Wirkung von Betablockern auf die Psyche

Depressionen ausgelöst durch Blutdrucksenker? Studie kommt zu eindeutigem Ergebnis

Ärzte verordnen Betablocker, wenn zu hoher Blutdruck gesenkt werden soll. Eine Studie hat sich jetzt mit einer häufig diskutierten möglichen Nebenwirkung befasst.

Betablocker zählen zu den in Deutschland am häufigsten verschriebenen Medikamenten: Etwa 20 bis 30 Millionen Deutsche haben Bluthochdruck, wie die Techniker Krankenkasse informiert. Vier von fünf Patienten wüssten von der Erkrankung, 88 Prozent der Diagnostizierten seien in ärztlicher Behandlung. Um leichten Bluthochdruck in den Griff zu bekommen*, reicht in vielen Fällen eine Umstellung des Lebensstils. Doch bei langfristig zu hohen Blutdruckwerten verschreiben Mediziner in der Regel Betablocker. Diese Arzneistoffe senken den Blutdruck und die Schlagfolge des Herzens und werden nicht nur bei Bluthochdruck, sondern auch bei koronarer Herzkrankheit und chronischer Herzinsuffizienz verordnet, informiert die Deutsche Herzstiftung.

Wie die Herzstiftung weiter schreibt, gelten Betablocker zwar als verträglich, doch es kann zu Nebenwirkungen kommen. Unabhängig vom Wirkstoff könne die Einnahme dazu führen, dass der Puls stark verlangsamt wird und auch Asthmaanfälle seien möglich. Ebenfalls zählen Müdigkeit und eine Verschlimmerung von Durchblutungsstörungen der Hände und Füße zu möglichen Nebenwirkungen ausgelöst durch die Einnahme von Betablockern. Auch Depressionen werden als mögliche Nebenwirkung diskutiert, doch eindeutig belegt wurde dies bislang nicht. Ein Autorenteam um Thomas G. Riemer von der Charité in Berlin hat sich jetzt mit der Thematik befasst und eine Studie zum Thema Im Fachblatt Hypertension veröffentlicht.

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Depressionen durch Betablocker? „Betablocker sind in Bezug auf die psychische Gesundheit größtenteils sicher“

Der Pharmazeutischen Zeitung (PZ) zufolge haben die Wissenschaftler in der Metaanalyse die Daten von mehr als 53.000 Personen aus 285 Einzelstudien zu 24 verschiedenen Betablockern zugrunde gelegt. Ausschließlich doppelblinde, randomisierte und kontrollierte Studien wurden dabei berücksichtigt, so die PZ. Das beruhigende Ergebnis: Die Forscher fanden keinen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Betablockern und der Entwicklung einer Depression. „Wir haben keinen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen dem Gebrauch von Betablockern und Depressionen gefunden. Gleiches gilt für die meisten anderen psychischen Symptome, die in den Studien beschrieben wurden, auf die sich unsere Analysen stützen“, zitiert die PZ Seniorautor Professor Dr. Reinhold Kreutz, Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Charité.

Wie aus der Studie ebenfalls hervorgeht, war der häufigste Grund für das Absetzen von Betablockern Erschöpfung und Müdigkeit. Außerdem konnten die Forscher Schlafstörungen und ungewöhnliche Träume als Nebenwirkung der Blutdrucksenker ausmachen. „Betablocker sind in Bezug auf die psychische Gesundheit größtenteils sicher“, fasst Kreutz die Studienergebnisse zusammen. (jg) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Zur Studie

Mehr Quellen: https://www.herzstiftung.de/infos-zu-herzerkrankungen/; https://www.tk.de/techniker/gesundheit-und-medizin/

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In vielen Berufen schlägt den Mitarbeitern der hohe Stresslevel aufs Gemüt. Unsere Fotostrecke zeigt, in welchen Jobs überdurchschnittlich viele Menschen aufgrund von Depressionen krank geschrieben werden (Quelle: TK Depressionsatlas). © iStock / Poike
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