Divertikel - Kleine Beulen im Darm

Divertikel - so heißen kleine Ausstülpungen der Darmschleimhaut, die mit zunehmendem Alter häufiger vorkommen. Bei der Vorsorge helfen ballaststoffreiche Ernährung, erklärt der Kasseler Arzt Dr. Jürgen Ganasinski.

Dr. Jürgen Ganasinski

„Mein Mann leidet in unregelmäßigen Abständen immer wieder an Bauchschmerzen und Fieber. Sein Hausarzt meinte, der Grund dafür seien Darmdivertikel. Eine Bekannte hat mir jetzt erzählt, diese Divertikel könnten manchmal lebensgefährlich sein, und eine Operation sei der einzige Ausweg. Sollte mein Mann nicht dringend unters Messer?“, fragt Karin S. aus Holzhausen. Antworten hat Dr. Jürgen Ganasinski, Facharzt für Innere Medizin in Kassel.

Was sind Darmdivertikel und wie entstehen sie?

Darmdivertikel sind etwa pfefferkorngroße Ausstülpungen der Darmschleimhaut und treten an Gefäßlücken der Darmwand auf. Bei fast jedem Zweiten über 70 Jahren entstehen diese Darmdivertikel, begründet durch eine Altersschwäche des Bindegewebes. Beim Transport des Stuhlgangs durch den Darm entsteht dort ein großer Druck - ist das Gewebe geschwächt, verursacht der Druck kleine Beulen.

Welche Beschwerden bereiten Darmdivertikel?

Bei den meisten der Betroffenen treten gar keine Symptome, auf und die Divertikel werden nur zufällig bei einer Vorsorgeuntersuchung entdeckt. Beschwerden verursachen Darmdivertikel erst, wenn sich die Ausstülpungen entzünden. Liegt solch eine Divertikulitis vor, verursacht die Entzündung Schmerzen im linken Unterbauch, Fieber sowie Durchfall oder Verstopfung. Klagen Patienten über solche Symptome, sichern eine Ultraschalluntersuchung und die Labordiagnostik meist die Diagnose, dass eine Darmdivertikulitis vorliegt.

Sollten Darmdivertikel operativ entfernt werden?

Nein, in der Regel nicht. Zwar sind die Divertikel als solche nicht heilbar, eine Behandlung wird aber erst nötig, wenn sich die kleinen Beulen entzünden und eine Divertikulitis entsteht. Dann werden die Beschwerden mit Antibiotika und Schmerzmitteln behandelt und klingen innerhalb weniger Tage wieder ab. Eine Operation ist nur manchmal sinnvoll - etwa dann, wenn die Entzündungen in regelmäßigen Abständen auftreten und Komplikationen befürchtet werden. Sollten sich die Entzündungsschübe also häufen, ist Vorsicht geboten.

Was könnten das für Komplikationen sein?

In manchen Fällen drohen die Ausstülpungen zu platzen. Dadurch gelangen Stuhl und Blut in die Bauchhöhle, was zu einer Vergiftung führen kann - dann besteht akute Lebensgefahr, und der Patient muss schnellstmöglich operiert werden. Solche Komplikationen sind aber selten, in der Regel sind entzündete Darmdivertikel durch Medikamente gut behandelbar. Dennoch sollte diese Krankheit nicht unterschätzt und entsprechend vorgebeugt werden.

Wie kann ich einer Divertikulitis vorbeugen?

Vorbeugen kann man durch gesunde Ernährung. Man sollte ordentlich Ballaststoffe zu sich nehmen. Viel Vollkornbrot, Obst, Gemüse und Müsli sind besser als fettes Fleisch und viel Zucker.

Außerdem sind viel Bewegung und ausreichend Flüssigkeit – mindestens zwei Liter Wasser pro Tag - wichtig. Damit kann harter Stuhlgang vermieden und der Darm entlastet werden. Und das ist notwendig, um Entzündungen der Darmdivertikel vorzubeugen.

Von Christoph Steinbach

Zur Person: Dr. Jürgen Ganasinski

Dr. Jürgen Ganasinski (58) hat in Göttingen studiert und eine Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin absolviert. Seit 1990 ist er in Kassel niedergelassen. Gemeinsam mit seiner Frau Ulrike betreibt Ganasinski in Bad Wilhelmshöhe eine Gemeinschaftspraxis für Innere Medizin und Allgemeinmedizin. (pch)

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