Dicke werden ausgegrenzt – gesellschaftliche Akzeptanz von Adipositas wird geringer

In der Lehrküche: Jörg Müller lässt sich von Diätassistentin Antje Fuhrmeister ganz praktisch zeigen, wie man leckere und gesunde Mahlzeiten zubereiten und dabei Kalorien sparen kann. Foto: Polk

Die Stigmatisierung von Menschen mit Adipositas nimmt immer mehr zu“, sagt Dr. Hartmut Imgart, Leiter der Fachabteilung für Essstörungen und Adipositas der Parkland-Klinik in Reinhardshausen.

Dazu passt eine Umfrage aus dem Jahr 2008. Von den Befragten bejahten 23 Prozent einschlägige Vorurteile, die besagen, dass Dicke keine Willenskraft hätten, faul und undiszipliniert seien.

Dabei gibt es handfeste Gründe für Adipositas, so der Fachausdruck für Fettleibigkeit. Zu 60 Prozent spielt die genetische Veranlagung eine Rolle. Entscheidend ist auch das Lebensalter. In westlichen Gesellschaften ist Fettsucht besonders in der Altersgruppe der 45- bis 65-Jährigen verbreitet. Bewegungsmangel ist eine weitere Ursache und gleichzeitig Folge von Adipositas.

Zwischen emotionalen Faktoren und Adipositas besteht eine Wechselwirkung. „Depressive Menschen ziehen sich aus Sozialkontakten zurück. Oft essen sie aus Frust mehr. Zudem haben übergewichtige Menschen ein schlechtes Selbstwertgefühl, erleben eine gesellschaftliche Stigmatisierung und werden aus diesem Grund depressiv“, sagt Dr. Imgart, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Es sind jeweils Essattacken, die wiederum zu Frust führen – und dazu, dass die Betroffenen noch mehr essen. Binge-Eating nennen die Fachleute dieses Phänomen. Die Zahl der Menschen mit Adipositas ist mit über zwei Milliarden Menschen weltweit so hoch wie nie. Mediziner sprechen von einer globalen Epidemie. Immer mehr Kinder und Jugendliche sind betroffen.

Flexiblen Umgang lernen

In der Parkland-Klinik gibt es 20 Plätze zur Behandlung dieser Patienten Das Behandlungskonzept setzt an mehreren Punkten an. Bei der Ernährungsberatung geht es nicht um strikte Kontrolle, sondern um einen flexiblen Umgang mit Ernährung. Die Patienten erarbeiten in der Verhaltenstherapie Alternativen zum „Frustessen“.

In Bewegungsgruppen erleben sie kleine Verbesserungen ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit. Das steigert das Selbstwertgefühl und vermindert den Hang zu Depressionen. Die Therapie muss alltagstauglich sein, und die Erwartungen der Patienten realistisch. „Wer nur fünf Prozent seines Anfangsgewichtes abnimmt, verbessert seinen Gesundheitszustand um bis zu 50 Prozent“, sagt Dr. Imgart. (zip)

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