Unfruchtbarkeit kann viele Gründe haben – individuelle Diagnostik kann helfen

Damit Wünsche wahr werden

Für viele ein Traum: In Deutschland bleiben Millionen Paare ungewollt kinderlos. Die moderne Medizin hat viele Möglichkeiten, den Ursachen auf die Spur zu kommen. Foto:  Fotolia

Die Zahl der Paare in unserer Gesellschaft, die sich bewusst ein Baby wünschen und ein Wunschkind planen möchten, nimmt stetig zu. In Deutschland sind etwa 1,6 Millionen Paare vorübergehend unfruchtbar. Bleibt der Kinderwunsch unerfüllt, berührt dies den persönlichen und emotionalen Bereich. Neben Hilflosigkeit, Trauer, und Schuldgefühlen treten Zweifel und Ängste auf. Häufig stellen sich Konflikte in der Partnerschaft ein.

Die weltweit sehr aktive Erforschung der Unfruchtbarkeit hat in den letzten Jahren zur Entwicklung neuer diagnostischer und therapeutischer Möglichkeiten geführt. Dazu zählt die Bestimmung der Eierstockreserve im Fokus „Kinderwunsch und mütterliches Alter – Chancen und Risiken“.

Breite Diagnostik

Auf therapeutischer Seite ist neben den gängigen Methoden wie dem reinen Beobachten des Zyklus bis hin zu den Methoden der künstlichen Befruchtung die Präimplantationsdiagnostik (PID) aktuell in aller Munde. Dabei werden zum Ausschluss von Erbkrankheiten Untersuchungen nach der Befruchtung der Eizelle im Reagenzglas durchgeführt. Das Verfahren ist in Deutschland durch das Embryonenschutzgesetz verboten. Eine Alternative ist die Polkörperdiagnostik, die vor der Befruchtung an der Eizelle vorgenommen wird. Dadurch können sich gegebenenfalls neue Möglichkeiten für bestimmte Paare ergeben, selbst nach wiederholten Fehlgeburten.

Wenn ein Partner an Krebs erkrankt ist, muss mit einer Schädigung des Erbguts durch einschlägige Krebsbehandlungen gerechnet werden. Seit einigen Jahren besteht die Möglichkeit, Eizellen beziehungsweise Spermien vor Chemotherapien und Bestrahlungen einzufrieren. Auf diese Art bleibt das Erbgut für eine spätere Befruchtung unbeschädigt.

Für einen unerfüllten Kinderwunsch gibt es meist mehrere Ursachen. Deshalb steht immer ein ganzheitliches Behandlungskonzept für das Paar im Vordergrund, basierend auf dem modernsten internationalen Erkenntnisstand. „Es gibt keine Standardtherapie, jede Behandlung von Unfruchtbarkeit muss individuell ausgerichtet sein“, sagt Dr. Monica Tobler. Sie leitet das Gyn-Medicum, Zentrum für Kinderwunsch in Göttingen. Paaren schlägt sie diagnostische und therapeutische Schritte vor, die sich aber den persönlichen Bedürfnissen, Wünschen und emotionalen Gegebenheiten eines Paares anpassen müssen, so die Spezialistin.

Auch der finanzielle Aspekt spielt eine Rolle. Die Krankenkassen zahlen nur einige Therapien. Frauen unter 25 und über 40 Jahre sowie unverheiratete Paare sind davon ausgeschlossen. „Viele Paare in Deutschland, die sich ein Kind wünschen, können sich eine Behandlung nicht leisten“, sagt Dr. Tobler.

Wunsch ist es von Seiten der Spezialisten, ein Paar in physischer und psychischer Hinsicht mit allen Möglichkeiten zur Seite zu stehen. Der Blick ist dabei stets auf das psychische, soziale und körperliche Wohl der künftigen Eltern und des zu erwartenden Kindes gerichtet. (nh)

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