Damit das Herz im Takt bleibt

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Pro Jahr werden in Deutschland mehr als 100 000 Herzschrittmacher eingesetzt. Dieser Eingriff ist mittlerweile längst zur Routine geworden und auch die Technik hat seit dem Einsetzen des ersten Schrittmachers im Jahr 1958 enorme Fortschritte gemacht.

Dennoch sind viele Patienten, die ein Herzschrittmachersystem bekommen sollen oder gerade erhalten haben, zunächst sehr unsicher. Dagegen helfen ausführliche Aufklärungsgespräche und Informationen, betont Prof. Dr. Jörg Neuzner, Ärztlicher Direktor der Medizinischen Klinik II am Klinikum Kassel. Deshalb haben Fachärzte des Klinikums gemeinsam mit der Deutschen Herzstiftung ein Patientenseminar organisiert (siehe nebenstehende Meldung).

Die Zahl der implantierten Schrittmachersysteme nehme stetig zu, da Patienten früher damit versorgt werden und heute eine höhere Lebenserwartung haben. Hauptgründe für die Versorgung mit einem Herzschrittmacher seien Fehlfunktionen des Sinusknotens, die Herzrhythmusstörungen, Vorhofflattern sowie Reizbildungs- und Reizleitungsstörungen zur Folge haben können. Auch so genannte AV-Block-Störungen und koronare Herzerkrankungen sind eine häufige Ursache.

Während Defibrillatoren, die im Notfall lebensrettende Stromstöße abgeben können, früher nach einem überstandenen Herzstillstand implantiert worden seien, setzte man diese heute vorbeugend ein, erläutert Neuzner. Dies erhöhe wesentlich die Überlebenschance der Patienten, die meist bereits einen Herzinfarkt hinter sich hätten. „Einen Herzschrittmacher merkt man eigentlich nicht“, sagt der Kardiologe. Der Patient sollte danach regelmäßig zur Schrittmacherkontrolle gehen, die in Abständen von einem halben bis einem Jahr fällig sind. Herzschrittmacher halten meist mindestens acht, Defibrillatoren mindestens sechs Jahre. Dann müssen sie ausgewechselt werden.

Wenn keine anderen Gründe dagegen sprechen, könne der Patient auch wieder fast alle Sportarten ausüben. Jedoch rät Neuzner von Sportarten wie Speerwerfen oder von Kraftsportübungen ab, die die Schulter stark beanspruchen.

Keine Einschränkungen

Ein Schrittmacher bringe eigentlich keine Einschränkungen der Lebensqualität mit sich, sagt Neuzner. Vielmehr gebe die Technik dem Leben eine neue Sicherheit. Und die Benutzung von Elektro- und Haushaltsgeräten sowie Handys sei normalerweise kein Problem. Allerdings sollten Schrittmacher-Patienten nie in einem Kernspintomographen untersucht werden oder Reizstromgeräte benutzen.

Vor allem Menschen, die einen Defibrillator tragen, bräuchten jedoch oft auch psychologische Hilfe. Denn wenn ein Gerät ohne Vorwarnung einen Stromstoß abgebe, um einen Herzstillstand zu verhindern, könne dies durchaus zu Ängsten führen, weiß der Mediziner. „Jeder Patient muss sich damit auseinandersetzen.“ (hei)

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