Experten stehen vor Rätsel

Immer mehr Kinder erkranken an Diabetes Typ-1

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Immer mehr Kinder erkranken an Diabetes Typ-1

In Deutschland leiden sechs Millionen Menschen an Diabetes. Auch immer mehr Kinder und Jugendliche erkranken an der genetisch bedingten Typ-1-Diabetes. Mediziner stehen vor einem Rätsel.      

In Deutschland steigt nach Expertenangaben die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes kontinuierlich. „Die Zahlen wachsen mit einer Frequenz von ein bis zwei Prozent pro Jahr“, sagte der Direktor der Leipziger Universitätsklinik für Kinder und Jugendliche, Prof. Wieland Kiess.

Für die Wissenschaft ein Rätsel

Insgesamt gebe es in Deutschland etwa 30.000 Kinder und Jugendliche mit der genetisch bedingten Autoimmunerkrankung Diabetes Typ 1, auch Jugenddiabetes genannt.

Warum die Zahlen steigen, sei für die Wissenschaft momentan noch immer ein Rätsel. Daran werde mit Hochdruck geforscht. Etwa an der Universitätsklinik in Ulm. Dort würden in einer Datenbank die Daten diabeteskranker Kinder erfasst. „Mehr als 130 Kinderkliniken senden ihre Daten nach Ulm. Das System ist vorbildlich für die ganze Welt“, sagte Kiess.

Zugleich wachse das Risiko in Deutschland, am Diabetes vom Typ 2 zu erkranken, für den unter anderem Übergewicht Auslöser sein könne, sagte Kiess. 750.000 Kinder und Jugendliche gelten als fettleibig (adipös). „Zwar ist nur ein Prozent der adipösen Jugendlichen Typ-2-Diabetiker, aber das Risiko zu erkranken oder als Erwachsener krank zu werden, ist deutlich höher als bei Normalgewichtigen.“

Wie schnell fettleibige Menschen zu Diabetikern werden, hänge auch von den Genen ab. In den USA etwa erkrankten Fettleibige mit dunkler Hautfarbe oder hispanischer Herkunft sehr rasch an Diabetes. „Wird ein Asiate adipös, bekommt er sehr rasch Diabetes. Bei uns dauert der Prozess etwas länger. Wir haben hier möglicherweise als weiße Europäer schützende Gene“, vermutete Kiess.

Diabetes: Das sollten Sie wissen

Mehrere Millionen Menschen in Deutschland leiden unter einer Vorstufe von Diabetes, wissen aber nichts von der Gefahr. Die Krankheitszeichen sind oft recht allgemein, doch folgende Alarmsignale können auf einen krankhaft erhöhten Blutzuckerspiegel hinweisen. © dpa/dak
1. Verschwommenes Sehen © dpa/dak
2. Taube Hände und Füße © dpa/dak
3. Heißhunger © dpa/dak
4. Übermäßiger Harndrang © dpa/dak
5. Anhaltende Müdigkeit © dpa/dak
6. Plötzlicher Gewichtsverlust © dpa/dak
7. Ständiger Durst © dpa/dak
8. Sexuelle Störungen © dpa/dak
9. Schlecht heilende Wunden © dpa/dak
Ohne Zucker geht beim Menschen gar nichts: Weder würden die Beine einen Schritt gehen, noch das Gehirn einen klaren Gedanken fassen. Wie der Automotor Benzin, so verbrennt unser Körper Traubenzucker und bezieht daraus seine Energie. Allein das Gehirn verbraucht 140 Gramm pro Tag! © dpa/dak
Der Körper holt sich die Glukose aus der Nahrung, über das Blut wird es zu den Organen transportiert und hineingeschleust. Doch dieser Glukose-Stoffwechsel ist bei jedem zehnten Menschen gestört. © dpa/dak
Eine Schlüssel- rolle spielt das Hormon Insulin, das für die Aufnahme des Zuckers in die Organe verantwortlich ist. Es verliert zunächst unbemerkt seine Wirkung. Um die gleiche Menge Zucker zu verarbeiten, wird also mehr Insulin benötigt. Der Körper produziert immer mehr Insulin, bis die dafür zuständigen Zellen in der Bauchspeicheldrüse zugrunde gehen. © dpa/dak
In Folge steigt der Blutzucker im Blut drastisch an, die Organe werden nicht mehr ausreichend mit Treibstoff und Sauerstoff versorgt. Die Folgen sind dramatisch wie Herzinfarkte, Nierenschäden oder schlecht heilendes Gewebe. © dak
Pro Jahr werden in Deutschland 28.000 Füße von Diabetikern amputiert. Mithilfe einer speziellen Stimmgabel überprüft hier der Arzt das Vibrationsempfinden des Fußes und kann davon weitere Maßnahmen ableiten. © dpa/obs
Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft empfiehlt über 45-Jährigen alle drei Jahre eine sogenannte Nüchtern-Blutglukosebestimmung beim Hausarzt. Früh erkannt, ist die Krankheit gut behandelbar. Wird Diabetes heilbar? Das Neueste von der Impfung bis zur Stammzellen-Therapie lesen Sie hier... © dak

Zwar nimmt nach neuesten Erkenntnissen von Wissenschaftlern der Unikinderklinik Leipzig hierzulande die Zahl der adipösen Kinder derzeit nicht weiter zu, dennoch sei die hohe Zahl fettleibiger Kinder und Jugendlicher alarmierend. Denn das Risiko an Diabetes Typ 2 zu erkranken oder Herz-Kreislauf-Krankheiten zu bekommen, sei deutlich höher als bei Normalgewichtigen.

Adipositas hänge auch vom sozialen Status ab. In Familien mit hohem Bildungsstand und guter sozialer Situation gebe es weniger Fettleibige als in sozial schwachen Familien. Das belegten Studien. Deshalb plädiere er für mehr Aufklärung und Prävention. „Da muss sich mehr in den Kindergärten, Sportvereinen und Schulen tun, damit auch arme Kinder bessere Chancen auf ein gesundes Leben bekommen“, forderte Kiess. Insgesamt leiden nach den Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft in Deutschland sechs Millionen Menschen an der Volkskrankheit Diabetes. 90 Prozent von ihnen haben den Typ 2.

In Leipzig tagt von Dienstagabend bis Samstag der Diabetes Kongress 2013. Dort beschäftigen sich Forscher und Mediziner speziell auch mit dem Thema Diabetes bei Kindern und Jugendlichen.

Gitta Keil, dpa

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