopfer, die meisten davon in China. Aktuell können nur die Symptome gelindert werden, es gibt (noch) keine Medikamente, die das Coronavirus unschädlich machen. Doch Mediziner forschen fieberhaft an Behandlungsmöglichkeiten*, die sich spezifisch gegen das Virus richten. Auch Pharmaindustrie und Forschungsinstitute haben begonnen, Schutzimpfungen gegen das Virus zu entwickeln.

Lesen Sie auch: Schützt eine Mundschutzmaske vor einer Coronavirus-Infektion? Wer sie tragen sollte.

40 Impfstoffprojekte laufen: University of Queensland meldet Erfolg

So sind dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) zufolge weltweit mindestens 40 Impfstoffprojekte angelaufen, unter anderem ein Projekt des deutschen Unternehmens BioNTech, zwei Projekte des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) und ein Projekt des israelischen Biological Research Institutes.

Für einige Impfstoffprojekte wurden bereits vielversprechende Testergebnisse vermeldet. So begann am 16. März 2020 die Erprobung eines vom US-Unternehmen Moderna hergestellten Impfstoffs an Freiwilligen. Für den Impfstoff des US-Unternehmens Inovio seien dem vfa zufolge erste klinische Studien mit Freiwilligen für April 2020 angekündigt worden. Ein Projekt der University of Queensland habe die Erprobung mit Tieren erreicht. Auch die Universität von Hongkong hatte mitgeteilt, dass sie einen Impfstoff gegen das Coronavirus* gefunden hat, der nun weiter erprobt werden soll. Bis er allerdings alle Tier- und Humanstudien durchlaufen hat, würden noch Monate vergehen.

Die Entwicklung eines neuen, sicheren und wirksamen Impfstoffs kann bis zu 20 Jahre dauern und bis zu einer Milliarde Euro kosten, wie die Ärztezeitung meldete. Durch neue Technologien und finanzielle Unterstützung soll es aber im aktuellen Fall bereits binnen weniger Monate möglich sein, Impfstoffprototypen so weit zu entwickeln, dass sie an Tieren und Menschen getestet werden können.

Lesen Sie auch: Gefährlicher Medikamenten-Engpass in Deutschland? Coronavirus-Pandemie mit gravierenden Folgen.

Impfstoff gegen das Coronavirus wird zu spät kommen - meint Wissenschaftler

Ebenfalls ein Faktor, der die Impfstoffentwicklung beschleunigen könnte: Impfstoff-Entwickler haben bereits Erfahrung mit Erregern aus der Familie der Coronaviren. So zählt das SARS-Virus zur Gruppe der Coronaviren, das im Jahr 2002/2003 unzählige Todesopfer gefordert hat. Über 20 Projekte liefen damals zur Impfstoffentwicklung - allerdings wurden einige gestoppt, weil das Virus wieder verschwand. Doch Forscher konnten damals einige Zwischenergebnisse verbuchen, die im Kampf gegen die aktuelle Corona-Pandemie genutzt werden können.

Es ist noch nicht abzusehen, wie sich die Coronavirus-Pandemie entwickeln könnte und wann ein Impfstoff zur Verfügung stehen wird. Der britische Seuchenexperte Jeremy Farrar geht davon aus, dass ein Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus zu spät kommen wird, um die drohende globale Aus­breitung der Seuche zu verhindern. Im Spiegel-Interview sagte er: "Und wenn wir Pech haben, wird es niemals gelingen".  

Mehr Quellen: www.bundesgesundheitsministerium.de; www.rki.de; www.asiaone.com; www.experience.arcgis.com; www.tagesschau.de; www.vfa.de; https://coronavirus.jhu.edu/map.html; www.spiegel.de

Umfrage zum Thema

Weiterlesen: Nur so schützt Händewaschen vor Viren: Jeder Zweite macht es falsch.

Frankfurt: Die Tourismusbranche in Frankfurt spürt die Auswirkungen des Coronavirus* deutlich. Insbesondere Hotels und Messen sind vom abnehmenden Tourismus aus China betroffen. Grund zur Sorge besteht jedoch nicht.

jg

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.  
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.   © dpa/dpaweb-mm
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch.
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff.
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff. © dpa
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene.
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene. © dpa/dpaweb
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus. 
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus.  © dpa
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16): Schnupfen verbreitet sich weltweit durch Rhinoviren. 
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16): Schnupfen verbreitet sich weltweit durch Rhinoviren.  © picture alliance / Science Photo
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung.
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen.
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt.
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. © dpa
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz.
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

*merkur.de und fnp.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.