Hoffnung

Experten: Heilungschancen bei Aids wachsen

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Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt deutlich früher mit der Behandlung von HIV-Patienten zu beginnen. Damit könnten bis 2025 drei Millionen Todesfälle und 3,5 Millionen Ansteckungen verhindert werden.

Mediziner glauben an konkrete Heilungschancen bei Aids. Aufsehen erregte jüngst der Fall eines Babys in den USA, das als „funktionell geheilt“ gilt und ohne Medikamente auskommt.

Experten halten eine Heilung bei der Immunschwächekrankheit Aids für absehbar. „Wir werden in den nächsten Jahren schneller eine Heilung als eine Impfung bekommen“, sagte der Münchner Aids-Forscher Hans Jäger. Er leitet die 15. Münchner Aids- und Hepatitis-Tage von Freitag bis Sonntag. Rund 1500 Experten werden dazu erwartet.

„Die Heilung ist ein planbares Konzept, die Therapien sind besser geworden“, sagte Jäger vor Kongressbeginn der Nachrichtenagentur dpa. Es gebe mindestens 20 Fälle von sogenannter „funktioneller Heilung“, das heißt praktisch Virusfreiheit ohne spezielle Medikamente.

20 Fälle "funktionell geheilt"

Für Aufsehen sorgte gerade erst der Fall eines HIV-infizierten Säuglings aus dem US-Bundesstaat Mississippi. Obwohl die HIV-positive Mutter das Baby monatelang nicht mehr behandeln ließ, stieg die Zahl der Viren bei dem Kind nicht - Ärzte bezeichneten es als „funktionell geheilt“. Zwar können in diesen Fällen einzelne Viren oder Bruchstücke wie eine Art „Fußabdrücke“ nachgewiesen werden. Das Immunsystem kontrolliert dies aber so gut, dass keine lebenslange medikamentöse Behandlung mehr nötig ist.

Für Jäger zählen zu den so „Geheilten“ insgesamt zwei Babys, zwei Patienten in Berlin und 15 Teilnehmer einer französischen Studie. „Das sind natürlich viel zu wenige. Wir haben noch nicht verstanden, welche Mechanismen das sind, die speziell diese Menschen an die Heilung gebracht haben. Wir wissen nur: Es klappt. Wir haben den Beweis dafür, dass es möglich ist.“

„Heilung“ hat es zum Beispiel nach einer Knochenmarktranspantation gegeben. Bei einem HIV-infizierten Leukämie-Patienten aus Berlin etwa ließen sich nach einer Stammzelltransplantation die Aids-Erreger einige Jahre später nicht mehr im Körper nachweisen.

Bei einer anderen Methode wird laut Jäger bei Helferzellen außerhalb des Körpers der Andockmechanismus für das Virus ausgeschaltet. Diese nun gegen HIV immunen Zellen werden in den Körper zurückgebracht. Die HIV-befallenen Zellen sterben, während diese neuen Zellen überleben. Dieses „genetische editing“ könne auch bei Langzeiterkrankten wirken.

Bei Neugeborenen oder Neuinfizierten wiederum komme es vor, dass nach einer zwei- bis dreijährigen Therapie trotz Absetzens der Medikamente die Viruslast im Blut nicht mehr steige - wie bei dem US-Baby.

In einer französischen Studie habe das bei 15 Prozent der Neuinfizierten funktioniert. „Jetzt müssen wir das auf größere Patientengruppen übertragen“, sagte Jäger. „Wir sind dabei zu untersuchen, ob nicht mehr von den früh Behandelten zu den funktionell Geheilten gehören können als angenommen.“ Allerdings wage man bisher selten ein Absetzen der Medikamente, nur um herauszufinden, ob ein Patient möglicherweise geheilt sei. Deshalb werde intensiv an Laboruntersuchungen geforscht, um diese Chancen vorher zu klären.

Wann ein Impfstoff gefunden werden könne, sei völlig offen, sagte Jäger. Deshalb müsse mehr Geld in Therapieforschung gesteckt werden.

dpa

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