Demenz trifft auch junge Menschen

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Demenz - Symptome werden anfangs verdrängt.

In der zahlenmäßig gewaltigen Baby-Boom-Generation der USA nach dem Zweiten Weltkrieg macht sich Demenz breit. Und die Patienten mit der Diagnose sind oft noch jung.

Denn nicht nur alte Menschen sind von der Krankheit betroffen: Rund 200.000 Patienten unter 65 Jahren in den Vereinigten Staaten leiden an Alzheimer, dazu kommen noch einmal etwa genauso viele Menschen mit anderen Demenzerkrankungen, einige davon nicht älter als 30 oder 40 Jahre. Insgesamt wird die Zahl der Demenzkranken in den USA aktuell auf 5,7 Millionen Betroffene geschätzt.

Prominente, die ihr Gedächtnis verloren 

Alptraum Alzheimer: Der ehemalige Fußballspieler des FC Bayern München, Gerd Müller leidet an einer Alzheimer-Erkrankung. Wenige Wochen vor seinem 70. Geburtstag am 3. November bitten der deutsche Fußball-Rekordmeister und die Familie des Weltmeisters von 1974 um Verständnis, dass es keine öffentlichen Auftritte anlässlich des Jubiläums geben werde. © dpa
Karheinz Böhm
Der große Schauspieler Karheinz Böhm starb am 29. Mai 2014 im Alter von 86 Jahren. Erst im Februar 2013 war Böhms Alzheimererkrankung bekannt geworden. Sein Sohn Michael wollte nicht länger über den Gesundheitszustand seines Vaters schweigen. Karlheinz Böhm wurde an der Seite von Romy Schneider in Sissi ein Star. Böhm setzt sich seit 1981 für hungernde Menschen in der Sahelzone ein (Archivfoto vom 2.05.2011). © dpa
Der ehemalige Schauspieler Karlheinz Böhm, der seit 28 Jahren die Äthiopienhilfe "Menschen für Menschen" leitet, und seien Ehefrau Almazs besichtigen das Wiederaufforstung-Projekt "Sheikh Abdi Erosionsgraben" in Äthiopien (Aufnahme aus dem Jahr 2006).
Der ehemalige Schauspieler Karlheinz Böhm leitet seit 1981 die Äthiopienhilfe "Menschen für Menschen" . Die Aufnahme aus dem Jahr 2006 zeigt, wie Böhm mit seiner Ehefrau Almazs  das Wiederaufforstung-Projekt "Sheikh Abdi Erosionsgraben" in Äthiopien besichtigt. © dpa
Rudi Assauer
Rudi Assauer und die furchtbare Diagnose Alzheimer erschütterte ganz Deutschland. Seine Ehrlichkeit macht betroffen. © dpa
Schalke-Manager Rudi Assauer
In einem TV-Auftritt spricht der Fußballmanager Rudi Assauer Anfang des Jahres 2012 erstmals offen von seinem Leiden. Und der Prominente ist mit seinem schweren Schicksal nicht allein. © dpa
Ronald Reagan
Der frühere US-Präsident Ronald Reagan (1911-2004) erkannte eines Tages seine Frau Nancy nicht mehr - nach mehr als 40 Jahren Ehe. © dpa
Ronald Reagan Alzheimer
"Ich beginne nun die Reise, die mich zum Sonnenuntergang meines Lebens führt..." - 1994 bekannte sich der ehemalige Präsident in einem Brief als Alzheimer-Patient. Dadurch entstand erstmals ein öffentliches Bewußtsein für die Krankheit.   © dpa
Gunter Sachs Selbstmord
Er machte sich in Europa einen Namen als Fotograf, Kunstsammler und Playboy: Gunter Sachs. Doch aus Angst vor Alzheimer beging im Alter von 78 Jahren Suizid (7.05.2011). © dpa
Margret Thatcher
Die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher gilt als unnachgiebig und brachte ihr den Spitznamen "Die Eiserne Lady" ein.  © dpa
Peter Falk
US-Schauspieler Peter Falk als Inspektor "Columbo" in seinem typischen Outfit, dem Trenchcoat - und mit einer Zigarre in der Hand brauchte am Ende Vollzeit-Betreuung. Er leidet bis Sommer 2011 an Demenz und Alzheimer. © dpa
Annie Girardot
Die französische Schauspielerin Annie Girardot starb im Alter von 79 Jahren (28.02.2011) an Alzheimer. © dpa
Charlton Heston
Der an Alzheimer leidende Charlton Heston starb im Alter von 84 Jahren. Der US-Schauspieler wurde bekannt für das Filmepos "Die Zehn Gebote" Moses. Für seinen Judah in " Ben Hur" hatte er 1959 den Oscar als bester Hauptdarsteller bekommen. © dpa
Bubi Scholz
Immer wieder kämpfte sich Bubi Scholz trotz mehrerer Schlaganfälle ins Leben zurück. Die ehemalige Box-Legende litt auch an Alzheimer und starb im Alter von 70 Jahren in Berlin (21.08.2000). © dpa
Country-Star Glen Campbell wollte trotz seiner Diagnose Alzheimer im Herbst 2011 noch ein letztes Mal auf Tour gehen und sich mit mehreren Live-Auftritten von seinen Fans verabschieden. © dpa
Der Schauspieler Fred Delmare zählte zu den bekanntesten DDR-Schauspielern. Zuletzt stand Delmare in der ARD-Serie "In aller Freundschaft" als Opa Friedrich vor der Kamera. 2005 zog er sich aus dem Berufsleben auch wegen seiner Alzheimererkrankung zurück, wo der Mime 2009 verstarb. © dpa
Helmut Zacharias
Der Violin-Virtuose Helmut Zacharias komponierte 400 Stücke, arrangierte 1400 Titel und verkaufte 13 Millionen Platten. Zuletzt verschwand er aus dem Blick der Öffentlichkeit. Der Musiker litt unter der Alzheimer-Krankheit und lebte bis zu seinem Tod im Alter von 82 Jahren (28.02.2002) in einem Sanatorium in der Nähe seines Wohnortes Ascona in der Schweiz. © dpa
Roberto Blanco
Roberto Blanco und Sodom rocken gemeinsam für einen Spot der Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Mit viel Humor macht der Sänger auf die Krankheit aufmerksam. © obs
Eine Büste des Hirnforschers Alois Alzheimer
Eine Büste des Hirnforschers Alois Alzheimer: Als der Psychiater am 3. November 1906 in Tübingen erstmals "Über einen eigenartigen schweren Erkrankungsprozess der Hirnrinde" referierte, werteten Kollegen seine Entdeckung als Kuriosität. 100 Jahre später ist Alzheimers Name einer der bekanntesten weltweit, von der nach ihm benannten Hirnkrankheit sollen allein in Deutschland 700.000 bis eine Million Menschen betroffen sein. © dpa

Eine steigende Tendenz bei den jüngeren Betroffenen kann Marc Agronin, Psychiater in Miami, nicht erkennen. Allerdings sei die Sensibilität in dieser Altersgruppe für das Thema deutlich größer geworden, berichtet er. Er begrüßt immer öfter junge Leute, die befürchten, an Demenz erkrankt zu sein. Meist lägen diese zwar mit ihrer Einschätzung falsch. Wenn sich die Diagnose medizinisch bestätige, löse dies jedoch oft dramatische Reaktionen aus. „Es ist ein Elend, junge Menschen mit jungen Partnern und kleinen Kindern zu sehen, die so früh so unaufhaltsam beeinträchtigt sind“, sagt Agronin, der mehrere Bücher zum Thema Alterung geschrieben hat.

Beth Kallmyer, auf die Betreuung von Alzheimer-Patienten spezialisierte Sozialarbeiterin, berichtet, dass junge Betroffene oft auf Ungläubigkeit im Bekanntenkreis stoßen, wenn sie von ihrer Krankheit erzählen. Außerdem führe die Diagnose regelmäßig zu Übersprunghandlungen. Spontan würden einige Betroffene während ihrer eigentlich besten Berufsjahre den Job schmeißen und damit nicht selten ins finanzielle Desaster laufen.

Doreen Watson-Beard ist ein solcher Fall. Sie kennt Alzheimer aus zwei Perspektiven: Als Krankenschwester hatte die heute 49-Jährige jahrelang oft mit Demenzkranken zu tun. Vor fünf Jahren traten bei ihr selbst die ersten Anzeichen der Krankheit auf. So vergaß sie bisweilen, ihren Enkel von der Schule abzuholen oder die Pläne, die sie mit ihrem Mann fürs Wochenende geschmiedet hatte. Gefährlicher wurde es, als sie ihren Patienten teilweise falsche Dosierungen für Medikamente aufschrieb. Glücklicherweise bemerkten Apotheker diese Fehler.

Symptome anfangs verdrängt

Watson-Beard verdrängte die Symptome anfangs, seit drei Jahren lebt sie nun in trauriger Gewissheit. „Es ist so frustrierend, wenn man auf einem solchen Level funktioniert hat und plötzlich ist alles weg. Du weißt nicht, was der nächste Tag bringt“, sagt sie. Nach der Diagnose hatte die Krankenschwester ihren Job im Pflegeheim aufgegeben und arbeitete kurzzeitig freiberuflich in der häuslichen Krankenpflege. Danach versuchte sie sich in anderen Bereichen, um durch ihre eigene Erkrankung nicht unmittelbar Patienten zu gefährden. Die Probleme mit der Demenz nahmen jedoch zu. Watson-Beard ist nicht krankenversichert, und ihr Haus befindet sich mittlerweile in Zwangsversteigerung.

In Deutschland leben derzeit etwa 1,4 Millionen Menschen mit Demenz. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung wird sich die Zahl der Erkrankungen in den kommenden Jahrzehnten dramatisch erhöhen, heißt es im Versorgungs-Report 2012 des wissenschaftlichen Institutes der AOK. So werden Prognosen zufolge im Jahr 2050 bis zu drei Millionen Bundesbürger erkrankt sein. Entsprechend der Studie ist derzeit im Alter von 60 bis 64 Jahren ein Prozent der Bevölkerung betroffen, während im Alter von 75 bis 79 Jahren die Quote bei 7,5 Prozent liegt. Zwischen 85 und 89 Jahren sind bereits 22,5 Prozent, ab dem 100. Lebensjahr schließlich 40 Prozent erkrankt.

Matt Sedensky dapd

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