Dem Krebs den Schrecken nehmen

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) liegt in der hinteren Wand der Bauchhöhle direkt hinter dem Magen. Ihre Hauptaufgaben betreffen die Verdauung und den Zuckerstoffwechsel.
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Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) liegt in der hinteren Wand der Bauchhöhle direkt hinter dem Magen. Ihre Hauptaufgaben betreffen die Verdauung und den Zuckerstoffwechsel.

Welt-Pankreaskrebstag: Priv.-Doz. Dr. Kia Homayounfar informiert über Risikofaktoren, neue Behandlungsmethoden und verbesserte Prognosen von Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs ist zunächst einmal mit großer Angst verbunden: Diese tückische Erkrankung trifft in Deutschland jährlich etwa 19.000 Menschen – und im Gegensatz zu anderen Krebsarten ist die Überlebensrate vergleichsweise gering. Auf dieses Schicksal, aber auch auf die modernen Behandlungsmöglichkeiten, will der Welt-Pankreaskrebstag am heutigen Donnerstag, 18. November, aufmerksam machen.

Die Diagnose muss nicht automatisch einem Todesurteil gleichgesetzt werden: „Grundsätzlich gehört das Pankreaskarzinom zu den eher selten auftretenden Krankheiten“, weiß Privat-Dozent Dr. Kia Homayounfar. Seit Mitte vorigen Jahres ist der Chirurg neuer Direktor der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Klinikum Kassel. „Eine Behandlung ist in jedem Fall sinnvoll!“

Doch was macht den Krebs so gefährlich? 

„Problematisch ist, dass die Erkrankung im Frühstadium keine, beziehungsweise keine typischen Symptome verursacht und daher meist sehr spät erkannt wird.“ Bis heute fehlen verlässliche Vorsorgeuntersuchungen. Dazu kommt, dass der Tumor ein aggressives Wachstum aufweist und schnell Metastasen bildet. „Kommt es zu Beschwerden, meist sind es Rückenschmerzen, Gewichtsabnahme und Appetitlosigkeit oder Gelbfärbung der Haut, hat der Tumor meist schon eine gewisse Größe“, erläutert Dr. Homayounfar. 

Neue Behandlungsmethoden mit besseren Aussichten

Es gibt aber auch positive Nachrichten. In den vergangenen Jahren habe sich Einiges zum Positiven in der Tumorbehandlung entwickelt: „Die Operationsverfahren sind schonender geworden, und bestenfalls minimal-invasiv möglich –“, sagt Dr. Homayounfar. So erlitten die Patienten wesentlich weniger Blutverlust und man könne die komplizierten Eingriffe mit vertretbarem Risiko auch älteren Patienten anbieten. 

Zudem verdoppelt eine intensivierte Chemotherapie die Heilungsrate. „Immer häufiger nutzen wir eine solche intensivierte Chemotherapie auch schon vor der Operation, um einen fortgeschrittenen Befund überhaupt operabel zu machen“, so Dr. Homayounfar. Solche Kombinationsbehandlungen sind im Klinikum heute die Regel. Für die Zukunft verspricht er sich neue Möglichkeiten durch die molekulare Diagnostik, die gerade bei Verdacht auf eine erbliche Erkrankung sinnvoll ist. Im Tumorzentrum des Klinikums ist sie bereits heute möglich. Nicht selten nutzt der erfahrene Bauchchirurg bei der Operation die Kompetenz anderer Spezialdisziplinen am Klinikum, vor allem der Gefäßchirurgie. „Diese enge Zusammenarbeit erlaubt uns die sichere Entfernung von Tumoren, die vor einigen Jahren noch als nicht operabel angesehen wurden. 

Wenn es erforderlich ist, muss bei manchen Patienten die Bauchspeicheldrüse komplett entfernt werden. „Früher war das noch ein großes Problem“, sagt der Chirurg. Doch heute könne die Funktion mit Medikamenten so gut ersetzt werden, dass selbst eine Erwerbstätigkeit wieder möglich sein kann. 

Zertifizierte Zentren stehen für besserer Behandlungsqualität

Insbesondere interdisziplinäre Zentren haben die Expertise und Strukturen, die zu einer überdurchschnittlichen Behandlungsqualität führen. So ist das Klinikum Kassel als einziges Krankenhaus in Nordhessen seit 2011 von der Deutschen Krebsgesellschaft als Darmkrebs- und Bauchspeicheldrüsenkrebszentrum zertifiziert.

Dr. Homayounfar operiert mit seinem Team pro Jahr etwa 45 Patienten mit der Verdachtsdiagnose Pankreaskarzinom. „Die Mindestmenge, um diese Operation überhaupt durchführen zu dürfen, liegt derzeit bei lediglich zehn operativen Eingriffen jährlich, wird in den kommenden Jahren aber sicher durch den Gesetzgeber angehoben“, so der Chirurg. „Nur etwa ein Drittel der Erkrankten, die sich bei uns vorstellen, werden operiert, um den Tumor zu entfernen. Aber auch den übrigen Patienten kann heute eine effektive Behandlung angeboten werden, manchmal auch in Verbindung mit operativen Maßnahmen, beispielsweise zum Erhalt der Nahrungsaufnahme.“ 

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist der Grundstein für den Behandlungserfolg von Krebserkrankungen. Im Darm- und Pankreaskarzinomzentrum des Klinikum Kassel arbeiten Gastroenterologen, Chirurgen, und Hämatologen im engen Austausch miteinander.

Kontakt:
Klinikum Kassel
Mönchebergstr. 41–43
34125 Kassel

Klinik- für Allgemein- und Viszeralchirurgie
PD Dr. Kia Homayounfar
Leiter des Darm- und Pankreaskarzinomzentrums
0561 980 5262
www.gesundheit-nordhessen.de

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