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Demenz-Früherkennung: Alzheimer fünf Jahre vor Krankheitsbeginn erkennbar mit neuem Test

Ältere Frau hält sich denk Kopf
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Demenz wird oft zu spät diagnostiziert. Die Erkrankung ist dann schon weit fortgeschritten. (Symbolbild)

Demenz ist nur schwer diagnostizierbar. Ein neuer Test soll Alzheimer bis zu fünf Jahre vor Beginn der Krankheit erkennen.

Göttingen – Demenz gehört in Deutschland zu den Volkskrankheiten. Ihre häufigste Form ist Alzheimer. Nach Angaben des gemeinnützigen Vereins Alzheimer Forschung Initiative leben in Deutschland 1,2 Millionen Menschen, die von der Gehirnerkrankung betroffen sind. Mit fortschreitendem Stadium kann eine Erkrankung sogar tödlich verlaufen.

Doch Diagnosemöglichkeiten sind begrenzt. Eine Beurteilung findet oft anhand der bekannten Symptome statt. Das Problem: Sobald die ersten Anzeichen auftreten, ist die Alzheimer-Erkrankung meist schon stark fortgeschritten. Forschende der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben ein neues Warnsignal entdeckt, welches in Zukunft einen „Demenz-Schnelltest“ ermöglichen könnte.

Demenz-Warnzeichen: Diese Symptome treten bei Alzheimer auf

Die Demenz gehört zu den Gehirnerkrankungen. Der Unterschied zur typischen Altersvergesslichkeit besteht darin, dass bei Alzheimer und Demenz nicht nur das Erinnerungsvermögen schwächelt, sondern auch Schwierigkeiten bei alltäglichen Handlungen auftreten. Demenz wird mit folgenden Symptomen in Verbindung gebracht:

  • Vergesslichkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • Beeinträchtigung des Denkvermögens
  • Schwierigkeiten beim Verrichten alltäglicher Handlungen
  • Sprachprobleme
  • Ortientierungsprobleme
  • Stimmungsschwankungen
  • Änderungen des Verhaltens
  • Veränderung der Persönlichkeit

Zu weiteren Symptomen gehören unter anderem Schlafstörungen und ein verschobener Tag-Nacht-Rhythmus. Auch das Essverhalten kann sich verändern. Nicht selten treten Appetit- und Essstörungen oder Probleme beim Schlucken auf. Inkontinenz und ruheloses Umhergehen (sogenanntes „Wandering“) gehören ebenfalls zu den üblichen Symptomen.

Demenz-Studie: Biomarker deuten auf zuküünftige Alzheimer-Erkrankung hin

Eine Erstdiagnose wird häufig von der Hausärztin oder dem Hausarzt gestellt. Doch die Einschätzungen kommen oft zu spät. Oft wird Alzheimer zu spät erkannt und die Krankheit ist bereits in einem fortgeschrittenem Stadium.

Anstatt sich auf äußere Merkmale und Symptome zu verlassen, wie beispielsweise das Ablesen einer Alzheimer-Erkrankung an den Augen, haben die Forschenden der Universitätsmedizin Göttingen nun einen Weg gefunden, der eine schnelle und zuverlässige Demenz-Diagnose ermöglichen könnte. Damit könnten sich neue Behandlungsmöglichkeiten der Krankheit eröffnen: „Wird eine Demenz frühzeitig erkannt, dann steigen die Aussichten, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen“, so André Fischer, Forschungsgruppenleiter am deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und Professor an der UMG in einer Pressemitteilung der Universität.

Demenz: Biomarker diagnostizieren Alzheimer bis zu fünf Jahre vor Krankheitsbeginn

Bei Untersuchungen der Universität Göttingen wurden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf Moleküle im Blut aufmerksam, welche auf eine bevorstehende Demenz hindeuten können. Die Ergebnisse der Forschenden wurden in einem Magazin der europäischen Wissenschaftsorganisation European Molecular Biology Organization veröffentlicht.

Der Alzheimer-Schnelltest könnte möglicherweise aussehen wie dieser Antikörper-Test für Corona-Patienten.

Für die Studie wurden umfangreiche Blutuntersuchungen an Menschen, Mäusen und Zellkulturen vorgenommen. Drei bisher unentdeckte Biomarker stachen bei den Laborstudien heraus. Bei den sogenannte microRNAs handelt es sich um Moleküle, die eine regulatorische Wirkung besitzen. Grundsätzlich beeinflussen alle microRNAs die Herstellung von Proteinen. Sie sind somit maßgeblich am menschlichen Stoffwechsel beteiligt. Die drei neuentdeckten RNA-Moleküle hängen stark mit der geistigen Leistungsfähigkeit und der Konzentration zusammen.

Wir schätzen, dass dieser Biomarker beim Menschen eine Entwicklung andeutet, die etwa zwei bis fünf Jahre in der Zukunft liegt.

André Fischer, Forschungsgruppenleiter am DZNE

Bluttests an gesunden Menschen zeigten, dass eine erhöhte Konzentration der microRNAs negativ mit der geistigen Fitness korreliert. Je höher der Blutwert, desto schlechter schnitten die untersuchten Personen bei den Kognitionstests ab. Probanden, die bereits unter milden kognitiven Störungen litten und eine erhöhte Konzentration der drei Blutmarker besaßen, entwickelten mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent innerhalb der nächsten zwei Jahre eine Alzheimer-Erkrankung. „Einen erhöhten Blutspiegel dieser drei microRNAs sehen wir daher als Vorbote von Demenz. Wir schätzen, dass dieser Biomarker beim Menschen eine Entwicklung andeutet, die etwa zwei bis fünf Jahre in der Zukunft liegt“, so André Fischer.

Demenz-Prävention: Gibt es bald den Alzheimer-Schnelltest wie bei Corona?

Versuche an Mäusen zeigten außerdem, dass die microRNAs neue Methoden der Alzheimer-Therapie ermöglichen könnten. Der Fokus der Universität Göttingen liegt nun allerdings darauf, einen Schnelltest – ähnlich wie bei Corona – zu entwickeln, der in Zukunft eine zuverlässige Diagnose ermöglichen soll. Dazu müssen die verschiedenen Verfahren noch geprüft werden.

Ein Bluttest scheint am wahrscheinlichsten: „In künftigen Studien wollen wir diesen Biomarker klinisch validieren. Außerdem möchten wir ein simples Testverfahren entwickeln. Unser Ziel ist ein kostengünstiger Test, ähnlich dem Schnelltest auf SARS-CoV-2 mit dem Unterschied, dass man für unsere Zwecke einen Blutstropfen benötigen würde. Ein solcher Test könnten bei Routine-Untersuchungen in der ärztlichen Praxis eingesetzt werden, um ein erhöhtes Demenzrisiko frühzeitig zu erkennen. Menschen, bei denen die Ergebnisse auffällig sind, könnten sich dann einer aufwändigeren Diagnostik unterziehen“, äußert sich Hirnforscher André Fischer in der Pressemitteilung der UMG.

Einer weiterer Hoffnungsträger bei der Bekämpfung von Alzheimer ist ein Medikament, welches aktuell weltweit als „Therapiedurchbruch“ gefeiert wird. (Andreas Apetz)

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