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Einsamkeit bei Kindern: Forscher rät Eltern, über Gefühl zu sprechen

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Von: Judith Braun

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Kindliche Einsamkeit kann für den Nachwuchs Folgen bis ins Erwachsenenalter haben. Insbesondere, wenn Eltern das Thema tabuisieren.

Einsamkeit ist für viele Menschen in der modernen Welt kein Fremdwort mehr. Die Corona-Pandemie mit ihren Kontaktbeschränkungen und Lockdowns hat ihr Übriges dazu getan. Besonders junge Leute zwischen 18 und 29 Jahren sollen von dem Gefühl betroffen sein. Meist erleben wir Einsamkeit, wenn Umbruchphasen oder größere Veränderungen anstehen, wie zum Beispiel ein Umzug in eine neue Stadt oder der Verlust eines nahestehenden Menschen.

Einsamkeitsgefühle können ihren Ursprung allerdings bereits in der Kindheit haben. Oftmals sind sie die Folge von kindlichen Traumata, mit denen Betroffene bis ins Erwachsenenleben zu kämpfen haben. Umso wichtiger ist es, dass Eltern ihren Kindern gegenüber aufmerksam sind, Einsamkeitsgefühle erspüren und mit ihnen über Gefühle sprechen. Denn jeder Mensch fühlt sich mal einsam – deshalb sollte das Thema laut dem Kindheitsforscher Prof. Thorsten Herbst keinesfalls tabuisiert werden.

Einsamkeit bei Kindern: Forscher rät Eltern, über Gefühl zu sprechen

Ein Junge sitzt mit einem Kuscheltier auf dem Boden.
Kinder entwickeln erst gegen Ende des Grundschulalters die Fähigkeit zur eigenständigen Selbst- und Weltwahrnehmung. So können sie Einsamkeit nur erkennen, wenn Eltern sie benennen. (Symbolbild) © Adalberto Rodriguez/IMAGO

Laut dem Studiengangsleiter für Angewandte Therapiewissenschaft an der IB Hochschule für Gesundheit und Soziales sei es wichtig, Kindern zu vermitteln, dass jeder Mensch das Gefühl von Einsamkeit kennt. Er warnt deshalb gegenüber Deutschlandfunk Kultur, ein Tabu-Thema daraus zu machen. Kindern sollte beigebracht werden, offen über Einsamkeitsgefühle zu sprechen, sonst könnten „emotionale Kollateralphänomene“ entstehen: „Einfaches Beispiel: Ein Kind, das Einsamkeit erfährt, indem es ausgegrenzt wird, wird, wenn das mehrfach passiert, auch glauben, dass es ein Kind ist, mit dem man ja auch gar nicht gut spielen kann, das doof aussieht, das hässliche Schuhe hat. Das heißt, ein Stigma wird übernommen und es wird zum Selbststigma gemacht.“

Bei Kindern zeigt sich Einsamkeit bis zum fünften Lebensjahr in der Angst, von den Eltern oder engsten Bezugspersonen verlassen zu werden. Später äußert es sich dann beispielsweise in Diskriminierung, fehlenden oder nur wenigen engen Freunde oder wenn Kinder zu viel Zeit am Smartphone verbringen. Wird das Urvertrauen in dieser Phase erschüttert und geht dadurch verloren, fällt es schwer, dieses später wieder aufzubauen. Die Kleinen brauchen in diesen ersten Jahren deshalb ganz besonders enge, vertraute und stabile Beziehungen. So können sie sich gegen chronische Einsamkeitsgefühle im Erwachsenenleben absichern und schaffen es auch ohne Angst alleine zu sein.

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Kindliche Einsamkeit: Was können Eltern tun?

Damit Kinder ihre Einsamkeitsgefühle nicht verdrängen, ist es laut Herbst wichtig, dass Eltern sie erspüren. Schließlich entwickeln Kinder erst gegen Ende des Grundschulalters die Fähigkeit zur eigenständigen Selbst- und Weltwahrnehmung. Deshalb fühlen sie diese Emotion nur, wo sie von ihren Bezugspersonen wie Eltern oder aber auch älteren Geschwistern auch benannt werden. Eltern sollten sich deshalb fragen: „Warum tabuisieren wir das, und mittels welcher Haltungen oder vielleicht Übungen können wir uns diesem Phänomen widmen?“

Der Kindheitsforscher empfiehlt, sich mit seinen eigenen Einsamkeitsgefühlen aus der Kindheit auseinanderzusetzen. Dabei hilft es, sich an seine eigene Kindheit zu erinnern und zu fragen, in welchen Situationen man sich selbst einsam gefühlt hat und welche Gründe eine Rolle gespielt haben. So gelingt es zu erforschen, wo kindliche Einsamkeitsgefühle herrühren.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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