Bakterien im Darm

Darum fühlen wir uns nach dem Essen satt und voll

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Escherichia coli-Bakterien sollen im Darm das Sättigungsgefühl steuern.

"Jetzt bin ich aber satt" - der Teller ist noch halb mit Nudeln gefüllt, aber plötzlich geht nichts mehr. Forscher haben wohl nun herausgefunden, woher das Sättigungsgefühl kommt.

Über das Sättigungsgefühl eines Menschen entscheiden womöglich auch die Bakterien in seinem Darm mit. In Zell- und Tierversuchen zeigten Wissenschaftler, dass Escherichia coli-Bakterien einige Zeit nach dem Essen Signale aussenden, die auf ähnlichen Wegen wie der Körper ein Sättigungsgefühl hervorrufen und die weitere Nahrungsaufnahme einschränken.

Die Forscher stellen ihre Arbeit im Fachblatt „Cell Metabolism“ vor. „Das sind interessante Experimente“, kommentiert Michael Blaut vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam die Studie. „Aber ich halte die Daten momentan für überinterpretiert.“

Bakterien im Darm steuern Sättigungsgefühl

In den vergangenen Jahren haben verschiedene Studien gezeigt, dass die Bakterien im Verdauungstrakt einen wichtigen Einfluss auf die menschliche Gesundheit besitzen. So wurde klar, dass einige Bakterienarten wohl Übergewicht fördern oder mit der Entstehung von chronischen Darmentzündungen, Diabetes oder Allergien in Verbindung stehen. Die Forscher um Jonathan Breton vom Institut national de la santé et de la recherche médicale (Inserm) in Rouen (Frankreich) untersuchten nun, ob Darmbakterien - die für ihr Überleben ja auf den Wirtsorganismus angewiesen sind - auch dessen Hungergefühl beeinflussen.

Sie zeigten zunächst in Zellversuchen, dass regelmäßig „gefütterte“ E. coli-Bakterien etwa 20 Minuten nach der Nahrungsaufnahme in die stationäre Wachstumsphase übergehen. Dies ist etwa der Zeitpunkt, an dem sich nach dem Beginn einer Mahlzeit ein Sättigungsgefühl einstellt. In dieser Phase, in der die Zahl der Bakterien weitgehend konstant bleibt, produzieren die Bakterien nun andere Proteine als in der vorhergehenden exponentiellen Wachstumsphase, in der sie sich stark vermehren, berichten die Forscher. Unter anderem stieg der Gehalt eines ClpB genannten Proteins stark an. Dieses Protein ähnele einem bekannten Hormon (?-MSH), das die Sättigung fördert und Hunger unterdrückt.

Gibt es ein "Ich bin satt" - Protein?

Verabreichten die Forscher den Protein-Mix, der in den unterschiedlichen bakteriellen Wachstumsphasen produziert wird, Ratten in den Darm, veränderte sich dort der Gehalt bestimmter Hormone, die an der Regulation der Nahrungsaufnahme beteiligt sind. So ließen „Ich bin satt“ signalisierende Proteine aus der stationären Wachstumsphase den Gehalt an Peptid YY steigen, einem Hormon, das mit Sättigung assoziiert ist. Die „Ich bin hungrig“-Proteine aus der exponentiellen Wachstumsphase hingegen ließen den Gehalt an GLP-1 steigen, einem Hormon, das die Insulin-Freisetzung fördert, schreiben die Wissenschaftler.

Die Änderungen der Proteine scheinen sich auf die Nahrungsaufnahme direkt auszuwirken, meinen die Forscher: So fraßen Mäuse, die für eine Woche zweimal täglich die „satt“ signalisierenden Proteine verabreicht bekommen hatten, etwas kleinere Portionen als Mäuse, die die „hungrig“ signalisierenden Proteine bekommen hatten. Dafür fraßen sie etwas häufiger. Schließlich zeigte das Team noch, dass die Proteine die Aktivität bestimmter Nervenzellen beeinflussen, die ebenfalls mit der Regulation des Sättigungsgefühls in Verbindung stehen.

„Unsere Studie zeigt, dass bakterielle Proteine von E. coli in die gleichen molekularen Pfade involviert sein können, die der Körper nutzt, um Sättigung zu signalisieren“, sagt Studienleiter Sergueï Fetissov vom Inserm. „Wir müssen jetzt herausfinden, wie ein verändertes Mikrobiom im Darm diese Physiologie beeinflusst.“

Zweifel an der Theorie

Für Michael Blaut vom Dife sind viele der postulierten Zusammenhänge noch nicht klar belegt. So hätten die Forscher nicht nachgewiesen, dass es auch im Darm - und nicht nur in der Zellkultur - zu einer Veränderung der Protein-Bildung kommt. Auch sei unklar, welche Komponenten für die beobachteten Effekte verantwortlich seien. „Insgesamt ist das noch nicht gut genug zusammengeführt.“

Darm: Von Zotten und Bakterien

Bauweh Darm
Das wichtigste zum Thema Darm: Er verrichtet seinen Dienst im Verborgenen, macht nur selten auf sich aufmerksam. Dabei braucht sich der Darm nicht zu verstecken. Immerhin holt er auch noch das Letzte aus dem Essen raus. Ohne den Darm würden uns schnell die Kräfte verlassen: Ein kleiner Einblick in seine Arbeit, natürlich in leicht verdaulichen Portionen. © dpa
Der Darm ist nicht nur bis zu acht Meter lang. Ausstülpungen der Schleimhaut ins Darminnere, sogenannte Zotten, vergrößern seine Oberfläche um ein Vielfaches. Dazu tragen auch Fortsätze auf den Darmzellen bei. So bringt es der Darm auf eine Oberfläche von 400 bis 500 Quadratmeter. Das erlaubt es ihm, seh viele Nährstoffe aufzunehmen. © dpa
Fünf Liter Verdauungssekret bildet der Körper an nur einem Tag. Einen Teil kommt aus der Bauchspeicheldrüse (Pankreas), die vor allem wichtige Verdauungsenzyme liefert. Sie spalten den Speisebrei in seine Bestandteile. Die Leber liefert Galle, die in der Gallenblase gespeichert und nach dem Essen in den Dünndarm abgegeben wird. Die zähe Flüssigkeit hilft bei der Fettverdauung. © dpa
Der Darm ist das Zuhause unzähliger Mikroorganismen. Sie helfen bei der Verdauung und verhindern, dass sich krankmachende Keime ansiedeln. Besonders eng ist es dabei im Dickdarm. Dort findet man bis zu zehn Billionen... © dpa
...Bakterien pro Gramm Darminhalt. Auch der Stuhl besteht zu mehr als 50 Prozent aus Bakterien. Ist der Darm chronisch entzündet, reagiert er nicht nur mit Durchfall. Er kann auch seine Funktionen nicht mehr voll erfüllen. So vertragen manche Patienten plötzlich Milch nicht mehr gut. Enzyme, die den enthaltenen Milchzucker (Lactose) spalten, werden nämlich in der Schleimhaut des Dünndarms gebildet. © dpa
Das funktioniert bei einer Entzündung oft nicht mehr richtig. Auch die Aufnahme von Nährstoffen und Vitaminen funktioniert deutlich schlechter, was zu einem Mangel führen kann. © dapd
Sie haben weitere Fragen zum Darm und chronischen Entzündungen? Verlässliche Informationen im Internet finden Sie zum Beispiel beim Kompetenznetz Darmerkrankungen unter www.kompetenznetz- ced.de, die Gastroliga bietet Broschüren zu Morbus Crohn und Colitis ulcerosa unter www.gastro-liga.de zum Download. © dpa
Sogar einen eigenen Tag zu chronisch entzündlichen Darmerkrankungen gibt es: Am 28. September findet der Crohn-Colitis-Tag statt. Veranstaltungen findet man unter www.crohncolitis- tag.de. © dapd

dpa

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